Nach einer tagelangen Trauerreise durch Iran und den Irak wird Irans oberster Führer Ali Khamenei am Donnerstag beigesetzt. Karten, Satellitenbilder und Drohnenaufnahmen zeichnen den Weg des Trauerzugs nach, der weit mehr ist als ein Staatsbegräbnis.37 Jahre lang war Ayatollah Ali Khamenei der Oberste Führer der Islamischen Republik. Am 28. Februar 2026, dem ersten Tag des Iran-Kriegs, wurde er bei einem amerikanisch-israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet. Mit ihm starben mehrere Familienangehörige, unter ihnen seine 14 Monate alte Enkelin.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Vier Monate später verabschiedet sich die Islamische Republik mit einer sechstägigen Trauerzeremonie von ihrem langjährigen Revolutionsführer. Am Donnerstag soll Khamenei in seiner Geburtsstadt Maschhad beigesetzt werden. Das Regime inszeniert die Trauerreise als grösstes Staatsbegräbnis in der Geschichte der Islamischen Republik.Khameneis letzte Reise durch Iran und den IrakSechs Tage dauert die Trauerreise über Landesgrenzen hinweg. Die Route führt durch Orte, die für die Islamische Republik politisch oder religiös besonders wichtig sind.Der Leichnam wurde zunächst in Teheran öffentlich aufgebahrt und durch die Strassen getragen. Anschliessend führte der Trauerzug nach Qom und weiter zu den schiitischen Pilgerstätten im Irak. Am Donnerstag endet die Reise in Khameneis Geburtsstadt Maschhad. Dort wird er im Imam-Reza-Heiligtum beigesetzt, einem der bedeutendsten religiösen Orte des schiitischen Islams.Ein Teil von Khameneis letzter Reise führte durch die Luft: Nach Qom wurde der Leichnam mit einem Helikopter gebracht, nach Nadschaf im Irak mit einem Flugzeug.Nach dem Flug nach Nadschaf empfängt eine Menschenmenge den Sarg von Ali Khamenei. Der Irak war Teil der sechstägigen Trauerreise durch schiitische Pilgerorte.Iranian Presidency / ImagoNach Angaben des iranischen Bestattungskomitees baten auch schiitische Gemeinschaften in Pakistan darum, den Leichnam für eine Trauerprozession ins Land zu bringen. Wegen des engen Zeitplans sei dies jedoch nicht möglich gewesen.Warum wird Khamenei erst vier Monate nach seinem Tod beigesetzt?Vom Trauerzug begleitet, fahren Lastwagen mit den Särgen von Khamenei und seinen Familienangehörigen durch die Strassen von Teheran.Vahid Salemi / APNach islamischer Tradition werden Verstorbene möglichst rasch beigesetzt, oft innerhalb von 24 Stunden. Khameneis Beisetzung findet dagegen erst vier Monate nach seinem Tod statt. Damit weicht das Regime deutlich von der religiösen Tradition ab.Die iranische Führung begründet die Verzögerung mit der angespannten Lage und dem organisatorischen Aufwand. Die zusätzliche Zeit solle es ermöglichen, die mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten ohne Unterbruch abzuhalten und die erwarteten Millionen Besucher zu koordinieren.Die ungewöhnlich lange Verzögerung führte in den sozialen Netzwerken zu Spekulationen, Khamenei sei bereits heimlich beigesetzt worden. Das iranische Bestattungskomitee wies die Gerüchte zurück. Der Leichnam sei während der gesamten Zeit unter Einhaltung der religiösen und gesetzlichen Vorschriften aufbewahrt und nicht beigesetzt worden.Wie organisiert Iran eine Trauerfeier für Millionen Menschen?Über die gesamte Trauerreise hinweg werden Millionen Besucher aus ganz Iran und dem Ausland erwartet. Für einzelne Besuchergruppen sollen Visa erleichtert oder kostenlos ausgestellt worden sein.Der Staat bereitete sich mit aussergewöhnlichen Massnahmen auf den Besucherandrang vor. Mehr als tausend Schulen dienen als Unterkünfte, ebenso Moscheen, Sporthallen und Universitäten. Gemäss der «New York Times» vermitteln Apps zusätzliche Schlafplätze und zeigen kostenlose Busverbindungen an.Gleichzeitig gelten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Strassen werden gesperrt, die Revolutionswächter sichern den Trauerzug, und der Luftraum über Teheran wird zeitweise geschlossen. Das Regime will zeigen, dass es trotz Krieg und Führungswechsel ein Grossereignis mit Millionen Besuchern