Zehn Milliarden Euro klingen ganz ordentlich. Um Steuern in dieser Höhe will die Regierung die Bürger entlasten. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) liefert die passenden Fallbeispiele, alle mit zwei Kindern, von der Pflegekraft, der Erzieherin bis zum Lehrer, und das alles auch für Alleinerziehende. Um teilweise mehr als 600 Euro im Jahr sollen die Menschen entlastet werden. „Das ist eine respektable Summe“, lobt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich selbst und seine Koalition.Nun unterliegen Beispiele immer auch einer politischen Auswahl. Und so überrascht nicht, dass dort alle kräftig entlastet werden. Vor allem gering- bis mittelgut verdienende Arbeitnehmerfamilien sind das. Dies soll schließlich die Botschaft sein. Aber wie sieht es in anderen Fällen aus, bei kinderlosen Singles, bei Gutverdienern, bei Selbständigen? Profitieren sie auch, und um wie viel? Und bleibt auch bei den Familien etwas von der versprochenen Entlastung übrig, wenn die absehbaren Mehrbelastungen in den Sozialversicherungen mitberücksichtigt werden? All das zeigt der neue Reform-Rechner der F.A.S., der ausrechnet, wie viel netto die Leser 2027 und 2028 nach den Steuer- und Sozialreformen auf ihrem Konto haben werden. Sie müssen dafür nur wenige Angaben zu ihrem Einkommen und eventuellen Kindern machen und erhalten sofort ihren künftigen Nettobetrag angezeigt.Es ist eine Näherungsrechnung, keine genaue Prognose, denn einige Details stehen noch nicht fest, und alle anderen sind auch noch nicht im Bundestag beschlossen. So muss der F.A.S.-Rechner mit Annahmen arbeiten, aber die liegen nahe an den zu erwartenden Beschlüssen. Der Rechner gibt eine gute Indikation, wer besonders viel entlastet und wer sogar belastet wird.Geplant ist, dass der steuerfreie Grundfreibetrag angehoben wird, das Kindergeld bis 2028 in zwei Schritten auf 272 Euro steigt und der Arbeitnehmerpauschbetrag um 200 Euro auf 1430 Euro wächst. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent wird erst etwas später ab 70.600 Euro erhoben. Auf der anderen Seite müssen Gutverdiener mehr bezahlen. Die sogenannte Reichensteuer wird künftig schon ab 250.000 Euro erhoben (Verheiratete das Doppelte), von 280.000 Euro an gibt es einen neuen Steuersatz von 47 Prozent. Das zeigt, warum kinderreiche Familien mit gutem, aber nicht sehr hohem Einkommen die Gewinner der Reformen sind. Warum kinderlose Gutverdiener und kleine mittelständische Unternehmen mehr als bisher zahlen müssen. Und weshalb Selbständige, die nicht vom höheren Arbeitnehmerpauschbetrag profitieren, benachteiligt werden.