Ein Halbmond und ein Stern, sichtbar auf Satellitenbildern: Mitten in Ankara entsteht eines der grössten Militärhauptquartiere der Welt.08.07.2026, 14.00 Uhr2 LeseminutenIn diesen Tagen blickt die Welt nach Ankara. Rund 70 000 Sicherheitskräfte sichern den Nato-Gipfel, der derzeit in der türkischen Hauptstadt stattfindet. Die Sicherheitsvorkehrungen sind auf höchster Stufe. Erstmals rückt dabei auch das neue Hauptquartier «Ay Yildiz», zu Deutsch «Mond-Stern», ins internationale Rampenlicht: Der Megakomplex ist Veranstaltungsort im Rahmen des Nato-Gipfels, dessen Programmpunkte auf mehrere Orte in Ankara verteilt sind.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Der neue Komplex soll die Kommandostruktur der türkischen Streitkräfte an einem zentralen Standort vereinen. Neben dem Verteidigungsministerium und dem Generalstab sind die Kommandos von Heer, Marine und Luftwaffe unter einem Dach untergebracht.Angesiedelt ist das Gebäude im Bezirk Etimesgut im Westen Ankaras. Nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016, als Teile des Militärs versucht hatten, Präsident Recep Tayyip Erdogan zu stürzen, wurden zahlreiche militärische Einrichtungen aus den Stadtzentren verlegt.Um Platz für den Neubau zu schaffen, zogen das Kommando der Panzertruppenschule und die Ausbildungsdivision aus Etimesgut weg. Auf dem frei gewordenen Gelände wurde im August 2021 der Grundstein für das gemeinsame Hauptquartier «Ay Yildiz» gelegt, in Anwesenheit von Präsident Erdogan.Ursprünglich hätte der Komplex schon im Oktober 2023 eröffnet werden sollen, nach gerade einmal zwei Jahren Bauzeit. Die Fertigstellung verzögerte sich jedoch nach den verheerenden Erdbeben im Südosten der Türkei im Februar 2023. Um beim Wiederaufbau zu helfen, verlegte der zuständige Baukonzern Rönesans Personal und Ressourcen in die betroffenen Regionen. Auch die angespannte wirtschaftliche Lage in der Türkei trug zur Verzögerung bei.Das gesamte Gelände mit dem Hauptquartier erstreckt sich über eine Fläche von etwa 12 Quadratkilometern, davon entfallen knapp 900 000 Quadratmeter auf die Innenräume. Zum Vergleich: Das Pentagon, jahrzehntelang das grösste Bürogebäude der Welt, verfügt über eine gesamte Geschossfläche von rund 600 000 Quadratmetern. Das neue Hauptquartier wäre damit – gemessen an der Innenfläche – anderthalbmal so gross wie das Pentagon. Anders als das US-Verteidigungsministerium ist der türkische Komplex jedoch nicht durchgehend verbunden und zählt deshalb nicht als einzelnes Gebäude.Ausschnitt aus dem Video eines digitalen ModellsTRT HaberKünftig sollen rund 15 000 Menschen auf dem Campus arbeiten. Neben mehreren Konferenzsälen umfasst die Anlage einen grossen, kreisförmig angelegten Zeremonienplatz im Zentrum des Komplexes. Im Vorfeld des Nato-Gipfels fand zudem am Donnerstag erstmals die traditionelle wöchentliche Pressekonferenz des türkischen Verteidigungsministeriums in den neuen Räumlichkeiten statt.Doch fertiggestellt ist der Gebäudekomplex weiterhin nicht. Im Jahr 2024 berichteten türkische Medien, die Eröffnung sei für 2025 geplant. Inzwischen hat sich der Zeitplan nochmals verschoben: Die erste Bauphase wurde 2026 abgeschlossen, Teile des Geländes sind – wie für den Nato-Gipfel – bereits nutzbar. Die endgültige Fertigstellung ist jedoch für 2028 vorgesehen.Mitarbeit: Jan Ludwig.Passend zum Artikel