Als Freischwimmer wird im Volksmund gerne das bronzene Schwimmabzeichen bezeichnet, das nach dem Seepferdchen so etwas wie die Reifeprüfung des schwimmenden Kindes ist, der Nachweis, dass ein Kind allein ins tiefe Becken darf. In Schwalmstadt-Ziegenhain ist der Begriff jetzt aber auch im Umlauf, weil Kinder seit Beginn der Ferien freien Eintritt ins Freibad haben. Ermöglicht hat das die Spende eines Gönners, der in der nordhessischen Gemeinde die Kosten für die Kindertickets übernommen hat. Jugendliche von bis zu 15 Jahren sind jetzt also alle Freischwimmer.Der Spender will anonym bleiben, und er ist überrascht von der erstaunlichen Resonanz. „Ich finde es gar nicht so großartig“, sagte er in dieser Woche der Deutschen Presse-Agentur. Der Betrag sei schließlich gar nicht so hoch, 5000 Euro habe er vorsorglich überwiesen. Am Ende der Freibadsaison könne eventuell noch ein kleiner Betrag obendrauf kommen. In Schwalmstadt mussten Kinder bis zum Beginn der Spendenaktion regulär lediglich einen Euro Eintritt für den Besuch des von einem Förderverein getragenen Freibads zahlen.Wie so oft ist es aber vor allem die Geste, die bundesweit auf eine erstaunliche Resonanz gestoßen ist. Er wolle fördern, dass die Kinder mehr ins Schwimmbad gingen sowie untereinander mehr Kontakt und Spaß hätten. „Die können da auch Fußball spielen, da gibt es ein Beachvolleyballfeld. Also es geht nicht nur ums Schwimmen. Sie kommen dann vielleicht von den digitalen Geräten auch so ein bisschen runter“, sagt er. Zudem gebe es auch eine ganze Reihe Jugendliche, die mit ihren Eltern nicht in den Urlaub fahren könnten, weil das Geld nicht reiche. „Und die können vielleicht auch gar nicht jeden Tag ins Schwimmbad gehen, weil das dann zu teuer ist. Das war in meiner Jugend so, das ging bei mir auch nicht“, sagt der Schwalmstädter. „Und dann ist es für die Jugendlichen auch mal eine gewisse Freude, sich da mit ihren Freunden zu treffen.“In Frankfurt ist die Stadt selbst der GönnerWas in Schwalmstadt die gute Tat eines Gönners ist, das ist in Frankfurt schon seit Jahren gelebter politischer Wille: Die Stadt gewährt seit Februar 2019 Kindern von bis zu 15 Jahren in ihren Bädern freien Eintritt. Bis zu 500.000 der jährlich mehr als zwei Millionen Besuche sind davon abgedeckt. Das Angebot habe sozialpolitisch sein Ziel erreicht, weil Familien, die sich Urlaube nicht leisten könnten, bei einem zentralen Erholungsangebot vor Ort entlastet würden, heißt es von den Frankfurter Bäderbetrieben. Zugleich seien die Bäder auch nicht überlaufen worden von Kindern, die keinen Eintritt zahlen müssten. Die Frankfurter und auch die Kinder aus dem Umland, die ebenfalls kostenlos schwimmen dürfen, wüssten das Angebot zu schätzen.Inwiefern der kostenfreie Eintritt dazu beitrage, die Schwimmkompetenz von Kindern zu verbessern, sei nur spekulativ zu beantworten, sagt Boris Zielinski, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt. „Wir müssen dazu begleitend Schwimmkurse anbieten. Kinder lernen nicht schwimmen, nur weil sie im Freibad sind.“ Er wisse von einigen Kommunen, die dem Frankfurter Beispiel gefolgt seien und Kinder mittlerweile ebenfalls unentgeltlich in die Bäder ließen, sagt der Geschäftsführer.In Frankfurt werden die Einnahmeverluste der Bäder im Haushalt ihres Trägers, der Stadtwerke, aufgefangen. In Schwalmstadt freut sich Bürgermeister Tobias Kreuter (parteilos) derweil über „ein wunderbares Zeichen für den Zusammenhalt“ in seiner Stadt.Der Spender selbst begründet sein Engagement schlicht damit, dass er schon als Kind in dem Freibad geschwommen und das Geld für die Eintrittskarte für ihn damals keine Selbstverständlichkeit gewesen sei. Zudem wolle er, der jeden Morgen seine Bahnen ziehe, das oftmals sehr leere Bad beleben. Mit den Freischwimmern könnte die Ruhe nun ein Ende haben.