Die Geschichte von der Goldenen Generation ist wohl schlicht zu spannend, als dass sie nicht auch diesmal wieder erzählt worden wäre. Das sei nun aber wirklich der allerallerletzte Anlauf, hieß es deshalb stets, wenn vor dieser Fußball-Weltmeisterschaft über die Aussichten von Belgiens Nationalteam gesprochen wurde. Wobei sonderlich viel gar nicht gesprochen wurde über diese Mannschaft, die ihren Zenit längst hinter sich haben sollte.Die Ära, in der es belgische Superfußballer in Hülle und Fülle gab, scheint so gut wie vorüber, nun, da Kevin De Bruyne 35, Thibaut Courtois 34 und Romelo Lukaku 33 Jahre alt sind und Akteure wie Eden Hazard oder Vincent Kompany längst keine Spieler mehr.Es war das Narrativ, das diese Generation stets begleitet hat, dass sie aus dem Geschenk der Götter, derart viele Weltklassespieler auf einmal im belgischen Nationalteam vereinen zu können, letztlich zu wenig gemacht hat. Es hat sie begleitet bei ihrem Aufstieg zum irgendwann gar nicht mehr geheimen Geheimfavoriten, der bei der WM 2018 dann immerhin Dritter wurde. Es hat sie begleitet bei ihrem bitteren Vorrunden-Aus auf dem vermeintlichen Zenit 2022 in Qatar. Es hat sie begleitet bei ihrem Abstieg aus dem Kreis der Titelanwärter nach dem schwachen Abschneiden bei der Fußball-EM 2024 in Deutschland.Stabiles Fundament für ErfolgeWas dabei jedoch übersehen wurde: Weder ist das finale Urteil schon gefällt, noch muss es bedeuten, dass der belgische Fußball danach substantiell schlechter wird. Wer zum Beispiel überrascht ist, dass Belgien nun am Freitag (21 Uhr MESZ/ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, im ZDF und bei MagentaTV) im WM-Viertelfinale gegen Spanien steht, hat wohl nicht mitbekommen, dass sie auch diesmal wieder ungeschlagen durch ihre WM-Qualifikation gekommen waren und dabei nur Norwegen noch mehr Tore geschossen hatte.Wer überrascht war, dass die Mannschaft in der Runde zuvor die Gastgebernation USA 4:1 vom Platz fegte – mit reichlich Wut im Bauch über den Trump-Anruf bei Infantino –, der hat wohl nicht mitbekommen, dass sie ebenjene Amerikaner bereits im Testspiel vor wenigen Wochen 5:2 geschlagen hatten. Und wer überrascht war, dass Trainer Rudi Garcia im Achtelfinale dabei mit De Bruyne, Lukaku und Jeremy Doku sogar seine drei vermeintlich besten Feldspieler zunächst auf der Bank lassen konnte, hat übersehen, dass Belgiens Erfolge längst auf einem stabileren Fundament stehen.Mischung aus Erfahrung und EnergieDenn die Belgier machen seit inzwischen mehr als zwei Jahrzehnten dermaßen viel richtig in der Nachwuchsarbeit, dass der angesichts der Größe des Landes erstaunlich stetige Strom an Talenten einfach nicht abreißt. Zwar gibt es derzeit eher keine belgischen Spieler, die wie einst Hazard, De Bruyne, Lukaku und Courtois zu den weltweit Besten ihres Fachs gehören, doch Spieler auf international gehobenem Niveau wie Jeremy Doku, Charles De Ketelaere oder Kapitän Youri Tielemans gibt es noch immer zuhauf.Der Kader weist deshalb eine sehr vielversprechende Mischung aus Erfahrung und Energie auf. Zurück unter den acht besten Teams der Welt sind die Belgier damit mindestens. Das Gefährliche für ihre Gegner: Eine Goldene Generation brauchen sie dafür gar nicht mehr.
WM 2026: Belgien braucht keine Goldene Generation mehr
Die Ära der belgischen Superfußballer scheint vorbei, dennoch hat das Nationalteam das WM-Viertelfinale erreicht. Wer das für Zufall hält, übersieht etwas Entscheidendes.














