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Südostasien: Steuerparadies – Indonesien lockt die Finanzindustrie nach Bali Der geplante neue Finanzplatz soll in Konkurrenz zu Singapur und Hongkong stehen. Derweil warnen Experten beim Staatsfonds vor Verstößen gegen internationale Anti-Geldwäsche-Standards.

Mathias Peer 10.07.2026 - 12:02 Uhr Artikel anhörenBali Nusa Dua: Nicht nur Touristen sind künftig gefragt. Foto: Getty Images/iStockphotoBangkok. Die indonesische Urlaubsinsel Bali hat viele Vorzüge: weiße Sandstrände, Weltklasse-Surfspots und ein tropisches Klima, das digitale Nomaden aus aller Welt anzieht. Nach den Plänen der Regierung in Jakarta kommt bald ein weiterer Pluspunkt hinzu: Steuerfreiheit für die Finanzindustrie.Präsident Prabowo Subianto will milliardenschwere Investitionen aus dem Ausland anlocken. Mittels großzügig gewährter Fördermaßnahmen soll ein internationales Finanzzentrum entstehen, das mit etablierten Finanzmetropolen wie Hongkong und Singapur konkurrieren kann. Für den Landeschef wäre das angelockte Kapital wichtig, um ambitionierte Ausgabenprogramme der Regierung zu unterstützen.So schürt Indonesiens Regierung durchaus hohe Erwartungen. Ein ranghoher Vertreter des Finanzministeriums sagte am Mittwoch, dass sich die ausländischen Investitionen in das neue Finanzzentrum auf umgerechnet 17 bis 28 Milliarden Dollar belaufen sollen. Grundlage für diese Prognose seien „moderate Berechnungen“.Milliardensummen vom Aktienmarkt abgezogenDabei blicken internationale Investoren aktuell mit großer Skepsis auf Südostasiens größte Volkswirtschaft. Seit Jahresbeginn haben sie rund fünf Milliarden Dollar von Indonesiens Aktienmarkt abgezogen – der lokale Leitindex verlor im gleichen Zeitraum mehr als 30 Prozent. Auch die Landeswährung, die indonesische Rupiah, rutschte in den vergangenen Monaten im Vergleich zum US-Dollar mehrfach auf immer neue Rekordtiefs. Einen Abwärtstrend verzeichneten ebenfalls die ausländischen Direktinvestitionen.Hintergrund des Negativtrends sind Sorgen um die finanzielle Stabilität des Schwellenlandes. Prabowos teure Sozialprogramme belasten den Staatshaushalt des großen Inselstaats mit seinen mehr als 280 Millionen Einwohner. Mehrere Ratingagenturen senkten zuletzt ihren Ausblick für die Staatsfinanzen des Landes auf negativ.Surfen auf Bali: Keine Einkommensteuer für Finanzexperten aus dem Ausland. Foto: Getty ImagesNun soll das neu geplante Finanzzentrum die Investorenflucht stoppen. Ein Gesetzesentwurf, den die Regierung diese Woche ins Parlament einbrachte, zeigt wie der Plan gelingen soll. So ist zum Beispiel im Entwurf eine 100-prozentige Senkung der Körperschaftsteuer vorgesehen, für alle Finanzunternehmen, die sich in dem neuen Zentrum ansiedeln werden.Zudem befreit der Entwurf ausländische Finanzexperten, die vor Ort arbeiten werden, von der Einkommensteuer. Vereinfacht werden sollen zudem Genehmigungsverfahren und ein eigenes Schiedsgericht soll Investoren mehr Rechtssicherheit bieten.Geldwäscherisiken beim StaatsfondsFinanzminister Purbaya Yudhi Sadewa fasst das neue Projekt der Regierung wie folgt in Worte: Das Finanzzentrum sei Teil der Regierungsstrategie, Indonesien in eine stärkere, inklusive, nachhaltige und global wettbewerbsfähige Volkswirtschaft zu verwandeln. Erwartet wird, dass das Parlament die dafür nötigen Gesetzesänderungen bis August beschließen wird.Derzeit steht der genaue Standort des Zentrums zwar noch nicht offiziell fest. Beobachter halten es aber für so gut wie sicher, dass es in einer der beiden Sonderwirtschaftszonen auf Bali entstehen wird – in Sanur oder Kura