Der wegen Milliardenbetrugs angeklagte Ex-Wirecard-Chef Markus Braun (57) fühlt sich nach sechs Jahren U-Haft einsam, aber ungebrochen. Er sei „weiter sehr energetisch“, sagte der österreichische Manager am 270. Verhandlungstag des Münchner Wirecard-Prozesses. Der von vielen Kleinaktionären ehedem als Börsenstar verehrte Braun schilderte die U-Haft jedoch als sehr belastend und sprach von „Einsamkeit und Isolation“. „Die Hauptherausforderung ist, dass man komplett aus der Familie herausgerissen ist.“

Braun will wieder arbeitenBraun sitzt seit Juli 2020 ununterbrochen in Untersuchungshaft, seine Hauptbeschäftigung ist der seit mittlerweile dreieinhalb Jahren laufende Strafprozess vor dem Landgericht München I. Nach dem Ende der Haft will der 1969 geborene Manager wieder arbeiten: „Ich habe überhaupt keine Zweifel, dass ich in kürzester Zeit wieder etwas Konstruktives machen würde“, sagte er bei einer Befragung zu seinen persönlichen Verhältnissen.

Der Hauptangeklagte in dem Mammutprozess ist mittlerweile geschieden, aber nicht wegen Entfremdung, sondern aus „anderen Gründen“ – eine Anspielung auf die straf- und zivilrechtlichen Folgen des Wirecard-Skandals. „Das Verhältnis zu meiner Frau und Familie ist unverändert stark.“Einmal im Monat FamilienbesuchDer in der Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim einsitzende Braun erhält demnach einmal im Monat Besuch von seiner acht Jahre alten Tochter und seiner Frau. Auch der eintönige Gefängnis-Alltag macht Braun nach eigenen Worten zu schaffen: „Dass man sich nicht emotionalisieren lässt und immer wieder in einen konstruktiven, rationalen Zustand zurückfindet, ist eine tägliche Herausforderung.“