Die Beweislage gegen den mutmasslichen Mörder von Charlie Kirk ist erdrückend – doch Verschwörungstheoretiker kümmert das wenigZehn Monate nach dem Mord am Politaktivisten Charlie Kirk läuft im Gliedstaat Utah die Vorverhandlung für den Mordprozess gegen Tyler Robinson. Der Angeklagte äusserte bereits kurz nach der Tat Reue. Dennoch droht ihm die Todesstrafe.10.07.2026, 11.36 Uhr4 LeseminutenTyler Robinson, der mutmassliche Mörder von Charlie Kirk, wohnt den Anhörungen in den Vorverhandlungen zu seinem Mordprozess bei.Trent Nelson / PoolEs passiert am 10. September 2025: Rund 3000 Menschen haben sich auf dem Campus der Utah Valley University versammelt, um einer Debatte der Organisation «Turning Point USA» beizuwohnen. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich stellt sich Charlie Kirk, der 31-jährige Mitbegründer der Gruppierung und Anhänger von Donald Trumps «Make America Great Again»-Bewegung (Maga) den Fragen zumeist linksgerichteter Studenten, mit denen er sich vor laufender Kamera Wortgefechte liefert.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Doch um 12 Uhr 23 endet die Debatte abrupt. Vom Dach eines rund 130 Meter entfernten Universitätsgebäudes feuert ein Schütze einen gezielten Schuss auf Kirk ab. Der konservative Politaktivist wird am Hals getroffen und sackt vor laufender Kamera in sich zusammen. Panik bricht aus. Wenig später erliegt Kirk im Spital seinen Verletzungen.Der Schütze wird nicht sofort gefasst, die Polizei leitet eine Grossfahndung ein. Erst einen Tag später stellt sich der 22-jährige Tyler Robinson auf Druck seiner Eltern dem lokalen Sheriff.Vorgeschmack auf den ProzessZehn Monate später sitzt der mutmassliche Mörder in einem Gerichtssaal in der Stadt Provo im Gliedstaat Utah. Auf den TV-Bildern ist zu sehen, wie der junge Mann aufmerksam, aber schweigend den Verhandlungen zuhört. Er trägt einen Anzug, wirkt gefasst, manchmal macht er sich mit seinen gefesselten Händen Notizen.Bei den gerichtlichen Beratungen, die an diesem Freitag zu Ende gehen dürften, handelt es sich erst um eine Vorverhandlung. Bisher hat sich Robinson weder für schuldig bekannt, noch auf unschuldig plädiert. Nun muss der Richter entscheiden, ob genügend Beweismaterial für die Abhaltung eines Strafprozesses vorliegt oder nicht. Das gilt als Formalität: Diese Hürde ist viel tiefer als die jene für eine spätere Verurteilung. Erst dann wird die Staatsanwaltschaft die Schuld Robinsons «jenseits jeden vernünftigen Zweifels» beweisen müssen.Die Vorverhandlung bietet einen Vorgeschmack auf den späteren Prozess. Bereits jetzt ist das Medieninteresse riesig. Charlie Kirks Eltern waren ebenso anwesend wie seine Witwe Erika, die von Donald Trump Junior begleitet wurde. Die Gerichtsverhandlungen geben auch einen Einblick in die Strategien von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie Hinweise auf die Beweislage.«Er begann zu weinen»Die Staatsanwaltschaft legte dem Richter DNA-Spuren vor, die Robinson mit der Tatwaffe verbinden sollen. Sie präsentierte auch Aufnahmen von Überwachungskameras, die den Mord und die angeblichen Bewegungen Robinsons auf dem Universitätsgelände zeigen. Kernstück war aber eine auf Video aufgenommene Zeugenaussage eines jungen Mannes namens Lance Twiggs, mit dem Robinson in einer Wohngemeinschaft zusammenlebte und mit dem er romantisch liiert war.Laut Medienberichten soll Twiggs, der bei der Vorverhandlung nicht persönlich aussagte, zum Zeitpunkt der Tat im Begriff gewesen sein, seine Geschlechtsidentität zu ändern. Auf dem Video gibt sich Twiggs aber als Mann zu erkennen. Er erklärt, er habe