Kura.Global Wealth Report Hongkong überholt Schweiz als weltgrößter Offshore-Finanzplatz Doch es dürfte nicht einfach sein, internationale Banken, Vermögensverwalter und reiche Privatleute von dem neuen Finanzzentrum zu überzeugen. Vielmehr haben die drei größten ausländischen Banken in Indonesien – Citigroup, Standard Chartered und HSBC – in den vergangenen zwei Jahren aufgrund steigender Risiken mehr als 600 Millionen Dollar an Kapital aus dem Land abgezogen. Insgesamt ist das mehr, als die Banken zuvor im gesamten Zeitraum dort erwirtschaftet haben.Prabowo Subianto: Teure Sozialkprogramme des indonesischen Präsidenten belasten den Staatshaushalt. Foto: via REUTERSAuffällig ist, dass die Finanzinstitute in der Amtszeit von Prabowos Vorgänger, Joko Widodo, noch einen erheblichen Teil ihrer Gewinne im Land gelassen haben, um das dortige Wachstum zu finanzieren. Nun aber gelingt es auch den Behörden nicht, die Finanzindustrie zu überzeugen, in Anleihen des von Prabowo geschaffenen Staatsfonds Danantara zu investieren. Der Fonds soll strategische Regierungsprojekte finanzieren.So hatte die Regierung in Jakarta im vergangenen Jahr lokalen Unternehmen nahegelegt, in sogenannte „Patriot Bonds“ des Fonds zu investieren. Diese Anleihen waren mit einem Zinscoupon von zwei Prozent aber vergleichsweise unrentabel.Kritiker aber werfen dem Fonds eine erhebliche Intransparenz vor. Volkswirte beklagen zudem, der Fonds diene zur versteckten Schuldenaufnahme. Die Regierung könne auf diese Weise die festgelegte Obergrenze beim Haushaltsdefizit von drei Prozent umgehen.Börse in Jakarta: Internationale Investoren haben seit Jahresbeginn rund fünf Milliarden Dollar von Indonesiens Aktienmarkt abgezogen. Foto: AFPExperten erkennen zudem Geldwäscherisiken bei den Bemühungen des Fonds, private Gelder einzutreiben. Denn neue Vorschriften untersagen lokalen Finanz- und Ermittlungsbehörden, die Herkunft der in Danantara-Anleihen investierten Gelder zu überprüfen. Auch dürfen Steuerbehörden die Transaktionen nicht als Belege in Steuerverfahren nutzen.Rechtsexperten kritisieren, all das schaffe für die Regierung eine Möglichkeit, Kapital aus illegalen Quellen einzuwerben. So warnen zivilgesellschaftliche Organisationen vor Verstößen gegen internationale Anti-Geldwäsche-Standards. Die Regierung wies die Befürchtungen als unbegründet zurück. Verwandte Themen HongkongCitigroupHSBCBali Hai Pier in Pattaya: Ausländische Finanzexperten, die vor Ort arbeiten werden, sollen von der Einkommensteuer befreit werden. Foto: AFPDie Kontroverse um die Anleihen könnte auch die Pläne für das internationale Finanzzentrum auf Bali treffen. Finanzminister Purbaya stellte in Aussicht, dass die Investoren im Zentrum auch in Danantara-Anleihen investieren würden. Ökonomen warnen daher davor, die Anziehungskraft von Steuerbefreiungen zu überschätzen.Yusuf Rendy Manilet, Wirtschaftswissenschaftler bei der in Jakarta ansässigen Denkfabrik Core, weist darauf hin, dass globale Investoren immer auch die politische Stabilität eines Landes und den langfristigen Ruf des Finanzmarktes bei ihren Entscheidungen berücksichtigen würden. „Kapital, das lediglich aufgrund niedrigerer Steuersätze angezogen wird, tendiert dazu, auch leicht wieder abzuwandern, sobald es anderswo ein attraktiveres Angebot gibt“, warnt er. Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige remind.me Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige FREITAG® Immobilien FREITAG® Immobilien – Ihr Makler und Gutachter für München & Starnberg Anzeige Presseportal Direkt hier lesen! 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