„Musst Du nicht auch bald zur Bundeswehr?“, fragt meine Mutter beim Familienfest meinen Cousin. Und dann geht es ab.

taz FUTURZWEI | Meine Oma wird 90. Manche Familien nutzen das entsprechende Fest, um sich gegenseitig zu fragen, wie es ihnen so geht. Oder singen zusammen, wie die Leute am Nebentisch, erzählen sich lustige Geschichten und lachen dann gemeinsam. Meine Familie nicht. Bei uns wird abgecheckt, wer wann wo und für wie lange in Urlaub fliegt. Und dann sagt irgendjemand - diesmal zum Beispiel meine Mutter zu meinem Cousin – sowas wie: „Musst du eigentlich nicht auch bald zur Bundeswehr?“

„Er ist doch schon zu alt dafür…“, sage ich, um möglichst noch zu deeskalieren. Das Wort „Bundeswehr“ hat nämlich meine beiden Onkels und meinen Vater, alle ehemalige Wehrdienstleistende, aufgeschreckt, die vorher vor sich hindämmerten. Da sagt mein Cousin schon voll GenZ-mäßig: „Warum sollte ich mir für dieses Land so was antun?“

Unser gemeinsamer Onkel, also der dritte Bruder neben unseren beiden Vätern, schaut von seinem Handy auf, auf dem er die ganze Zeit herumgescrollt hat, nimmt einen Zug von seiner Kippe und sagt dann auch was dazu. Leider deckt sich das ziemlich mit seiner blonden Heilsbringerin, die seit neuestem auf blauem Hintergrund in seinem Wohnzimmer hängt: Alice W. Es klingt irgendwie ein bisschen nach: „Das ist eben das Problem mit der jungen Generation. Da will niemand mehr sein Vaterland verteidigen.“ Er murmelt: „Alles nur verwöhnte Bengel.“