sich nie vollständig als Transperson identifiziert. Um das Recht Robinsons auf einen fairen Prozess zu wahren, wurde nicht das ganze Video der Befragung im Gerichtssaal gezeigt.Twiggs war weder am Mord beteiligt, noch über die Pläne informiert. Vielmehr lobten die Behörden seine Kooperationsbereitschaft. Die Staatsanwaltschaft stützt sich unter anderem auf eine Notiz, die Robinson Twiggs in der gemeinsamen Wohnung hinterliess. Darauf steht: «Ich hatte die Gelegenheit, Charlie Kirk auszuschalten und ich werde sie ergreifen.»Zudem gestand Robinson gegenüber Twiggs die Tat in SMS-Nachrichten, die dem Gericht ebenfalls vorgelegt wurden. Darin schreibt Robinson unter anderem, er habe Kirk ins Visier genommen, weil er genug gehabt habe von dessen Hass. Als sich die beiden nach der Tat in ihrer Wohnung trafen, soll Robinson aufgewühlt gewesen sein. «Er begann zu weinen», sagt Twiggs im Video. «Und er sagte, er wünschte, er hätte es nicht getan.»Wilde VerschwörungstheorienBereits im September hatten sich im Internet Verschwörungstheorien verbreitet. Wegen Robinsons Liebschaft mit Twiggs behauptete die rechte Influencerin Laura Loomer, eine «Trans-Terror-Zelle mit weiteren Zielen» stehe hinter dem Mord. Derweil verbreiteten linke Aktivisten die Falschaussage, Robinson sei ein Wähler der Republikaner oder gar ein Trump-Anhänger. Und da Kirk Israel zwar unterstützt, aber das Vorgehen in Gaza auch als «ethnische Säuberung» bezeichnet hatte, kursierten Theorien, wonach Israel hinter dem Mord stehe.In der Vorverhandlung hat sich keine dieser wilden Thesen bestätigt. Das vermochte die zahlreichen Influencer und Podcaster, die an die Vorverhandlung gereist waren, nicht zu beeindrucken. Neue Nahrung gaben ihnen die Verteidiger von Robinson, die (wie Strafprozessen üblich) versuchten, alternative Theorien in den Raum zu stellen. So waren auf dem Campus zwei weitere Schusswaffen gefunden worden, und die Polizei hatte anfänglich auch andere Tatverdächtige befragt. Bekannt wurde in der Vorverhandlung auch, dass Robinson mit der Organisation «Turning Pont» schon vor der Veranstaltung in Kontakt gewesen war.Das befeuerte die Theorie, Kirk könnte von Mitstreitern verraten worden sein. Die einstige Maga-Influencerin Candice Owens, behauptete, Robinson sei offensichtlich nicht der Mörder, sondern bloss sei ein Naivling und Sündenbock. Kelli Rabon, eine Podcasterin aus Texas, verstieg sich zur These, Kirks Tod sei inszeniert worden und der Aktivist sei an einem geheimen Standort weiterhin am Leben.Robinson droht TodesstrafeDie Staatsanwaltschaft hingegen ist nicht nur der Ansicht, dass genügend Beweise gegen Robinson vorliegen. Sie argumentiert auch, dass der junge Mann die Todesstrafe verdient. Diese kann im Gliedstaat Utah nur bei einer Tat mit erschwerenden Umständen verhängt werden.Im Falle Robinsons argumentiert die Staatsanwaltschaft, dieser habe die Tat geplant, sie sei politisch motiviert gewesen und Robinson habe mit seinem Schuss aus 130 Metern Entfernung auch andere Teilnehmer der Veranstaltung tödlichen Gefahren ausgesetzt. Der Strafprozess gegen Robinson dürfte nicht vor 2027 stattfinden. Die Todesstrafe müsste von den Geschworenen nach einem Schuldspruch in einem separaten Entscheid einstimmig verhängt werden.Passend zum Artikel
Mord an Charlie Kirk: Verschwörungen, Beweise und ein drohendes Todesurteil
Zehn Monate nach dem Mord am Politaktivisten Charlie Kirk läuft im Gliedstaat Utah die Vorverhandlung für den Mordprozess gegen Tyler Robinson. Der Angeklagte äusserte bereits kurz nach der Tat Reue. Dennoch droht ihm die Todesstrafe.
















