Es ist alles angerichtet für den Weltuntergang: der verschmierte Lippenstift, die Vogelnestfrisur und diese ikonische Weltschmerz-Stimme, die sich so tief ins kollektive Unbewusste hineinvibriert hat, dass sie selbst jenen vertraut vorkommen muss, die noch nie etwas von The Cure gehört haben. „And the wind is blowing / Like it’s the end of the world“, singt Robert Smith, der dunkle Prinz des Post-Punk, und eröffnet den ersten von drei ausverkauften Abenden in der Berliner Wuhlheide.Was folgt, ist ein Konzert, das düsterer kaum sein könnte – und bei dieser Band will das etwas heißen. Über weite Strecken ist das Hauptset ein einziger Sog aus Sechs-bis-acht-Minuten-Epen: „Plainsong“, „From the Edge of the Deep Green Sea“, „Prayers for Rain“, zuletzt „Disintegration“. Auf den Leinwänden flimmern dazu Traum- und Albtraumsequenzen: Sternschnuppen in Zeitlupe, verschwommene Rummelplatzlichter, rhythmisch zuckendes Friedhofsgewürm.
Konzert
Seit 1989 nicht gespielt: Nick Cave überrascht seine alte Heimat Berlin mit einem 40 Jahre alten Song
Zwei Akkorde, endlose Schleifen: Warum die Monotonie Konzept ist
Man kann das eintönig finden. Man kann sich aber auch in das erhebende Ewigkeitsgefühl des Immergleichen hineinlegen. Viele dieser Songs kreisen, eigentlich immer in Moll, über manchmal bloß zwei Akkorde. „A Forest“ dreht dieselbe Vier-Akkord-Runde, die nirgends ankommt, bis am Ende allein der Bass übrigbleibt.Die Form spiegelt den Inhalt, denn genau davon handelt der Song: Das Ich folgt einer Mädchenstimme zwischen die Bäume und begreift zu spät, dass da nie jemand war – ein existentielles Rennen ins Nichts, wieder und wieder („It’s always the same / I’m running towards nothing / Again and again and again and again …“).Ihre Spannung beziehen diese Cure-Songs vor allem aus ihrer Textur: Die ostinaten Bassläufe bilden das Fundament, darüber schichten Gitarren und Keyboards Flanger-Farben und Melodiefragmente, getrieben von maschinenhaften Beats, die hier und da tatsächlich von einer Drum Machine sekundiert werden. Selbst Reeves Gabrels’ virtuose Wah-Wah- Gitarren-Soli verweben sich mit dem dunkel-psychedelischen Klangteppich, statt aus ihm auszubrechen.









