Mitten in Manhattan droht ein Hochhaus einzustürzen, Tausende müssen evakuiert werdenAm Dienstag verbogen sich auf der Baustelle im 21. Stock eines Gebäudes in New York plötzlich Stahlträger. Die Stadt reagierte mit einem Grosseinsatz. Das Umbauprojekt hatte schon früher Probleme gemacht.08.07.2026, 16.46 Uhr4 LeseminutenDas betroffene Gebäude in Midtown Manhattan. Am Dienstag drohten Teile davon einzustürzen.Angelina Katsanis / APKurz vor 8 Uhr am Dienstagmorgen (Ortszeit) erhalten die Feuerwehrleute von New York einen Anruf: Vom 37-stöckigen Gebäude an der 235 East 42nd Street in Midtown Manhattan sollen Ziegelsteine herunterfallen. Das Hochhaus ist der ehemalige Hauptsitz des Pharmakonzerns Pfizer und wird derzeit zu einem Komplex mit über 1600 Wohnungen umgebaut. Laut Architekten ist es die grösste Umnutzung dieser Art in der Geschichte der Stadt. Die Fertigstellung war für 2027 geplant. Doch ob es dazu kommen wird, ist fraglich: Das Gebäude droht einzustürzen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Laut der Feuerwehr haben sich zwei stützende Stahlsäulen im Gebäudeinneren verbogen. Mehrere darüberliegende Stockwerke hängen durch. Auf Fotos, die die Feuerwehr in sozialen Netzwerken veröffentlichte, sind vertikale Stahlträger verbogen.Grossräumige EvakuierungDie Behörden richteten eine sogenannte «Frozen Zone» zwischen der 40. und 45. Strasse sowie der First und Third Avenue ein. Die betroffene Gegend gehört zu den belebtesten der Stadt: Tausende Menschen wohnen und arbeiten hier, dazu kommen Touristen, die den Grand Central Terminal, das Chrysler-Gebäude oder das Uno-Hauptquartier besuchen.Nur Rettungskräfte, die für die Sicherung des Gebäudes unentbehrlich sind, dürfen das Gebiet betreten. Polizisten begleiteten Personen, die dringend benötigte Gegenstände aus Gebäuden innerhalb der Zone holen mussten.Die Bauarbeiter sowie neun nahe gelegene Gebäude wurden evakuiert, ebenso eine Schule mit rund 400 Kindern und Gäste mehrerer Hotels in der Umgebung. Das teilte der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, an einer Pressekonferenz mit. Verletzte gab es laut den Behörden keine, jedoch wurden zwischen dem 21. und 26. Stockwerk schwere strukturelle Schäden am Gebäude festgestellt.Das 21. Stockwerk: links und rechts zwei verbogene Stahlträger. Die darüberliegenden Stockwerke hängen um mehrere Zentimeter durch.Angelina Katsanis / APSymbol für die Wiederbelebung von MidtownDer betroffene Bürokomplex besteht aus zwei Gebäuden: dem älteren, ursprünglich 1905/1909 errichteten Bau an der 219 East 42nd Street und dem 1960 erbauten Hochhaus an der 235 East 42nd Street, das bis vor kurzem von Pfizer genutzt wurde. Die Bauarbeiten zum Umbau in Wohnraum starteten 2024 und sollen bis 2027 dauern. Kein anderes Projekt symbolisiert die Bemühungen der Stadt besser, Midtowns leerstehende Bürogebäude zu Wohnraum umzunutzen, um den Wohnungsmangel zu lindern und das Viertel zu beleben.Im Zuge des Umbaus wurde eines der Gebäude um 11 Stockwerke aufgestockt. Laut einem Gewerkschaftsvertreter sei dies der Grund für die eingeknickten Säulen und Träger – es sei nicht genügend neuer Stahl verbaut worden, um das zusätzliche Gewicht zu tragen. Offiziell bestätigt wurde dies bislang nicht; die Ursache ist weiterhin unklar, Untersuchungen laufen.Ein Sprecher der Baufirma MetroLoft, einer der beiden Firmen hinter dem Umbau, sagte der «New York Times», man kenne die Probleme und stehe in Kontakt mit den Behörden. Wie es weitergeht, ist offen – ein Experte äusserte sich in der Zeitung, eine Lösung könnte theoretisch so teuer werden, dass sie das gesamte Projekt zum Scheitern brächte.Vorgeschichte voller BeschwerdenEs war nicht das erste Mal, dass wegen herabfallender Gegenstände Inspektoren zur Baustelle gerufen wurden. Bereits im vergangenen Juli verhängten die Behörden gegenüber der Baufirma eine Geldstrafe von 5000 Dollar, nachdem ein Stück Fensterglas vom achten Stock auf ein Schutzgerüst gefallen war. Im August folgte eine Strafe von 10 000 Dollar, nachdem eine Metallplatte vom 33. Stock auf die Strasse gestürzt war. Beide Male ordneten die Inspektoren vorübergehende Baustopps an.Im Dezember kam eine weitere Busse von 10 000 Dollar hinzu, weil ein Unfallbericht nicht rechtzeitig eingereicht wurde – ein Arbeiter war beim Abbau eines Krans aus rund zwei Metern Höhe von einer Leiter gestürzt. Weitere Beschwerden über unsichere Arbeitsbedingungen liessen sich laut Ermittlern nicht erhärten.Für den jüngsten Vorfall hat die Baubehörde bereits eine neue Beschwerde eingereicht: Beim Umbau sei mehr ausgehöhlt worden, als in den eingereichten und genehmigten Bauplänen vorgesehen war.Entwarnung am AbendBis 16 Uhr 30 hatten die Einsatzkräfte ihre erste Begutachtung abgeschlossen. Die Stadt liess Notbalken und -säulen anliefern, um die Struktur zu stabilisieren. Zusätzlich richteten die Behörden eine «Kollapszone» ein. Man gehe aber nicht von einem Einsturz des gesamten Gebäudes aus, sondern nur eines Teils, sagte die Leiterin der Feuerwehr. Am Nachmittag wurde die Kollapszone merklich verkleinert.Am Abend gab Gebäudekommissar Ahmed Tigani schliesslich Entwarnung: «Im Moment ist das Gebäude stabil. Wir sind mit unserem momentanen Notfallplan zuversichtlich.» Die Lage in der Nachbarschaft werde aber für die nächsten Tage angespannt bleiben.Schaulustige hinter der Abschrankung. Die Behörden errichteten eine grossräumige Sperrzone.Ioann Maria Stacewicz / ImagoPassend zum Artikel