Deutz ist der älteste Motorenhersteller der Welt, aber so viel Geld auf einmal hat das Kölner Unternehmen noch nie ausgegeben. Der M-Dax-Konzern möchte für 1,6 Milliarden Euro die Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft, kurz FFG, übernehmen. Damit erweitert Deutz sein Rüstungsgeschäft auf einen Schlag deutlich. Zur Strategie gehört das Militär für den Motorenhersteller indes schon länger.„Zusammen mit FFG wird Deutz zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen“, sagte der Deutz-Vorstandsvorsitzende Sebastian Schulte am Donnerstag. Bezahlt wird das Geschäft teils in bar und teils in Aktien. Dadurch sollen die bisherigen Eigentümerfamilien von FFG neue Ankeraktionäre von Deutz mit einem Anteil von bis zu 29,9 Prozent werden.Dem muss die Hauptversammlung des Motorenherstellers allerdings zustimmen, will Deutz doch neue Aktien ausgeben, um die FFG-Familien beteiligen zu können. Das außerordentliche Aktionärstreffen soll am 24. August stattfinden. FFG beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter und produziert, wartet und modernisiert militärische Rad- und Kettenfahrzeuge.FFG baut etwa den Bergepanzer Wisent, der in Konkurrenz zum Modell Büffel von Rheinmetall steht. Das Flensburger Unternehmen ist auch Teil eines Konsortiums mit KNDS und dem finnischen Rüstungskonzern Patria, das der Bundeswehr Tausende Transportpanzer liefern soll als Nachfolger des Fuchs. In den Büchern hat FFG bislang Aufträge von mehr als 1,9 Milliarden Euro stehen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat das Unternehmen rund 760 Millionen Euro Umsatz erzielt. „FFG ist ein etabliertes und vor allem hochprofitables Unternehmen“, sagte Schulte. „Gerade in den nächsten Jahren erwarten wir eine signifikante Steigerung des Umsatzes.“Deutz fertigt Motoren in Köln.dpaZukauf soll eigene Ziele schneller erreichbar machenDurch die Übernahme rechnet Deutz damit, seine Ziele für 2030 – einen Umsatz von vier Milliarden Euro und eine EBIT-Marge von zehn Prozent – früher zu erreichen. Wann das sein soll, sagte Schulte am Donnerstag noch nicht.Im vergangenen Jahr erzielte Deutz einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro und damit 13 Prozent mehr als 2024. Für dieses Jahr erwartet Schulte Erlöse zwischen 2,3 und 2,5 Milliarden Euro. Lange Zeit bestand das Kerngeschäft von Deutz daraus, Verbrennungsmotoren herzustellen und zu warten. Dabei ist das Kölner Unternehmen etwas weniger von der Elektrifizierung bedroht, als es die Automobilhersteller sind, konzen­triert es sich doch auf Motoren für große Bau- und Landmaschinen, die abseits der Straße unterwegs sind. Auf dem Acker gibt es keine Steckdosen. Und riesige Maschinen mit Strom zu betreiben, wird auch noch in einigen Jahren angesichts der benötigten tonnenschweren Batterien unrealistisch sein.Trotzdem gilt für Lkw-Hersteller, dass sich der Bedarf an mittelschweren Dieselmotoren reduzieren und sich damit nicht mehr für alle die Produktion lohnen dürfte. Deutz übernimmt als unabhängiger Hersteller diese Aufgabe etwa für Lkw-Marken. Von 2028 an produziert Deutz Motoren, die bislang von Daimler Truck hergestellt werden. Der Dax-Konzern gehörte mit etwas weniger als vier Prozent der Anteile bislang zu den größten Einzelaktionären von Deutz.Deutz setzt auch auf Verteidigung und StromversorgungNeben dem klassischen Motorengeschäft hat sich Deutz in den vergangenen Jahren weitere Standbeine aufgebaut. Das fing an mit Stromerzeugungsaggregaten, um ins Geschäft mit dezentraler Energieversorgung einzusteigen, etwa mittels Generatoren für Krankenhäuser oder Supermärkte. Doch auch im Verteidigungssektor sieht Schulte enorme Wachstumschancen. Deutz hat sich etwa an dem deutschen Rüstungsunternehmen Arx Robotics beteiligt und auch einen Hersteller von Antriebssystemen für Drohnen übernommen.Mit der Übernahme von FFG baut Deutz sein Defense-Geschäft gleichwohl enorm aus. Das Unternehmen hofft auf Synergieeffekte, einen zweistelligen Millionenbetrag an zusätzlichem Umsatz erhofft sich Schulte nach dem Hochlauf; etwa durch das schon bestehende dichte Service-Netz, denn Wartung und Aufbereitung von Landsystemen spielen im Militärbereich eine wichtige Rolle. „Wir nehmen uns außerdem vor, unsere Deutz-Motoren stärker in die Fahrzeuge zu bringen“, sagte Schulte.Derzeit werden die Fahrzeuge von FFG vornehmlich mit Motoren des Konkurrenten MTU ausgeliefert. Eine automatische Abkehr davon sieht der Deutz-Vorstandsvorsitzende nicht. „Unser Anspruch ist es, dass wir exzellente Argumente liefern, warum ein Deutz-Motor gut ist. Aber am Ende entscheidet der Kunde. Verdonnern werden wir da keinen“, sagte Schulte.