Nach einem stundenlangen Nervenkrieg ist die Geiselnahme in einem Supermarkt im Süden Berlins beendet. Nach Polizeiangaben wurde der Täter ohne den Einsatz von Schusswaffen festgenommen. Gegen 9.20 Uhr sei der Zugriff erfolgt, sagte Polizeisprecher Florian Nath. „Spezialeinsatzkräfte haben den Täter überwältigen und die festgehaltene Frau befreien können.“ Dabei sei ein sogenannter Taser eingesetzt worden. Solche Geräte sollen Menschen durch elektrische Impulse kurzzeitig bewegungsunfähig machen. Der Geiselnehmer sei dabei leicht verletzt worden, er sei in ein Krankenhaus gebracht worden.Auch die befreite Frau, die mehr als elf Stunden gefangen gehalten wurde, kam in ein Krankenhaus. Nach ersten Angaben des Sprechers steht sie unter Schock. Weitere Angaben zu ihrem Zustand konnte Nath zunächst nicht machen. „Glücklicherweise ist hier niemand größer zu Schaden gekommen. Es gibt keine schwereren Verletzungen, die laut aktuellem Stand zu beklagen wären.“Kurz nach 22 Uhr hatte der Täter die Frau in dem Rewe-Markt im Stadtteil Marienfelde in seine Gewalt gebracht und bedroht, wie Polizeisprecher Stefan Petersen-Schümann der Deutschen Presse-Agentur sagte. Der Supermarkt befindet sich in der Hildburghauser Straße, an der Ecke zum Tirschenreuther Ring.Die Hintergründe der Tat sind unklar. Der Sprecher machte zunächst keine Angaben zum Alter oder der Nationalität des mutmaßlichen Geiselnehmers. Nach ersten Erkenntnissen sollen der Mann und die Geisel vor der Tat in keiner Beziehung zueinander gestanden haben.Der Mann habe verschiedene Forderungen gestellt. „Das waren Impulsforderungen, die sich im schwer nachvollziehbaren Bereich abgespielt haben“, so der Sprecher. Sie hätten kein „akribischen Tatplan widergespiegelt“.Der Supermarkt war großräumig abgesperrt, wie ein Reporter vor Ort berichtete. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) war vor dem Gebäude positioniert. Zahlreiche Polizeifahrzeuge, Rettungswagen und die Feuerwehr sind vor Ort. Am frühen Morgen hatten die Beamten eine Leiter ans Gebäude gestellt und sich einen Blick in den Markt verschafft, wie ein dpa-Reporter beobachtete.Ein Mitarbeiter des Supermarkts schilderte Reportern die Ereignisse vom Abend. Der Supermarkt sei kurz vor der Schließung gewesen, als ein Mann ein Messer gezogen habe – das sei „schon sehr groß“ gewesen. Er sei dann mit einer Kollegin rausgelaufen und habe die Polizei verständigt.Marienfelde liegt im Bezirk Tempelhof-Schöneberg am südlichen Rand der Hauptstadt, weit entfernt vom Berliner Stadtgeschehen. Es ist eine ruhige Wohngegend, geprägt von Einfamilienhäusern und mehrstöckigen Wohnbauten.