Dieses Jahr sind die Stiere besonders schnell und haben nur wenig Verletzte in den engen Gassen von Pamplona hinterlassen. Jeden Morgen folgen Hunderte in weißen Hemden und mit roten Tüchern um den Hals den Kampfstieren 875 Meter in die Stierkampfarena. Dort finden die Tiere bei „Fiestas de San Fermín“, für die sich schon Ernest Hemingway begeisterte, am Nachmittag den Tod. Trotz der Temperaturen von bis zu 40 Grad sind alle Plätze ausverkauft, wenn die Torero-Legenden Morante de Pueblo und Roca Rey dort kämpfen – nicht nur in Pamplona, wohin im vergangenen Jahr zu der einwöchigen Fiesta 1,8 Millionen Besucher kamen.Das Schild mit der Aufschrift „No hay billetes“ (Keine Eintrittskarten) prangt noch viel häufiger an den Kassen in Madrid und Sevilla. Während der jüngsten „Feria de San Isidro“ in der Hauptstadt 19 Mal: In die monumentale Arena von Las Ventas passen fast 22.000 Menschen, insgesamt zählte man dort mehr als 600.000 Zuschauer. In der „Maestranza“ in Sevilla waren während der „Feria de Abril“ neun Corridas ausverkauft.Der Stierkampf stirbt nicht den langsamen Tod, den ihm Tierschützer im Ausland wünschen – er wird jünger: Der spanische Verband der Stierkampfveranstalter (ANOET) registrierte in der vergangenen Saison im ganzen Land 21.569 Veranstaltungen; das waren 619 mehr als im Jahr davor. 2024 gingen 6,2 Millionen Menschen in die Arenen. Ein Viertel von ihnen war zwischen 15 und 24 Jahre alt.Retten die jungen Spanier den Stierkampf?„Retten junge Leute den Stierkampf?“, fragt „El País“verwundert. Die linksliberale Zeitung hatte schon vor Jahren die einschlägige Berichterstattung aus ihrer Printausgabe verbannt und den Kritikern viel Raum gegeben. „Die vielen Angriffe auf den Stierkampf und die vielen Verbote haben genau das Gegenteil von dem bewirkt, was die Kritiker erreichen wollten, insbesondere bei jungen Leuten. Sie verbieten ihn? Nun, jetzt werde ich ihn mir ansehen“, erläuterte Javier Nebreda in „El País“ die Toro-Rebellion der Generation Z. Er ist Präsident von „Cocherita de Bilbao“, der als der älteste und traditionsreichste Stierkampfclub der Welt gilt.„Eine Welle junger Menschen hat es satt, dass man ihnen vorschreibt, was sie zu denken haben. Sie ist wie ein Tsunami in die Stierkampfarenen gestürmt und hat sie mit Lebendigkeit und Freude erfüllt“, schrieb die „Stiftung zur Förderung des Stierkampfs“ über die letzte Saison. „Mehr als 30 Prozent meiner Follower in den sozialen Medien sind unter 18“, berichtete der valencianische Torero Román Collado.Nur wenige Verletzte: Feiernde laufen beim ersten Stierlauf des San-Fermín-Festes neben den Kampfstieren in Pamplona her.dpaIn Sevilla bildete sich vor Saisonbeginn am frühen Morgen eine lange Schlange. Zum Teil kamen Eltern mit ihren Kindern, um eine der 400 Dauerkarten für Jugendliche bis 23 Jahre zu ergattern, die in diesem Jahr 300 Euro kosteten. In Madrid waren die Gratis-Abonnements für die Nachwuchs-Aficionados ebenfalls schnell vergriffen, während man sich in Badajoz um die Kinder bemühte. Im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren haben sie kostenlosen Zugang zu einer eigenen Loge. Dort standen Betreuer bereit, so- dass sie auch allein kommen konnten.Budget um 500 Prozent erhöhtIn der Extremadura, wo Badajoz liegt, regiert wieder die rechtspopulistische Vox-Partei mit und ist zuständig für die Stiere. Vox erhöhte sofort das einschlägige Budget um 500 Prozent auf 1,8 Millionen Euro, während die Mittel für soziale NGOs gekürzt wurden. In den drei anderen Regionen, in denen Vox eine Koalition mit der konservativen Volkspartei (PP) einging, gibt es ähnliche Pläne. In Madrid, wo die PP allein regiert, dürfen jetzt schon Vierzehnjährige in der Stierkampfschule der Regionalregierung mit Jungstieren trainieren.Um den Stierkampf tobt in Spanien schon länger ein Kulturkampf. Die kommunistische Ministerin für Kinder und Jugend, Sira Rego, bereitet einen Gesetzentwurf vor, der Minderjährigen verbieten soll, an Veranstaltungen mit Gewalt gegen Tiere teilzunehmen. Sie beruft sich auf entsprechende Forderungen der UN.Veranstalter werben gezielt in sozialen Medien und machen die Corridas zum Event.AFPFür die linke Minderheitsregierung bedeutete es eine Niederlage, dass sie unfreiwillig jungen Spaniern einen Anspruch darauf geben musste, unentgeltlich zu den Corridas zu gehen. Seit der Corona-Pandemie erhalten Achtzehnjährige einen staatlichen „Kulturbonus“ im Wert von 400 Euro, um ins Theater, ins Kino oder in Konzerte zu gehen und Bücher zu kaufen. Nach einer erfolgreichen Klage vor dem Obersten Gerichtshof gilt er seit 2023 auch für die Arenen. Die letzte konservative Regierung hatte den Stierkampf zum nationalen Kulturgut erklärt.Veranstalter werben in sozialen Medien und machen Corridas zu einem EventGleichzeitig bemühen sich auch die Veranstalter um den Nachwuchs unter den Aficionados. Sie werben gezielt in sozialen Medien und machen die Corridas zum Event. Wenn der letzte tote Stier aus dem Rund gezogen ist, wird Las Ventas in Madrid zu einer Club-Location. Unter freiem Himmel gibt es auf den oberen Rängen Drinks und Live-Flamenco, DJs legen Musik auf. Momentan hilft wohl auch der „Morante-Effekt“. „Sie haben so viel über Morantes Genie gehört und gelesen, dass sie ihn selbst sehen wollen“, sagt Javier Nebreda über die Faszination, die der Torero auf junge Spanier ausübt.„Zaragoza quiere toros“ lautet ein Slogan, mit dem Fans in der spanischen Großstadt mobilisieren. Sie wollen im Herbst während der „Feria de Pilar“ wieder Stiere in der Arena sehen, für die wenige Monate zuvor immer noch ein Betreiber fehlt.
Die Generation Z rebelliert für den Stierkampf in Spanien
Die Kritik am Stierkampf hat offenbar genau das Gegenteil von dem bewirkt, was Tierschützer erreichen wollten: Nicht nur bei der Fiesta in Pamplona begeistern sich immer mehr junge Spanier für die Corridas.











