Ganz langsam senkt er die Hand. Die letzten Takte von Mahlers 9. Sinfonie sind verklungen. Es herrscht atemlose Stille im Auditorio Nacional, bevor der Applaus aufbrandet. David Afkham dirigiert sein Madrider Publikum, das ihn nicht ziehen lassen will. Zwölf Jahre lang war er Chefdirigent des „Orquesta Nacional de España“ – ein Deutscher an der Spitze des Spanischen Nationalorchesters, viel spanischer geht es kaum.Es ist ein emotionaler Abschied an dem Hochsommerabend. Im Foyer signiert der dreiundvierzigjährige Dirigent die neue Mahler-CD. Die Schlange nimmt kein Ende. Vielen reicht sein Autogramm nicht aus. Seine treuen Zuhörer wollen ein Erinnerungsfoto mit ihm und oft noch eine Umarmung.Brittens „War Requiem“ als vorletztes StückAuch in seinen allerletzten Konzerten machte er es seinen spanischen Fans nicht leicht. Aber dafür mögen sie ihn. Alle drei Termine waren ausverkauft. In Madrid und danach bei einem Gastspiel in der Alhambra in Granada entschied er sich für Gustav Mahlers 9. Symphonie. „Die Neunte ist eine Grenze. Wer darüber hinauswill, muss fort“, hatte schon Arnold Schönberg über das letzte vollendete Werk des Komponisten gesagt: Ein leise verklingender Abschied und ein Aufbruch zugleich, der perfekt zu dem Abend passt.Für sein vorletztes Programm als Orchesterchef hatte Afkham das „War Requiem“ von Benjamin Britten gewählt. „Klar, ich hätte mit einer Fiesta gehen können. Aber da bin ich zu ernst. Als Künstler und Kulturinstitution haben wir auch eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber. Die Reaktion des Publikums hat bewiesen, dass die Auswahl der Musik richtig war“, sagt er und fügt zufrieden und zugleich wehmütig hinzu: „Ich gehe im besten Moment.“
Dirigent David Afkham verlässt das Spanische Nationalorchester
Der Freiburger Dirigent David Afkham verabschiedet sich nach zwölf Jahren vom Spanischen Nationalorchester. Über die Zeit ist ein besonderes Verhältnis zu seinem Publikum entstanden. Er selbst sagt: Ich gehe im besten Moment.






