Bis vor Kurzem gab es einen großen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen in der Hauptstadt, jetzt werden Paare von Kitas zum Nachwuchsmachen animiert.
I ch laufe mit Freund Lukas durch den Berliner Wedding, vorbei an der „Kita Plapperschildkröte“. Der Name macht mich ratlos. „Na ja“, sagt Lukas, „die gehören halt demselben Träger, der die Kita Plapperfisch unterhält.“ Ich schaue ihn verständnislos an. Was soll das denn für eine Erklärung sein? „Die haben außerdem die Kita Plapperfrosch in der Edinburger Straße“, setzt Lukas nach.
Aber die Plapperkitas weisen auf eine gravierende Veränderung in der Stadt hin. Es ist nicht lange her, dass Kita-Plätze heiß begehrte Luxusgüter und Statussymbole waren. Viele junge Paare haben sich nicht getraut, miteinander ins Bett zu gehen, ehe sie nicht wenigstens die Zusicherung einer Kita erhalten hatten, dass sie sich in die Warteliste für einen Platz in drei Jahren eintragen durften. Kita-Plätze wurden vererbt wie heutzutage Mietverträge.
Doch die Zeiten, in denen man als Kita-Chefin mit Döner-Abos, Bierkisten oder altem Zahngold bestochen wurde, sind lange vorbei. Erst gab es eine Kita-Inflation. Wo früher Nagelstudios, Wettbüros, Eckkneipen oder ganz gewöhnliche Puffs waren, machten plötzlich überall Kitas auf. Kita „Tüte Mücken“, Kita „Paradiesvögel“, Kita „Buntspechte“, Kita „Hauptstadtkinder“, Kita „Weiße Wolke“, Kita „Sonnenblume“. Was soll bloß aus den Kindern werden, wenn sie schon in Kitas mit solchen Namen gehen müssen? Dieses hier: „Haribo macht Kinder fett / steht sogar im Internet“, singt ein Dreikäsehoch vor sich hin, der uns fröhlich entgegenspringt. Ja, Zucker ist ungesund, aber ich finde, Kinder sollten lustvoll und unvernünftig nach Gummibärchen verlangen und nicht wie Sprechroboter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung klingen!








