«Grooming» am Nürnberger Hauptbahnhof: Junge Frauen werden offenbar gezielt für Sexualdelikte angelocktZuerst erschleichen sich die Männer das Vertrauen der jungen Frauen, dann machen sie sie mit Drogen sexuell gefügig: In Nürnberg ermittelt die Polizei wegen sogenannter «Grooming»-Gangs.09.07.2026, 17.00 Uhr3 LeseminutenDer Nürnberger Hauptbahnhof ist schon lange ein Brennpunkt.Michael Nguyen / ImagoAm Nürnberger Hauptbahnhof ermittelt die Polizei wegen mehrerer mutmasslicher Fälle von sexueller Ausbeutung von Mädchen und jungen Frauen. Dealer sollen die Opfer dort angelockt, ihnen Drogen verabreicht und sie anschliessend in Wohnungen in der Nähe des Bahnhofs missbraucht haben. Insgesamt befinden sich in diesem Zusammenhang zehn Verdächtige in Haft.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die zwei jüngsten Festnahmen fanden am vergangenen Wochenende statt. Die Ermittler setzten zwei syrische Staatsbürger im Alter von 21 und 40 Jahren fest. Der 21-Jährige werde verdächtigt, am vergangenen Freitag zwei Mädchen im Alter von 15 und 18 Jahren in einer Wohnung in der Nürnberger Südstadt, südlich des Hauptbahnhofs, vergewaltigt zu haben, teilte die Nürnberger Polizei mit. Dabei wurde die 18-Jährige so stark verletzt, dass sie im Spital behandelt werden musste. Beide Mädchen werden psychologisch betreut.Hinweise deuteten ausserdem darauf hin, dass der 40-jährige Syrer den Mädchen am Abend zuvor Betäubungsmittel gegeben haben soll, schreibt die Polizei. Gegen die Männer wurde Haftbefehl erlassen. Ende Juni waren Haftbefehle gegen zwei pakistanische Staatsbürger im Alter von 18 und 26 Jahren erlassen worden.Täter locken Frauen mit Kleidung oder Kosmetika anDie Nürnberger Polizei habe die Innenstadt und das Umfeld des Hauptbahnhofs schon seit Jahren intensiv im Blick, teilte die Polizei im Mai dieses Jahres mit. Inzwischen gebe es jedoch Hinweise darauf, dass Mitglieder der Betäubungsmittelszene offenbar gezielt junge Mädchen aus prekären Verhältnissen ansprächen. Dabei handle es sich meist um Männer syrischer, pakistanischer und nordafrikanischer Herkunft.Zunächst sollen die Männer die Mädchen mit Zuneigung und Geschenken wie Kleidung oder Kosmetika umworben haben, schreibt die Polizei. Später sollen sie ihnen teilweise harte Drogen wie Crystal Meth gegeben haben.Die Abhängigkeit, die dadurch entstanden sei, hätten die Männer dann gezielt ausgenutzt, teilte die Polizei mit. Die Mädchen sollen weitere Drogen nur dann erhalten haben, wenn sie in sexuelle Handlungen oder andere «Dienstleistungen» eingewilligt hätten. Es bestehe der Verdacht, dass sich damit auch sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen zugetragen hätten, teilte die Polizei mit.Im Mai wurde deshalb die Sonderkommission «Kajal» eingerichtet. Die intensiven Ermittlungen im Umfeld des Nürnberger Bahnhofs würden damit «unvermindert fortgeführt», teilte die Polizei damals mit. Zugleich würden gemeinsam mit den Jugendbehörden bei potenziell vulnerablen Zielgruppen präventive Massnahmen durchgeführt. Unter anderem durch Aufklärungsarbeit solle verhindert werden, dass weitere Mädchen in derartige Abhängigkeiten gelockt würden, hiess es.«Grooming»-Fälle auch in MittelenglandIn Grossbritannien lösten vor einigen Jahren ähnliche Vorfälle in einem weit grösseren Ausmass Entsetzen aus. Zwischen 1997 und 2013 wurden in der englischen Stadt Rotherham und in ihrer Umgebung etwa 1400 Kinder und Jugendliche systematisch missbraucht und sexuell versklavt; ähnliche Fälle wurden auch aus anderen Orten Mittelenglands gemeldet.Viele der Täter hatten einen pakistanischen Migrationshintergrund. Behörden und Politik ignorierten diese Fälle teilweise lange und reagierten nicht angemessen, unter anderem, weil keine Sensibilität für die Opfer vorhanden war, aber auch aus Sorge, im Falle von Ermittlungen in migrantischen Milieus als rassistisch zu gelten.Passend zum Artikel
Nürnberger Hauptbahnhof: Polizei ermittelt gegen «Grooming»-Gangs
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