Starten wir mal mit einem kleinen Gedankenspiel. Was wäre wohl gewesen, wenn Jonathan Tahs Kopfball in der Verlängerung gegen Paraguay gezählt hätte? Oder wenn sein Schuss im anschließenden Elfmeterschießen im Netz gelandet wäre? Wenn Deutschland also auf einem dieser beiden Wege das Achtelfinale der laufenden Fußball-WM erreicht und dort gegen Frankreich zwar ausgeschieden wäre, dem derzeit wohl besten Team der Welt, aber einen großen Kampf geliefert hätte?Vermutlich würde heute niemand über Julian Nagelsmann diskutieren. Vielmehr wäre die Erzählung entstanden, Deutschland habe sich nach schwierigen Jahren wieder an die Weltspitze herangearbeitet. Dass das Aus gegen Frankreich zwar schmerzhaft, aber nachvollziehbar gewesen wäre. Und dass Nagelsmann genau der richtige Mann sei, um die Nationalmannschaft bis zur Europameisterschaft 2028 weiterzuentwickeln.

Man muss Paraguay dankbar für den Sieg sein

Stattdessen verlor Deutschland gegen Paraguay und Nagelsmann trat wenige Tage später von seinem Amt als Bundestrainer zurück. Und rückblickend muss der DFB diesem Gegner fast dankbar sein, dass er die Unzulänglichkeiten der deutschen Fußball-Nationalmannschaft so offengelegt hat.Denn erst dieses Achtelfinal-Aus machte sichtbar, was sich hinter den Kulissen offenbar schon länger angedeutet hatte. Die sportliche Bilanz war letztlich nur die Folge von Problemen, die tiefer lagen. Das legen zumindest mehrere Berichte der Sport Bild nahe, die nach Nagelsmanns Rücktritt ein bemerkenswertes Bild vom Innenleben der Nationalmannschaft zeichnen.