Für sie: Charlize, die GöttinChristopher Nolans Version von Homers „Odyssee“ kommt in die Kinos, und seit der Trailer läuft, regen sich Leute auf. Über den amerikanischen Akzent. Oder fehlende „Historientreue“ wegen der schwarzen Lupita Nyong’o in der Rolle der Helena. Das Geläster ist so blöd, wie wenn man nach 300 Minuten „Batman“-Trilogie sagen würde, dass das jetzt aber unrealistisch war. Realität ist das Stichwort. Bei der Premiere des Blockbusters in London wirkte eine Göttin aus Hollywood nämlich so, als könne sie die nicht mehr so einfach von der Fiktion trennen: Charlize Theron, nicht für Zimperlichkeit in der Rollenwahl bekannt, stellt in Nolans Epos Kirke dar, die Zauberin, die ganz allein wild auf einer Insel lebt und, als Odysseus ankommt, dessen Mannen in Schweine verwandelt. Getty ImagesKlar, dass Kirke die Feministinnen-Favoritin unter den Mythen ist! Diese Verantwortung spürte Theron (Method-Schauspielerin?) wohl auch während der Dreharbeiten, und scheinbar noch lange danach. Zuerst veröffentlichte sie göttliche Nacktfotos auf Instagram, ein paar Stunden später tauchte sie in diesem Outfit von Givenchy auf. Die Gel-Frisur wirkt hart, die Schultern stark und die bauschigen Handschuhe leicht verrückt – auf jeden Fall die ganze Frau so, als wolle sie gleich einen fiesen Strafzaubertrick aus den Designer-Ärmeln schütteln. Das ist eine wirklich zeitgemäße Attitüde, leider ohne Konsequenzen: Viel zu viele wollen immer noch eine blonde Helena, und auf dem roten Teppich wurden auch keine Schweine gesichtet. Die müssen weiterhin in die Schlachthöfe.Für ihn: Matt, der BiedermannEin Irrtum, der auch modebewussten Männern passiert, ist die Gleichsetzung von formal wear und elegant attire. Sieht ein Event oder ein Termin formal wear vor, etwa eine Hochzeit, ein Staatsbankett oder Ähnliches, dann ist ein guter Anzug die einzig richtige Wahl. Es geht dann darum, ein ordentliches Gesamtbild abzugeben, das den Anlass ernsthaft würdigt. Anders ist die Sachlage, wenn auf dem Termin ausdrücklich Eleganz, Glamour oder sparkling irgendwas erwünscht sind – wie etwa bei Festen, gesellschaftlichen Events oder lockeren Kulturveranstaltungen. Dann sollten Männer nicht reflexhaft zum Anzug greifen, auch wenn sie damit sicherlich durchkommen. Aber bitte nicht vergessen: Die meisten Herrenanzüge verströmen einen ziemlich trockenen Business-Kontext. Vertriebsmitarbeiter, Politiker und Banklehrlinge tragen sie und lassen dabei absolut keinen Eleganzverdacht aufkommen. Getty ImagesMan sieht es an Matt Damon, hier bei der pompösen Premiere des Antik-Actionfilms „The Odyssey“. Damon trägt zweifellos einen guten, sicherlich maßgeschneiderten Anzug. Krawatte, Kragen, Manschetten, Schuhe - sitzt alles tiptopp. Und doch sieht es insgesamt so aus, als würde er in einer halben Stunde im Standesamt in Kensington verheiratet. Als wäre er nicht ein Hollywoodstar, sondern ein braver Bürger, der sich ordentlich angezogen hat, weil das Fernsehen kommt. Outfit und Anlass klaffen auseinander, Damon gibt keinen Hinweis auf seine Zugehörigkeit zur kreativen Klasse. Der überakurate Anzug wirkt auf dem roten Teppich ausnahmsweise nicht souverän, sondern wie ein Look für jemanden, der nichts falsch machen möchte. Ist nicht schlimm, aber Anlass für eine kleine Nachdenk-Hausaufgabe – wie könnte männliche Eleganz aussehen, wenn man sie jenseits des bürokratischen Anzugprinzips denkt?
Christopher Nolans Odyssee: Hollywoodpremiere in London
Christopher Nolans Film zur Odyssee feiert Premiere in London. In der Stilkritik: Charlize Theron als Kirke und Matt Damons Anzugstil













