Mehr als 30 Dienststellen der Bundespolizei hat Uli Grötsch (SPD) in den vergangenen zwölf Monaten besucht. Sein Urteil fällt deutlich aus: Viele seien in einem „erbarmungswürdigen Zustand“. Als der Polizeibeauftragte der Bundes am Mittwoch seinen jährlichen Bericht in Berlin vorstellt, zählt er eine Reihe von Beispielen auf. Die Polizeidienststelle in Fulda etwa, „da stinkt’s nach Kloake“, das sei eigentlich kaum zu glauben. Das Aus- und Fortbildungszentrum im niedersächsischen Walsrode sei „in einem katastrophalen Zustand“, ein anderes Gebäude auf dem Gelände sei vor Jahren von Schimmel befallen worden, „und da steht es noch heute und rottet vor sich hin“. WLAN in den Aus- und Weiterbildungszentren gebe es kaum, so Grötsch. „Teilweise hat das Stammpersonal dort selbst WLAN-Netze versucht zu errichten, damit sie ihren Auszubildenden wenigstens etwas anbieten können.“Zum zweiten Mal fasst der Polizeibeauftragte des Bundes in seinem Bericht die Lage der Bundespolizei und ihrer Beschäftigten zusammen. Seine Aufgabe ist es einerseits, die Interessen der etwa 45.000 Bundespolizisten in Deutschland zu vertreten. Zum anderen soll er aber auch Anlaufstelle für Bürger sein, die schlechte Erfahrungen mit der Bundespolizei gemacht haben. Grötsch ist der erste Polizeibeauftragte des Bundes, im März 2024 wurde er vom Bundestag in sein Amt gewählt. Erreichten sein Büro im Zeitraum von Juli 2024 bis Juni 2025 noch 267 Anfragen, waren es im vergangenen Berichtsjahr 421 Anfragen. Dabei waren es vor allem mehr Bürger, die sich bei Grötsch meldeten. Im vergangenen Berichtsjahr kam nur knapp ein Viertel der Nachrichten von Beschäftigten der Bundespolizei und mehr als drei Viertel von Bürgern.Grötsch sieht die Grenzkontrollen kritischDie meisten Schreiben sind Beschwerden über die Kommunikation der Bundespolizei. In seinem Bericht zitiert Grötsch aus Nachrichten, die Einschüchterungsversuche oder entwürdigende Behandlungen beschreiben sollen: etwa, weil die betroffene Person sich vollständig habe entkleiden müssen und nicht informiert worden sei, was geschehen sei und warum. 50 Meldungen habe er in den vergangenen zwölf Monaten erhalten, in denen der Polizei Rassismus und Racial Profiling vorgeworfen wird, das seien mehr als im Berichtsjahr davor, so Grötsch. „Das verwundert uns aber nicht.“ Er habe in den vergangenen Monaten aktiv den Kontakt zu antirassistischen Vereinen und Initiativen gesucht und sie ermutigt, sich nach negativen Erfahrungen mit der Bundespolizei an ihn zu wenden. Der Polizeibeauftragte leitet dann ein Untersuchungsverfahren ein, kontaktiert die zuständige Direktion, bittet um eine Stellungnahme oder mahnt Aufarbeitung an. Meistens stünden solche Vorfälle im Zusammenhang mit Grenzkontrollen, so Grötsch.Am Mittwoch bekräftigte er seine kritische Haltung zu den laufenden Binnengrenzkontrollen. Durch diese entstehe eine hohe Belastung für Bereitschaftspolizisten, welche „die Hauptlast“ der Kontrollen zu tragen hätten. Grötsch sagt, er wünsche sich eine Diskussion darüber, wie man auch ohne enormen Personaleinsatz an der Grenze kontrollieren könnte.Insbesondere an der Grenze zu Österreich seien regelmäßig mobile Einsatzkräfte unterwegs, die dafür anderer Stelle fehlten – etwa um Messerverbotszonen an Hauptbahnhöfen zu kontrollieren. Grötsch sagt, dadurch steige auch die allgemeine Einsatzbelastung der Polizisten. Wenn sie von Demonstrationen zum 1. Mai direkt zur Grenze und von dort aus zu einem Fußballspiel geschickt würden, komme man „nicht mehr aus den Stiefeln“.Hinzu kommt, dass viele Bundespolizeidirektionen ihre Beschäftigten laut Grötsch zunehmend zum Abbau von Überstunden ermutigen. Doch zusammen mit den Einsätzen an den Grenzen führe dies dazu, dass kaum noch Zeit für Übungen bleibe. Übungen aber seien essenziell, um auf Großlagen wie Silvesterfeiern oder Fußballspiele vorbereitet zu sein: „Irgendwas bleibt dann auf der Strecke.“
Bundespolizei: Uli Grötsch kritisiert marode Dienststellen
Zum zweiten Mal stellt der Beauftragte der Bundespolizei seinen Jahresbericht vor. Das größte Problem sieht Uli Grötsch in der Überlastung der Polizisten – und fordert eine Debatte über Grenzkontrollen.










