Nach der Äußerung von Donald Trump, der Waffenstillstand mit Iran sei beendet, sind die Ölpreise am Mittwoch deutlich gestiegen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent stieg zeitweise um fast sieben Prozent auf 79,26 Dollar, amerikanisches Öl der Sorte WTI verteuerte sich ebenfalls um etwa sieben Prozent auf 75,30 Dollar je Fass.Dem Anstieg vorausgegangen waren neue Angriffe der USA auf Iran in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Das US-Militär beschoss nach eigenen Angaben iranische Luftverteidigungssysteme, Antischiffsraketen und mehr als 60 Boote der Revolutionsgarde, nachdem Iran am Dienstag drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus angegriffen habe. Die iranische Revolutionsgarde griff nach eigenen Angaben ihrerseits US-Militärstützpunkte in Kuwait und Bahrain an. Schon am Dienstagabend verkündeten die USA daraufhin das Ende der Sondergenehmigung für den Verkauf von iranischem Öl, die im Zuge des Friedensprozesses vereinbart worden war.Durch die Straße von Hormus wurde vor dem Irankrieg etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels abgewickelt. Ihre Blockade infolge des Kriegs trieb die Ölpreise rund um die Welt nach oben, der Preis für ein Fass Brent kletterte nach Angaben von Bloomberg in der Spitze bis auf 126 Dollar Ende April. Erst in den vergangenen Tagen fiel der Barrelpreis wieder auf weniger als 72 Dollar, das Vorkriegsniveau.Ölaktien im Plus, Dax verliertOb der Waffenstillstand tatsächlich formell aufgekündigt ist, darüber bestand zunächst keine Klarheit. Trump sagte, die US-Unterhändler könnten weiter mit Iran verhandeln, „falls sie das wollen“, aber er betrachte das als „Zeitverschwendung“. Violeta Todorova, Senior Research Analyst bei Leverage Shares, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg, das Abkommen sei schon seit Wochen am Zerfasern, dies aber sei der bislang schwerste Bruch. „Die Märkte haben das Rahmenabkommen als belastbare Deeskalation betrachtet. Diese Sorglosigkeit wirkt nun fragil.“Die Finanzmärkte reagierten auf die Feindseligkeiten und den Ölpreisanstieg auf breiter Front. Der Dax gab um etwa zwei Prozent nach. Innerhalb einer Woche war er von 25.000 Punkten bis auf den Rekordwert von 25.900 Punkten am Montag gestiegen. Am Mittwoch fiel er zeitweise auf weniger als 24.850 Punkte. Schon vor den abermaligen Angriffen Irans und der USA belasteten Gewinnmitnahmen bei KI-Titeln den deutschen Leitindex. Nach Trumps Aufkündigung des Waffenstillstands ging es dann weiter bergab.Zu den Profiteuren gehörten die Aktien europäischer Ölkonzerne. Der wichtigste Branchenindex Stoxx Europe 600 Oil & Gas notierte zwischenzeitlich 1,3 Prozent im Plus. Die Papiere von Totalenergies, OMV, Shell und BP gewannen zeitweise mehr als zwei Prozent an Wert. Die Kurse vieler Fluggesellschaften fielen hingegen. Besonders stark traf es den Aktienkurs der Lufthansa, der mehr als fünf Prozent im Minus lag. Die Analysten der Citigroup sprachen eine Verkaufsempfehlung aus. Auch die Aktienkurse von Air France, Wizz Air und IAG, zu der British Airways und Iberia gehören, gaben in der Spitze zwischen zwei und drei Prozent nach.Im kommenden Jahr könnte es ein Überangebot gebenDie zehnjährige deutsche Bundesanleihe rentierte erstmals seit knapp einem Monat wieder mit mehr als drei Prozent. Die Aussicht auf eine Beruhigung in der Straße von Hormus hatte zuletzt die Renditen auf Euro-Staatsanleihen in der Breite fallen lassen, da die Kurse im Gegenzug gestiegen sind. Wegen des Kriegs und der damit einhergehenden Inflationssorgen entwickelten sich die Kurse der Staatsanleihen vieler Industrieländer längere Zeit in starker Abhängigkeit vom Ölpreis. Mit den jüngsten Kämpfen und Trumps Ankündigung wurde dieser Zusammenhang erneuert.In den USA fiel der S&P 500 vorbörslich um ein Prozent. Die Rendite auf zehnjährige amerikanische Staatsanleihen stieg um zwei Basispunkte auf 4,58 Prozent.Mittelfristig, das erwarten die Rohstoffanalysten von Morgan Stanley, könnte sich der Ölmarkt aber vollständig drehen. Wenn die Straße von Hormus wieder normal befahren werde, kämen zu der jüngsten Ausweitung des OPEC-Förderziels die hohen US-Exporte und die geringeren chinesischen Importe. Für das Jahr 2027 modellieren die Analysten daher einen impliziten Angebotsüberschuss von 4,8 Millionen Barrel am Tag. Bei Öltransporten von nur 65 Prozent des Vorkriegsniveaus durch die Straße von Hormus rechnen die Analysten mit einem ausgeglichenen Markt.
Donald Trump treibt den Ölmarkt: Dax und Ölpreise reagieren
Der amerikanische Präsident stellt den Friedensprozess mit Iran infrage. Öl wird prompt teurer, der Dax gibt nach, Ölkonzerne profitieren. Im nächsten Jahr könnte es aber wieder ganz anders aussehen.











