»Einsamkeit und Isolation«: Ex-Wirecard-Chef Markus Braun hat sich vor Gericht zu seiner Gefühlswelt geäußert. Nach sechs Jahren Untersuchungshaft fühle er sich einsam, sei aber »weiter sehr energetisch«, sagte der Manager am 270. Verhandlungstag des Wirecard-Prozesses in München. »Die Hauptherausforderung ist, dass man komplett aus der Familie herausgerissen ist.«Braun muss sich dort wegen Milliardenbetrugs verantworten: Die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Haupttäter im mutmaßlich größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte. Braun und seine Komplizen sollen über Jahre Umsätze in Milliardenhöhe erdichtet und die Konzernbilanzen entsprechend frisiert haben. Ihr Ziel: den defizitären Konzern mit hohen Bankkrediten über Wasser zu halten. Der mutmaßliche Schaden wird von der Staatsanwaltschaft laut Anklage auf gut drei Milliarden Euro geschätzt.Braun bestreitet die Vorwürfe. Er sieht sich als Opfer einer Betrügerbande um den abgetauchten früheren Vertriebsvorstand Jan Marsalek. (Mehr über den mutmaßlichen Wirecard-Milliardenbetrüger und Agenten Jan Marsalek, den ein Rechercheteam des SPIEGEL in Moskau enttarnte, lesen Sie hier.)

Hoffnung auf »etwas Konstruktives« nach der HaftSeit Juli 2020 sitzt der frühere Vorstandsvorsitzende Braun ununterbrochen in Untersuchungshaft. Der Gefängnisalltag sei eintönig und mache ihm zu schaffen, sagte er bei einer Befragung zu seinen persönlichen Verhältnissen. »Dass man sich nicht emotionalisieren lässt und immer wieder in einen konstruktiven, rationalen Zustand zurückfindet, ist eine tägliche Herausforderung.«