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Nach dem Vorbild der USA und der Ukraine: Bundeswehr richtet neue Drohnen-Zentralstelle ein Ein neues Gremium soll künftig festlegen, wie Drohnen und Sensoren verschiedener Hersteller zusammenarbeiten müssen. Ziel: Souveränität und Geschwindigkeit.

Tobias Gürtler 09.07.2026 - 19:45 Uhr Angriffsdrohne des Herstellers Helsing Foto: IMAGO/Mike SchmidtDie Bundeswehr richtet ein neues Gremium ein, das die Beschaffung unbemannter Systeme grundlegend verbessern soll. Die nach ukrainischem und amerikanischem Vorbild erdachte Zentralstelle soll künftig festlegen, welche technischen Regeln bei jedem Drohnenkauf der Bundeswehr gelten – und kontrollieren, dass sie eingehalten werden. Ziel sind einheitliche, offene Standards, damit Systeme verschiedener Hersteller kompatibel sind, und wie Bausteine ineinandergreifen können. Der Softwarekern soll zudem künftig in staatlicher Hand sein, um Abhängigkeiten von einzelnen Herstellern zu verhindern.Das Verteidigungsministerium bestätigt auf Anfrage der WirtschaftsWoche, „diesbezüglich eine Weisung erlassen“ zu haben. Der Schritt trage den „sich weiter beschleunigenden technischen Innovationszyklen Rechnung“, ermögliche künftig „schnelle Anpassungen an die jeweiligen aktuellen Erfordernisse“. Die politisch und militärisch besetzte Zentralstelle, die in engem Austausch mit der Industrie arbeiten soll, werde „schnellstmöglich“ ihren Dienst aufnehmen, heißt es aus Beschafferkreisen.Die neue Instanz heißt offiziell „Zentralstelle MOSABw“. MOSA steht dabei für „Modular Open System Approach“, zu Deutsch etwa: modularer, offener Systemansatz. Gemeint ist ein Baukastenprinzip: Einzelne Bauteile und Programme sollen wie Legosteine zusammenpassen, egal von welchem Hersteller sie stammen.Nato-Gipfel Deutschland kauft Tomahawk-Marschflugkörper in den USA Für die technische Philosophie dahinter gibt es zwei erklärte Vorbilder. Zum einen das ukrainische Führungs- und Aufklärungssystem Delta, zum anderen das namensgebende US-amerikanische MOSA-Prinzip, das dort inzwischen sogar gesetzlich verankert ist. Beide dienen als Blaupause für eine Strategie, die als „Government Open Source“ bezeichnet wird: Die technischen Baupläne der Software gehören dem Staat und sind für alle beteiligten Behörden und Firmen einsehbar – kein Hersteller kann damit künftig andere aussperren.Technischer Vorsprung hält nur WochenAusgangspunkt für die Reform ist die Erfahrung aus dem Krieg in der Ukraine. Dort greifen künstliche Intelligenz, Drohnentechnik und Datenübertragung so schnell ineinander, dass technologische Überlegenheit auf dem Schlachtfeld heute oft nur noch wenige Wochen anhält – Innovationszyklen von wenigen Wochen sind keine Seltenheit mehr.Aus Sicht der Bundeswehr rächt sich in diesem Tempo eine alte Schwäche: Bislang bot die Industrie bei unbemannten Systemen meist Lösungen an, die jeweils einen Hersteller ins Zentrum stellen. Ein solches Modell werde aber „nie von anderen Herstellern wirklich akzeptiert“, heißt es aus Beschafferkreisen. Das Ergebnis seien uneinheitliche Standards, die eine effektive digitale Souveränität verhindern und die vollintegrierte Einführung neuer Systeme verzögern. In der Wissenschaft habe sich dieses Problem längst anders gelöst: Dort setzten sich weltweit einfache, effiziente Open-Source-Standards durch – ein Vorbild für die neue Beschaffungslogik.In der Rüstungsindustrie stößt die neue Zentralstelle überwiegend auf Zustimmung. Dennoch ist sie eine Wette mit zwei Seiten und bedeutet für die Zukunft vor allem: Kooperation mit der Konkurrenz statt Machtkampf um Führung. Wer künftig eigene, innovative Funktionen entwickeln wolle – etwa im Bereich Schwarmintelligenz –, könne das zwar weiterhin tun, heißt es aus Industriekreisen. Die Schnittstelle dazu müsse dann aber „transparent auch an andere Marktteilnehmer“ weitergegeben werden, damit kein Anbieter durch technische Alleinstellung dauerhaft im Vorteil bleibt. Das birgt Vor- und Nachteile – vor allem für junge Start-ups, die Investoren in Zeiten immer höher steigender Bewertungen von ihrer eigenen Systemrelevanz überzeugen müssen.Rüstung „Das viele Geld treibt die Branche auseinander“ von Tobias GürtlerDennoch: Man sei es auch schlicht leid, immer wieder über die Frage „Wer ist die neue Mitte?“ zu diskutieren, heißt es aus Kreisen beteiligter Unternehmen. Die Drohnenbauer Stark und Helsing etwa unterstützten den Ansatz explizit, bestätigen auch Beschafferkreise. Der Nutzen eines offenen Systems wird von Seiten des Amtes als Vorteil für die gesamte Branche beschrieben: Offene Schnittstellen nivellierten das Spielfeld, der tatsächliche Nutzen einer Technologie trete in den Vordergrund, ein bloßer „Fuß in der Tür“ sei als Argument nicht mehr ausreichend. Davon profitierten gerade kleine, hochspezialisierte Unternehmen, die in einem vernetzten Rüstungsumfeld wettbewerbsfähig bleiben könnten.Die Standardisierung ist dabei nur die eine Seite der Reform. Die andere betrifft die Art, wie die Bundeswehr überhaupt einkauft. Bislang mussten Systeme meist als fertiges Produkt abgenommen werden, bevor ein Vertrag zustande kam. Künftig soll es möglich sein, Technik zu erwerben, „noch bevor es ein Produkt gibt“ – etwa, um Exemplare direkt in der Truppe zu testen und aus der Praxis heraus weiterzuentwickeln.Das Beschaffungsamt BAAINBw bestätigt auf Anfrage der WirtschaftsWoche, künftig verstärkt auf sogenannte Innovationsklauseln zurückzugreifen, bereits erprobt etwa bei der jüngsten Beschaffung von Angriffsdrohnen. Diese Klauseln verpflichten Hersteller vertraglich dazu, ihre Systeme kontinuierlich weiterzuentwickeln und auf dem neuesten Stand zu halten. „Ohne eine solche Klausel könnten die heute gekauften Systeme in wenigen Monaten wirkungslos sein, weil der potenzielle Gegner bereits Gegenmaßnahmen ergriffen hat“, heißt es beim Amt. Mehr zum Thema Unsere Partner Anzeige Stellenmarkt Die besten Jobs auf Handelsblatt.com Anzeige ImmoScout Jetzt kostenlos den Wert deiner Immobilie ermitteln Anzeige IT BOLTWISE Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik Anzeige Remind.me Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s Anzeige Presseportal Lesen Sie die News führender Unternehmen! Anzeige Bellevue Ferienhaus Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen Anzeige Übersicht Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche Anzeige Finanzvergleich Die besten Produkte im Überblick