Waldmeister servieren sie drinnen im Opernhaus. Nein, nicht das Getränk aus dem aromatischen Labkraut, das dieses übernatürliche Grün ins Bowle-Glas zaubert. Im Gärtnerplatztheater wird am Samstagabend, 11. Juli, Johann Strauss’ süffige gleichnamige Operette gespielt. Gleich im Entrée-Lied tost da eine imposante Gewittermusik. „Himmel, so ein Wetter!“Das müssen die Menschen vor dem Haus beim wie immer kostenlosen „Gärtnerplatz Open Air“ hoffentlich nicht fürchten, wenn sie dort zur gleichen Zeit zu den Beats von Paul Wetz’ Song „Träumer“ tanzen. Der Singer-Songwriter ist am Samstag der Headliner. Und seine treibenden Synths werden die Gäste im Opernhaus wohl ebenso wenig stören wie später am Abend André Dancekowski. Der DJ und musikalischer Leiter im „Goldenen Reiter“ ist eine Ikone im Münchner Nightlife und wird gegen 20.30 Uhr mit dem Auflegen beginnen. Kann gut sein, dass er ein Bassgewitter über den Platz fegen lässt.Verbindet sein Songwriting mit elektronischer Musik: Paul Wetz ist der Headliner am Samstagabend auf dem Gärtnerplatz. Catherina HessLos geht es allerdings schon am Samstagnachmittag auf Münchens schönster Freiluftbühne. Ok, diesen Titel beansprucht auch Klassik am Odeonsplatz für sich, das ebenfalls am kommenden Wochenende stattfindet, und die Staatsoper mit ihrer Oper für alle lässt natürlich nichts über den Max-Joseph-Platz kommen.Weil wir uns aber zum Glück in München respektive im Glockenbachviertel befinden, ist da im Grunde ein entspannt neidloses Leben-und-leben-Lassen, für das die Veranstalter beider Tage, die Dahoam in Minga GmbH und das Staatstheater am Gärtnerplatz, definitiv stehen.Münchner Institutionen können sich auf dem Gärtnerplatz präsentieren. Anna SchnaussSo können sich Münchner Vereine, Einrichtungen sowie Kulturinstitutionen wieder kostenfrei auf dem inneren Rondell des Gärtnerplatzes präsentieren. Und es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der LBGTQ+-Community im Glockenbachviertel. So ist während des Gärtnerplatz Open Airs nicht nur der Platz, sondern auch die Reichenbachstraße auf der gesamten Länge vom Gärtner- bis zum Reichenbachplatz für Festivitäten der queeren Szene gesperrt.Auch in den anderen Straßen rund um den Gärtnerplatz bieten lokale Gastronomen und Aussteller Streetfood und kühle Drinks (am Samstag von 15 bis 0 Uhr und am Sonntag von 15 bis 22 Uhr).Auf der Open-Air-Bühne machen am Samstag gegen 15.30 Uhr junge Jazzer aus München den Opener: Sounddrift, sechs Musiker, die sich am hiesigen Pestalozzi-Gymnasium gefunden haben und auch im Trio Solaire spielen, über das der Jazz-Kritiker dieser Zeitung absolut ins Schwärmen gerät: „Kein abgehobener Jazz-Jazz, wie man ihn oft von Studenten hört, erklang da. Sondern eine reife, druckvolle Fusion aus Jazzrock à la George Duke, Latin und Modern Jazz. Virtuos in Technik, Timing und Tempo, stark in der Form, im aufeinander hörenden Zusammenspiel wie in der Improvisation.“Singen und Trinken, Trinken und Singen! So kennt man den Münchner Kneipenchor. Münchner KneipenchorNach dem Jazz und vor dem Headliner steigt dann um 17 Uhr der Münchner Kneipenchor in den Ring. Sehr unwahrscheinlich, dass diesen in jeder Hinsicht trainierten Sängerinnen und Sängern noch die musikalische Kneipentour in den Kehlen steckt, die sie zuvor am Donnerstag unternommen haben. Die Stimmbänder sind geölt und bereit für den großen Auftritt auf dem Gärtnerplatz.Applaus vom Dirigenten: Michael Balke und Ensemblemitglieder wie Tenor Matteo Ivan Rašic gestalten die Musikgala am Sonntag. Anna SchnaussDas gilt fraglos auch für die Ensemblemitglieder des Gärtnerplatztheaters. Denn am zweiten Tag des Open Airs gehört die Bühne auf dem Platz traditionell dem Opernhaus, das am Sonntag, 15.30 Uhr, bei einer öffentlichen Generalprobe schon mal Einblick ins Programm der abendlichen Konzertgala gibt: Die Solistinnen und Solisten des Gärtnerplatztheaters präsentieren Arien aus Opern wie „Norma“, „La Traviata“, „Don Giovanni“, „Rigoletto“ und „Tannhäuser“, Operettenhits aus der „Lustige Witwe“ oder dem „Weißen Rössl“. Und für die Musical-Fans wird auch etwas dabei sein.Die musikalische Leitung liegt beim Chefdirigenten des Staatstheaters, Rubén Dubrovsky, der den Stab an diesem Abend auch an seinen Stellvertreter Michael Brandstätter sowie an den Ersten Gastdirigenten des Hauses, Michael Balke, und an die Kapellmeister Eduardo Browne und Andreas Partilla weiterreicht. Durch den Abend führt wieder Staatsintendant Josef E. Köpplinger, der sich 2024 von einem herannahenden Gewitter nicht kirre machen ließ und den mittlerweile legendären Spruch tat: „Wir fangen pünktlich an und spielen, so weit wir kommen.“„Gärtnerplatz Open Air“, Samstag, 11., und Sonntag, 12. Juli, Beginn jeweils 15 Uhr, Eintritt frei, Infos zum Kulturprogramm und zur Gastro unter www.gaertnerplatz-openair.de