Auf dem Rollfeld des Flughafens in Tel Aviv, dort, wo in friedlichen Zeiten die Urlaubsflieger landen, parkten viele Monate lang blaugraue Tankflugzeuge der US-Luftwaffe. Während der langwierigen Verhandlungen zwischen den USA und Iran standen sie dort in Warteposition, bereit für einen neuen Luftkrieg. Erst in den vergangenen Wochen hatten die USA begonnen, ihre Militärflugzeuge abzuholen – bis jetzt. Israelischen Medien zufolge kehren die Tankflugzeuge nun an den Ben-Gurion-Flughafen zurück. Und auch sonst haben in Israel die Vorbereitungen für einen neuen Krieg begonnen.Seit den gegenseitigen Angriffen von USA und Iran und der Aussage des US-Präsidenten Donald Trumps, dass die Verhandlungen über ein Friedensabkommen aus seiner Sicht beendet seien, berichten israelische Medien darüber, wie sich die Armee auf eine Rückkehr zur Operation „Brüllender Löwe“ einstellt. Demzufolge halte das Militär Einsatzpläne bereit, um sowohl für die Verteidigung gegen iranischen Beschuss als auch für eine Offensive gerüstet zu sein.In Israel wurden die Verhandlungen zwischen USA und Iran mit großer Skepsis aufgenommenAm Mittwochabend hatten Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und sein Verteidigungsminister Israel Katz ein eiliges Treffen einberufen, um über die Sicherheitslage zu beraten. Dass Netanjahu und seine Regierung auf eine neue Konfrontation mit Iran hoffen, ist kein Geheimnis. In einem Fernsehinterview in der vergangenen Woche wurde Netanjahu gefragt, ob für ihn der Irankrieg beendet sei. Seine Antwort: „Wir machen weiter. Es ist nie vorbei.“ Und am Mittwoch orakelte er in einem Podcast, dass die jüngste Absage eines Israel-Besuchs von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ein gutes Zeichen sein könnte. Er sei vielleicht nicht ohne Grund nach Washington zurückbeordert worden, deutete er an. Netanjahu gilt seit dem aus seiner Sicht vorzeitigen Ende des Irankriegs als geschwächt.Mit dem Wunsch, den Irankrieg fortzusetzen, ist der Ministerpräsident in Israel aber nicht allein. Auch im öffentlichen Diskurs wurde das Ende des offenen Krieges im April und die Verhandlungen zwischen USA und Iran mit großer Skepsis aufgenommen, zumal Netanjahus Regierung an diesen Gesprächen nicht beteiligt war. In Israel werden noch diverse militärische Ziele diskutiert: die vollständige Zerstörung des Nuklearprogramms und die Dezimierung anderer Waffen wie etwa Raketen, welche Israel erreichen können.Auch der Sturz des iranischen Regimes ist ein Ziel, zumindest aber die Korrektur des Eindrucks bei den Iranern, dass sie den Krieg gewonnen hätten. Trotz der massiven Beschädigungen im Land steht das Regime aktuell als Gewinner da, weil es Trumps Regierung mit seinem Einfluss auf die ökonomisch wichtige Straße von Hormus und ihren Angriffen auf die verbündeten Golfstaaten vermeintlich in der Hand hat. Die konservative Zeitung Maariv kommentiert, dass Israel im Augenblick zwar nicht das Ohr des US-Präsidenten habe, sich aber jetzt dennoch eine Möglichkeit auftue, den Kampf wieder aufzunehmen – vielleicht pünktlich zum Abpfiff der Fußballweltmeisterschaft am 19. Juli.Iran fordert, dass sich Israel aus Libanon zurückziehtDoch ob Israel bei einer neuen Auseinandersetzung zwischen den USA und Iran grünes Licht aus Washington bekäme, ebenfalls anzugreifen, ist fraglich. Zuletzt hatten sich die Auseinandersetzungen in die Golfstaaten verlagert. Nach Informationen des US-Nachrichtenportals Axios bereite sich das Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische Auseinandersetzung mit Iran in der Meerenge von Hormus vor. Sicher ist das aber nicht. Nach Trumps Darstellung wollen die Iraner weiterhin ein Friedensabkommen. „Sie haben vor Kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen“, behauptete er auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel.Israel war zuletzt im Juni in den Konflikt involviert gewesen, als Iran auf dessen Angriff auf die libanesische Hauptstadt Beirut mit Raketen reagierte. Trump hatte diese Konfrontation allerdings schnell gestoppt. Die Iraner hatten in ihren Verhandlungen mit den USA stets Libanon einbezogen, wo Israels Armee derzeit etwa zehn Kilometer jenseits der Grenze steht. Iran und die von dessen Regime unterstützte Hisbollah-Miliz fordern, dass sich die israelische Armee vollständig aus dem Land zurückzieht. Aktuell knüpft auch die libanesische Regierung ihre Teilnahme an weiteren Friedensgesprächen mit Israel in Rom an einen Truppenrückzug aus zwei festgelegten sogenannten Pilotzonen. Israelische Medien berichten, ein solcher Schritt gelte vor den bis Mitte Oktober erwarteten Parlamentswahlen in Israel als unwahrscheinlich.Sowohl die Hisbollah als auch die libanesische Regierung bezeichnen die von Israel einseitig verfügte „Sicherheitszone“ als völkerrechtswidrige Besetzung. Das von Israel kontrollierte Areal in Südlibanon umfasst nach geografischen Berechnungen libanesischer Medien etwa sechs Prozent der Fläche des Landes. Doch Israels Verteidigungsminister Katz knüpft einen vollständigen Rückzug an eine Entwaffnung der Hisbollah. Israel werde in Libanon verbleiben und von dort aus so lange operieren, bis die Bedrohung für die Bewohner Nordisraels beseitigt sei, sagte sein Sprecher.Israels Regierung führt seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 Krieg an verschiedenen Fronten gegen Terrororganisationen und Milizen, die aus Iran unterstützt werden. Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas in Gaza gehört dazu, die 2023 den Angriff verübt hatte, bei dem mehr als 1200 Menschen ermordet wurden sowie 251 Menschen entführt. Auch die Hisbollah wird von Israel als Stellvertreter Irans in der Region betrachtet.