Ein Eklat mit Ansage: Der Linkspopulist Graham Platner zieht seine Senatskandidatur für die Demokraten zurückVergewaltigungsvorwürfe zwingen den linken Shootingstar Graham Platner dazu, seine Kandidatur für den amerikanischen Senat aufzugeben. Doch das Kräftemessen zwischen dem Establishment der Demokraten und dem linken Flügel ist nicht ausgestanden.09.07.2026, 07.04 Uhr3 LeseminutenEr galt als Hoffnungsträger des linken Flügels bei den Demokraten: Doch nun musste sich Graham Platner aus dem Senatsrennen in Maine zurückziehen.Brian Snyder / REUTERSAm Schluss war der Druck zu gross: Am Mittwochabend (Lokalzeit) hat der 41-jährige Linkspopulist Graham Platner in einer Videobotschaft das Ende seiner Kandidatur an für den Senatssitz im Gliedstaat Maine angekündigt. Grund für den Rückzug sind Vergewaltigungsvorwürfe, die Platner bestreitet. Der kantige Austernfischer und Newcomer hatte im Juni nach einer erfolgreichen Anti-Establishment-Kampagne mit sozialpolitisch linken Forderungen die demokratischen Primärwahlen deutlich gegen die 78-jährige Gouverneurin Maines Janet Mills gewonnen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Nun bleiben den Demokraten nur wenige Wochen, um für die Senatswahl im strategisch wichtigen Gliedstaat einen Ersatzkandidaten zu finden. Ein Sieg müsste für die Demokraten eigentlich in Reichweite liegen: In Maine gewann Kamala Harris 2024 gegen Donald Trump, weshalb die Wiederwahl der langjährigen republikanische Senatorin Susan Collins als gefährdet gilt. Ohne einen Sieg in Maine wird es für die Demokraten schwierig, bei den Zwischenwahlen im November das Abgeordnetenhaus zurückzuerobern und eine Mehrheit im Senat zu erringen.Von Affären überschattetPlatners Sturz gleicht einem vorhersehbaren Fiasko für die Demokraten. Seine Kandidatur, von linken Aktivisten unterstützt, war von Anfang von Affären überschattet. Mehrere ehemalige Liebhaberinnen hatten ihm übergriffiges Verhalten vorgeworfen. Für Negativschlagzeilen sorgten auch ein Nazi-Tattoo und alte homophobe und rassistische Sprüche auf der Platform Reddit. Doch war es Platner bis anhin immer gelungen, seine Verfehlungen als Folge seines Trauma als Kriegsveteran und als Zeichen seiner Authentizität als Antipolitiker zu entschuldigen.In den letzten Tagen aber kamen zwei neue, schwerwiegendere Vorwürfe hinzu. Gegenüber «Politico» erklärte eine ehemals mit Platner liierte Frau, dieser habe sie in einem sexuellen Übergriff zum Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen gezwungen. Die Frau zeigte dem Magazin auch mehrere alte Emails und Chats, in denen sie mit ihrem Therapeuten und einer Bekannten über die mutmassliche Vergewaltigung gesprochen hatte. Daher wirkte Platners Aussage, die Vorwürfe seien frei erfunden, wenig unglaubwürdig.Eine zweite Frau sagte der «Washington Post», Platner habe beim Geschlechtsverkehr mehrmals gegen ihren Willen das Kondom abgelegt. Auch diese Vorwürfe bestreitet Platner kategorisch. In seiner Video-Botschaft stellte er sich als Opfer des Establishments dar, das mit aller Kraft verhindern wolle, das einfache Leute wie er Wahlen gewinnen könnten.Die Führung der Demokraten in Washington war nach den jüngsten Vorwürfen überzeugt, dass Platner als Kandidat untragbar geworden war. So erklärte der vom demokratischen Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, geleitete Kampagnen-Ausschuss für die Zwischenwahlen, dass es für die Ausmarchung in Maine kein Geld und keine nationale Unterstützung geben werde, solange Platner Kandidat bleibe.«Diejenigen an der Macht haben die Vorwürfe gegen mich als Vorwand genutzt, um uns alles wegzunehmen, was wir für eine Wahlkampagne brauchen», klagte Platner. Auch linke Verbündete wie Senator Bernie Sanders rieten ihm zum Rückzug.Machtkampf nicht ausgestandenDer Eklat ereignete sich nur wenige Tage vor einer wichtigen Deadline vom Montag. Dann wäre Platner definitiv als demokratischer Senatskandidat bestätigt worden. Nun hat die Partei gemäss dem Gesetz im Gliedstaat Maine bis am 27. Juli Zeit, um einen neuen Kandidaten aufzustellen.Der abrupte Rückzug weckte Erinnerungen an die Präsidentschaftswahl 2024, als Joe Biden seine Kandidatur in letzter Minute abbrach. Damals krönte das Parteiestablishment Kamala Harris zur Ersatzkandidatin, ohne dass sie sich einer parteiinternen Auseinandersetzung hätte stellen müssen. Ohne Vorwahl in den Knochen erwies sich Harris in der Folge gegen Donald Trump als schwache Kandidatin.Eine solche Krönung wollen die Demokraten in Maine nun vermeiden. Die Parteileitung kündigte vielmehr an, man werde eine Nominations-Parteitag abhalten. Doch blieb unklar, wer an diesem Anlass teilnehmen kann und welche Hürde der siegreiche Kandidat überwinden muss.Die Gouverneurin Janet Mills, welche die Vorwahl gegen Platner verloren hatte, gilt nicht mehr als Ersatzkandidatin. Ein möglicher Bewerber ist hingegen der Gründer der Maine Beer Company, Dan Kleban. Genannt werden auch Regionalpolitiker wie die «Aussenministerin» des Gliedstaats Maine, Shenna Bellows, der frühere Gesundheitsminister Nirav Shah oder frühere Präsident des regionalen Senats, Troy Jackson. Alle drei hatten sich zuletzt um die demokratische Kandidatur für das Amt des Gouverneurs beworben. Der frühere Holzfäller Jackson gilt als derjenige Kandidat, der Platner politisch am nächsten steht.Platner kündigte in der Video-Botschaft zwar seinen Rückzug an, stellte aber auch Forderungen. Die Ersatzkandidatur dürfe nicht von den Eliten in Washington ausgewählt werden. Vielmehr gehöre der Sitz dem Volk von Maine, das mit ihm bewusst einen systemkritischen Politiker portiert habe. Für die Demokraten ist der Machtkampf zwischen dem aufstrebenden linkspopulistischen Flügel und dem Parteiestablishment also noch nicht ausgestanden.Passend zum Artikel
Vergewaltigungsvorwürfe: Linkspopulist Graham Platner zieht Kandidatur zurück
Vergewaltigungsvorwürfe zwingen den linken Shootingstar Graham Platner dazu, seine Kandidatur für den amerikanischen Senat aufzugeben. Doch das Kräftemessen zwischen dem Establishment der Demokraten und dem linken Flügel ist nicht ausgestanden.