kontrolliert organisieren kann.Die Vorsicht hat auch historische Gründe: Beim Begräbnis des Revolutionsführers Ayatollah Khomeiny mussten die Zeremonien 1989 wegen des gewaltigen Andrangs zeitweise unterbrochen werden. Bei der Trauerfeier für General Kassem Soleimani kamen 2020 Dutzende Menschen bei einer Massenpanik ums Leben.Was verrät die Gästeliste über Irans regionale Beziehungen?Internationale Delegationen erweisen Khamenei in der Trauerhalle in Teheran die letzte Ehre.President.ir / NZZ – BildredaktionZu den ausländischen Gästen gehören nicht nur Delegationen aus eng verbündeten Staaten, sondern auch von langjährigen Rivalen. Vertreten waren bisher unter anderem Pakistan, Armenien, Tadschikistan, Georgien, Russland, China, Indien, die Türkei, Afghanistan, Bangladesh und Saudiarabien.Auffällig war die Teilnahme Saudiarabiens. Das Königreich gilt als regionaler Rivale Irans. Dass Riad dennoch eine Delegation entsandte, deutet darauf hin, dass beide Seiten den diplomatischen Dialog auch nach Khameneis Tod weiterführen wollen.Neben staatlichen Delegationen nahmen auch Vertreter des Hizbullah, der Hamas und der Huthi an den Trauerfeiern teil. Ihre Präsenz demonstriert, dass die von Iran angeführte «Achse des Widerstands» auch nach Khameneis Tod fortbestehen soll.Selbst der Empfang der Delegationen diente politischen Botschaften. Iran begrüsste einzelne Gäste mit gezielt ausgewählten Koranversen. Der Hizbullah und die Hamas erhielten Verse über Standhaftigkeit und Treue. Die türkische Delegation wurde dagegen mit einem Vers empfangen, der jene kritisiert, die dem Kampf fernbleiben.Warum ist die Trauerzeremonie für Iran politisch so wichtig?Der Sarg von Khamenei wird durch Nadschaf im Irak getragen.Thaier al-Sudani / ReutersWährend das Regime nach aussen Macht, Kontrolle und Standhaftigkeit vermitteln will, verfolgt es nach innen ein weiteres Ziel: Es versucht auch jene Iranerinnen und Iraner anzusprechen, die dem Regime kritisch gegenüberstehen.Die Bilder der Millionen Trauernden zeigen nur einen Teil der iranischen Gesellschaft. Khameneis Tod einte das Land keineswegs. Für viele Iranerinnen und Iraner stand er für jahrzehntelange politische Repression und wirtschaftliche Misere. Vor allem in der iranischen Diaspora löste sein Tod auch Jubelfeiern aus.Gleichzeitig schwindet die religiöse Legitimation des Regimes. Gemäss einer Studie bezeichnen sich nur noch rund 30 Prozent der Bevölkerung als schiitische Muslime. Neben religiösen Symbolen betont das Regime bei den Trauerfeiern stärker die nationale Identität: Der offizielle Slogan lautet «Wir müssen aufstehen». Auf Plakaten und in den staatlichen Medien wird Khamenei als «Märtyrerführer Irans» bezeichnet, nicht nur als «Führer der islamischen Welt».Worauf wird am Donnerstag besonders geachtet?Iranische Funktionäre und Söhne Ali Khameneis beten am 5. Juli in der Imam-Khomeiny-Mosalla in Teheran vor den Särgen Khameneis und getöteter Familienangehöriger. Die drei Söhne Khameneis stehen links hinter dem Sarg; der Sohn in der Mitte hält sich ein Tuch vors Gesicht.Büro des Obersten Führers von Iran via EPAMit der Beisetzung in Maschhad endet am Donnerstag die letzte Reise Ali Khameneis. Im Mittelpunkt steht dabei auch Mojtaba Khamenei, der nach dem Tod seines Vaters zum neuen Obersten Führer ernannt wurde.Seit dem Luftangriff vom 28. Februar, bei dem auch er verletzt wurde und seine Frau sowie seine Tochter starben, ist der neue Revolutionsführer nicht mehr öffentlich aufgetreten. Viele fragen sich, ob der neue Revolutionsführer überhaupt noch lebt.Seine Brüder nahmen bereits an den Trauerfeiern teil. Ob Mojtaba bei der Beisetzung erscheint, wird deshalb genau beobachtet. Es wäre sein erster öffentlicher Auftritt als neuer Oberster Führer.Mitarbeit: Jan Ludwig, Jonas Oesch.Passend zum Artikel
Die letzte Reise von Ayatollah Khamenei: Irans grösstes Staatsbegräbnis
Vier Monate nach seinem Tod wird Irans langjähriger Revolutionsführer beigesetzt. Es soll das grösste Staatsbegräbnis in der Geschichte der Islamischen Republik werden.














