Ob im Streit mit der besten Freundin oder beim Verfassen einer beruflichen E-Mail: Für viele gehört es längst zum Alltag, Chatbots für soziale Interaktionen um Rat zu fragen. Laut OpenAI-Chef Sam Altman gilt das besonders für Menschen in ihren 20ern und 30ern: „Sie treffen keine wichtigen Lebensentscheidungen mehr, ohne ChatGPT vorher um Rat zu fragen, was sie tun sollen. Das Tool hat den vollen Kontext über jede Person in ihrem Leben und worüber sie gesprochen haben.“ Leena Rinne, Vizepräsidentin für Führung, Wirtschaft und Coaching bei der Edtech-Plattform Skillsoft, hat dieses Phänomen für Fortune kritisch eingeordnet. Sie sieht darin ein ernstes Problem für die Entwicklung junger Führungskräfte.Anzeige

Soziale Interaktionen werden an KI ausgelagert

Eine Mitarbeiterin berichtete Rinne, dass sie eine E-Mail von ihrem Chef erhalten habe, deren Bedeutung sie nicht ganz verstand. Sie vermutete, dass sie von einer KI verfasst worden war – und bat ihren Chatbot, sie zu interpretieren. Dieser antwortete und fragte, ob er direkt eine Antwort formulieren solle. Die Mitarbeiterin zögerte. Sie hatte laut Rinne inzwischen das Gefühl, dass in dieser Situation nur noch zwei KIs miteinander kommunizierten. Die Expertin bezeichnet dieses Phänomen als „Social Offloading“: Zwischenmenschliche Fähigkeiten, die Urteilsvermögen, Empathie oder Mut erfordern, werden dabei an KI delegiert. „Wenn ich die KI ständig frage, wie ich meinem Chef antworten soll, lerne ich nicht wirklich, wie ich mit meinem Chef umgehen kann. Ich lerne nicht, wie ich eine Beziehung zu meinem Chef aufbaue“, so Rinne.