Ein vertuschtes Tennisspiel und keine Telefonate: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner verstrickt sich immer mehr in WidersprücheNeue unwahre Aussagen beim Krisenmanagement des Berliner Stromausfalls stellen die Glaubwürdigkeit des Christlichdemokraten infrage. Der sozialdemokratische Koalitionspartner und die Opposition fordern seinen Rücktritt.08.07.2026, 11.58 Uhr3 LeseminutenBerlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sieht sich erneut mit Vorwürfen der Falschaussage konfrontiert.Chris Emil Janssen / ImagoDer Stromausfall Anfang des Jahres in Berlin wird für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner zunehmend zu einem politischen Desaster. Seine jetzt öffentlich gewordenen erneuten unwahren Aussagen bringen nicht nur den Christlichdemokraten in Erklärungsnot, sondern schmälern auch die Wahlchancen der CDU im September.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wegner hatte bereits Fehler in der Kommunikation bei der Bewältigung des grössten Stromausfalls in der Berliner Nachkriegsgeschichte eingestanden. Jetzt wurde bekannt, dass Wegner am Morgen des Stromausfalls – anders als er zuvor behauptet hatte – mit niemanden dienstlich telefoniert hatte. Das berichtet der «Tagesspiegel», der vor dem Berliner Verwaltungsgericht einen Eilantrag durchsetzte und damit die Senatskanzlei zur Auskunft verpflichtete. Es sei «vor 12.45 Uhr kein Telefonat geführt» worden, erklärte demnach die Senatskanzlei. «Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt.»Am Morgen des 3. Januar hatte ein mutmasslich linksextremistischer Brandanschlag auf eine Kabelbrücke die Stromversorgung von bis zu 45 000 Haushalten im Berliner Südwesten für vier Tage unterbrochen. Dauerfrost und Schneesturm verschärften die Lage für die rund 100 000 Menschen, die zwischenzeitlich betroffen waren.Zeitweise waren rund 100 000 Menschen bei Dauerfrost von der Stromversorgung abgeschnitten. Das Technische Hilfswerk half mit Notbeleuchtung des Gehwegs.Sebastian Gollnow / DPAWegner hatte öffentlich erklärt, er habe sich nach Bekanntwerden des Stromausfalls den ganzen Tag in seinem Home-Office eingeschlossen und intensiv koordiniert. Dabei nannte er ausdrücklich Gespräche mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenministerium. «Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen», sagte er wörtlich. Noch im März hatte die Senatskanzlei auf Nachfrage an dieser Aussage festgehalten.Ein Eilantrag vor Gericht machte Kommunikation öffentlichAn dieser Darstellung kamen schnell Zweifel auf. So versuchte Wegner zunächst auch, ein Tennisspiel mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch, zu vertuschen. Erst nach Recherchen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) gab er seine sportliche Einlage zu und begründete das damit, er habe den Kopf freibekommen wollen.Auch die von Wegner suggerierten frühen Kontakte mit Stromnetz Berlin, mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenminister fanden später am Tag statt, teilweise erst am Abend. Das musste Wegner nach einem Eilantrag vor dem Berliner Verwaltungsgericht im März zugegeben.Daraufhin gab sich Wegner öffentlich tief zerknirscht und räumte schon damals Fehler in seiner Kommunikation ein. Er wolle sich «dafür bei allen Berlinerinnen und Berlinern entschuldigen. Es tut mir aufrichtig leid», sagte Wegner der Zeitung «B.Z.». Er habe sich aber «mit aller Kraft um die Bewältigung dieser Krise gekümmert, als absehbar war, welche Dimension das annimmt.» Auch vor dem Landesparlament bat der Christlichdemokrat um Entschuldigung für seine Kommunikationspannen.In Umfragen liegt Linkspartei knapp vornDer sozialdemokratische Koalitionspartner und die Opposition reagierten umgehend mit Rücktrittsforderungen auf die Aussagen des Regierenden Bürgermeisters. Elif Eralp, Bürgermeisterkandidatin der Linkspartei, sagte dem «Tagesspiegel»: «Wer dreimal lügt, den wählt man nicht.» Wegner habe seine Rolle in der Krise «bewusst verfälscht» und damit seine Glaubwürdigkeit als Regierender Bürgermeister «endgültig verspielt». Die Grünen äusserten sich ähnlich.Der SPD-Spitzenkandidat für das Amt des Bürgermeisters, Steffen Krach, nannte Wegners Verhältnis zur Wahrheit beschämend. «Der menschliche Anstand würde jetzt erfordern, dass er sich zurückzieht», erklärte er in dem Blatt.Im September stehen in Berlin Wahlen für das Abgeordnetenhaus an. Umfragen sehen die Christlichdemokraten im Rückstand. Ohne die Linkspartei käme zudem keine Regierungsmehrheit in der Hauptstadt zustande.Gemäss einer Befragung von Anfang Juli liegt die Linkspartei mit 18,6 Prozent der Stimmen leicht vorn. Grüne und CDU folgen mit jeweils 18,4 Prozent sowie die AfD mit 18 Prozent der Stimmen. Die Liberalen wären mit 3,3 Prozent nicht im Landesparlament vertreten. Wegner kam im April 2023 ins Amt und löste damit die SPD nach mehr als 20 Jahren an der Spitze des Roten Rathauses ab.Passend zum Artikel
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