Die Entstehung ihrer charakteristisch gebrochenen Singstimme gehört zur Folklore der Rockmusikgeschichte: Nachdem Bonnie Tyler sich 1976 Knötchen an den Stimmbändern operativ entfernen ließ, schonte sie sich angeblich nicht lang genug – und behielt einen Schaden zurück, der sich zu ihrem Markenzeichen entwickeln sollte.Die „Husky Voice“, wie sie sie selbst nannte, ähnlich angeraspelt wie die ihres Landsmannes Rod Stewart, prägte mehrere Alben und einige Hitsingles, die heute zu den erfolgreichsten aller Zeiten weltweit gehören. Sie kam schon auf dem 1978 erschienenen „Natural Force“ zur Geltung, besonders in der von Ronnie Scott und Steve Wolfe geschriebenen Ballade „It’s a Heartache“ – erst recht aber in den theatralischen Songs von Jim Steinman, der auch für sie schrieb und produzierte, vor allem das sehr eingängige dialogische Singspiel „Total Eclipse of the Heart“ (1983).Vom Dramatischen diktiertTyler wurde 1951 als Gaynor Hopkins im ländlichen Wales geboren. Sie war jahrelang als Kneipensängerin unterwegs, bevor ein Talentscout sie entdeckte und den Künstlernamen Bonnie Tyler für sie aussuchte. Frühe Erfolge wie „Lost in France“ klangen schlagerhaft und auch noch sanft gesungen – mit Rockmusik und der Stimmveränderung aber wurde sie dann noch viel erfolgreicher. Auch mit ihrem Auftreten und ihren extravaganten Outfits prägte sie ein bestimmtes Frauenbild der Achtzigerjahre maßgeblich mit.So wie der 2022 gestorbene Meat Loaf war Bonnie Tyler als Rocksängerin vor allem ein Geschöpf Jim Steinmans. Mit dessen maßgeschneiderten Kompositionen erlangte sie Weltruhm. Steinmans künstlerische Selbstcharakterisierung – „Alles, was ich mache, ist vom Dramatischen diktiert“ – lässt sich auch an den Tyler-Songs exemplarisch nachvollziehen. Seine pompösen, manchmal als „wagnerianisch“ bezeichneten Stücke sind Miniopern, teils auch schon cineastisch gedacht. Das zeigt sich bei „Total Eclipse of the Heart (Turn Around)“ ebenso wie bei „Holding Out for a Hero“ oder dem gewitzten „Loving You’s a Dirty Job (but Someone’s Gotta Do It)“.Auf die Steinman-Phase folgten aber noch weitere in Bonnie Tylers Karriere als Interpretin. Sie arbeitete später auch mit Dieter Bohlen zusammen und mit Desmond Child. 2013 trat sie beim Eurovision Song Contest für Großbritannien an, erreichte allerdings mit „Believe in Me“ nur den 19. Platz. 2023 veröffentlichte sie ihre Autobiographie unter dem Titel „Straight from the Heart“. Im Mai war Bonnie Tyler ins Koma gefallen. Nun ist sie im Alter von 75 Jahren in einem portugiesischen Krankenhaus gestorben, wie ihre Familie mitteilen ließ.