Ein Mitarbeiter der SPD-Abgeordneten Maja Wallstein verklagt seine Chefin. Die Grünen wehren sich gegen Betriebsrat und Tarifvertrag. Beuten Bundestagsabgeordnete ihre Mitarbeiter aus?

D ie Verhandlung im fünften Stock des Berliner Arbeitsgerichts beginnt ohne die Beklagte. „Wo haben Sie denn ihre Mandantin gelassen?“, fragt die Richterin. „Die ist im Bundestag“, antwortet die Anwältin. „Das ist keine Entschuldigung“, erwidert die Richterin. „Ich hätte es für absolut notwendig erachtet, dass sie erscheint.“

Es ist der 26. März 2026, kurz nach 9 Uhr. Im Bundestag hat eine Debatte zu den steigenden Ölpreisen begonnen. Zu einem Antrag der AfD ist eine namentliche Abstimmung angesetzt. Für Maja Wallstein, SPD-Abgeordnete aus Cottbus, hat das Vorrang vor dem Prozess, den ein ehemaliger Mitarbeiter gegen sie angestrengt hat.

Die Klage sei ohnehin „substanzlos“, sagt ihre Anwältin. Aber die Richterin sieht das anders. In den kommenden anderthalb Stunden wird sie klarmachen: Eine Vorgesetzte darf mit einem Mitarbeiter nicht so umgehen, wie Wallstein es getan hat. Die SPD-Politikerin wirbt auf ihrer Homepage zwar damit, für „bessere Arbeitnehmerrechte“ zu stehen. Sie schreibt, dass sie vor ihrer Zeit im Parlament selbst als Betriebsrätin „Kämpfe mit ungleich verteilten Waffen“ führen musste.