Die Stadt macht Ernst mit ihrem harten Sparkurs, am kommenden Dienstag will sie das Ende des kostenlosen Kindergartens für alle beschließen. Auch die Betreuung in kommunalen Krippen und Horten soll teurer werden. Des Weiteren soll das Essensgeld in den Kindertagesstätten steigen und die Ermäßigung für Geschwisterkinder sinken. Allein die höheren Gebühren sollen den angeschlagenen Haushalt um gut 34 Millionen Euro pro Jahr entlasten. Durch den Aufschlag auf das Essensgeld rechnet die Stadt mit einem weiteren Kosteneffekt von 11,6 Millionen Euro.Das zuständige Referat für Bildung und Sport wird die Sparvorschläge am Dienstag in den Stadtrat einbringen. Die neuen Preise für die städtische Kinderbetreuung sollen von September 2027 an gelten, betreffen also noch nicht das im Herbst beginnende neue Schuljahr. Über die Kita-Sparpläne der Mango-Koalition hat die SZ bereits exklusiv berichtet. Nun legt das Referat dem Bildungsausschuss detaillierte Pläne und mehrere Varianten für Gebührenerhöhungen vor.Demzufolge werden die Preise künftig überall nach Einkommen gestaffelt. Das soll soziale Härten abfedern. Für Geringverdiener mit einem Familieneinkommen bis einschließlich 50 000 Euro bleiben Krippe, Kindergarten und Hort kostenfrei. Danach gibt es weitere Stufen bei 60 000 Euro, 70 000 Euro und 80 000 Euro sowie allen Einkommen, die über dieser höchsten Grenze liegen.Das wirkt sich in dem von Verwaltung und Politik präferierten Modell auf den bisher für alle kostenlosen Besuch des Kindergartens folgendermaßen aus: Familien in der untersten Bezahlstufe müssten für acht Stunden Betreuung 65 Euro im Monat bezahlen, in weiteren Stufen stiege der Wert über 95 Euro und 121 Euro auf den Höchstpreis von 138 Euro.Der Acht-Stunden-Tag ist die am häufigsten gewählte Buchung in den Kindergärten, bei einer kürzeren oder längeren Betreuung passen sich die Preise entsprechend an. In den Krippen wird ebenfalls die Acht-Stunden-Variante am häufigsten gewählt. Hier gibt es auch bisher schon die oben beschriebene Staffelung nach Einkommen.In der teuersten Krippen-Stufe sollen die Preise für den Acht-Stunden-Tag von aktuell 213 Euro auf 290 Euro steigen. Familien mit einem Einkommen bis 80 000 Euro sollen 254 Euro bezahlen (bisher 198 Euro), für die Stufe bis 70 000 Euro sollen 199 Euro fällig werden (bisher 175). Die unterste Einkommensgruppe bis 60 000 Euro soll 136 Euro beitragen (bisher 100 Euro).Auch für Schulkinder, die einen städtischen Hort besuchen, will die Stadt die Gebühren anziehen. Für vier Stunden pro Tag sollen Eltern in der teuersten Kategorie künftig 121 Euro pro Monat aufbringen (bisher 113 Euro). Das setzt sich in den beschriebenen Einkommensschritten nach unten über 105 Euro (vorher 98 Euro), 86 Euro (vorher 81 Euro) und zuletzt 63 Euro (59 Euro) fort.„Wir verstehen, dass Eltern, die künftig mehr für die Kita zahlen müssen, das nicht gut finden“, sagt Grünen-Fraktionschef Sebastian Weisenburger. Der kostenfreie Kindergarten sei jedoch „allein aus städtischen Mitteln gerade nicht darstellbar“. Man halte es für vertretbar, wenn Familien mit einem guten bis sehr guten Einkommen „einen fairen Beitrag“ für die Betreuung ihrer Kinder zahlen. „Auch im Vergleich mit anderen bayerischen Städten sind und bleiben die Kita-Gebühren in München bezahlbar.“Die SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner sagt, man unterstütze das vorgeschlagene Modell zu den Kita-Gebühren sowie die Vorschläge zu Verpflegungsgeld und Geschwisterkinderermäßigung, „da sie vollständig im Rahmen der Koalitionsverhandlungen so erarbeitet wurden“.Für alle privaten Einrichtungen, die nach dem Modell der Münchner Kitaförderung Geld von der Stadt erhalten, wird keine soziale Staffelung nach Einkommen vorgegeben. Als Preise nennt die Vorlage jeweils die städtischen Höchstwerte. Für die oben beschriebenen Betreuungszeiten würde das für die Krippe eine Gebühr von 290 Euro, für den Kindergarten von 138 Euro und für den Hort von 121 Euro bedeuten.Auch in den Folgejahren sind Steigerungen geplantDas neue Bezahlmodell ist für die Bürgerinnen und Bürger noch das günstigste aus insgesamt drei Vorschlägen, die dem Stadtrat vorgelegt werden sollen. Mit diesem einmaligen Aufschlag im Jahr 2027 soll es aber nicht getan sein, die Stadt will im Herbst 2028 und 2029 die Gebühren um jeweils weitere vier Prozent anheben. Danach wollen die Stadträtinnen und Stadträte Bilanz ziehen und prüfen, ob die Eltern damit genügend zur Sanierung des Haushalts beigetragen haben – oder ob weitere Erhöhungen kommen werden.Für Eltern, die nicht nur ein Kind haben, wird die Betreuung mit dem zweiten Kind günstiger. Doch auch die Geschwisterermäßigung will die Stadt nun nach unten schrauben – die Reduzierung wird also reduziert.In städtischen Kitas soll für das zweite Kind künftig der Preis berechnet werden, der eine Einkommensstufe unter der eigenen liegt. Bisher ging es zwei nach unten. Bei privaten Trägern sollen sich die Kosten um 35 Prozent reduzieren, bisher waren es 50 Prozent. Vom dritten Kind an bezahlen Eltern wie bisher keine Gebühren.Schon von Herbst 2027 an soll aber ein weiterer Faktor die Kinderbetreuung teurer machen: der Beitrag für die Mahlzeiten in den Einrichtungen. Beim Verpflegungsgeld empfiehlt das Bildungsreferat, die Preise um zwei Euro pro Tag zu erhöhen. Statt wie bisher sechs Euro pro Tag bezahlen Eltern künftig also acht Euro. Berechnet werden 21 Tage pro Monat und zehn Monate pro Jahr; bezahlt wird in Raten, die sich auf zwölf Monate verteilen. Damit ergibt sich ein Betrag von 140 Euro im Monat für Essen und Trinken.Im Raum stand auch eine Erhöhung des Verpflegungsgelds um 3,50 Euro pro Tag. Das war dem Bildungsreferat offenbar zu viel, die moderatere Erhöhung berücksichtige „sowohl die finanziellen Bedürfnisse der Einrichtungen als auch die Belastungen für die Familien“, so heißt es in der Vorlage.
München Kinderbetreuung: Wie stark die Gebühren ab 2027 steigen
München plant ab September 2027 höhere Gebühren für Kindergarten, Krippe und Hort. Die Preise werden nach Einkommen gestaffelt, auch das Essensgeld steigt.









