In seiner Buchhandlung „Leporello“ hatte der Berliner Buchhändler Heinz Ostermann gerade die ehemalige Regierende Bürgermeisterin und SPD-Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey zu Gast. Auf einer Lesung stellte sie ihr Kochbuch vor.SZ: Herr Ostermann, ich würde bei Ihnen gerne „Franziska Giffeys kleines Kochbuch“ bestellen.Heinz Ostermann: Tut mir leid, das können Sie nicht.Frau Giffey war doch gerade bei Ihnen im Buchladen und hat ihr Kochbuch vorgestellt.Ja, das war aber mehr so eine Wahlkampfveranstaltung. Andere verteilen Kugelschreiber oder Sticker. Sie verteilt Kochbücher.Gut. Aber wie bekommt man nun das Buch?Soweit ich weiß, verschenkt Sie es. In ihrem Wahlkreisbüro. Das ist hier gleich um die Ecke.Wie muss ich mir denn das Kochbuch vorstellen?Das Buch umfasst zwölf Rezepte. Bouletten, Rindergulasch, Obsttorte. So Sachen. Bei der Lesung hatte Frau Giffey auch Streuselkuchen mit dabei. Es war ein sehr gelungener Abend.Franziska Giffey (rechts) verteilt zu Beginn ihrer Lesung im „Leporello“ selbstgebackenen Streuselkuchen an Zuhörende. Bernd von Jutrczenka/dpaUnd warum kann ich das Buch nicht bei Ihnen bestellen?Ich hab’s halt nicht. Auf ihrer Lesung hat Frau Giffey aber zahlreiche Exemplare an die Zuhörer verschenkt. Da hätten Sie auch vorbeikommen müssen.Nach Berlin? Wegen eines Kochbuchs mit nur zwölf Rezepten?Hören Sie mal zu: Frau Giffey hat mir vor etwa sechs Wochen vorgeschlagen, diesen Abend zu machen. Also habe ich zugesagt. Sie ist ja viel auf Social Media unterwegs. Mit allerlei Sachthemen. Aber am meisten Aufmerksamkeit bekommt eben auch sie, wenn sie irgendwas über Essen oder so postet. Das ist ja bei vielen Politikern und Influencern so. So sind sie eben, unsere neuen Zeiten! Die Digitalisierung … Setzt übrigens auch uns Buchhändlern zu.Verstehe.Natürlich habe ich mir gedacht: Politikerin, Lesung, Kochbuch, das klingt schon schwierig. Aber Sie sollten das Folgende wissen: Seit 2016 gab es hier in Neukölln einige rechtsextreme Anschläge, auch auf meinen Laden in Rudow, weil ich mich gegen die AfD zu Wort gemeldet hatte. Ich selbst bin in keiner Partei, denke aber noch immer, dass es ungemein wichtig ist, gemeinsam Position gegen Rechtspopulisten zu beziehen. Die haben mir damals das Schaufenster eingeschmissen und zwei Autos in Brand gesetzt. Aber Frau Giffey, die Neuköllner Bezirksbürgermeisterin war, ist immer hinter mir gestanden. Und dafür bin ich ihr noch heute dankbar.Und wie geht es Ihnen heute?Mittlerweile sitzen einige Täter von damals in Haft, und in unserem Stadtteil haben wir eine Initiative gegründet, die schon mehrfach ausgezeichnet wurde: „Rudow empört sich – Gemeinsam für Respekt und Vielfalt“. Aber so kleinere Anschläge – aufgestochene Autoreifen, ein Ei am Schaufenster – das erlebe ich noch immer. Da finde ich es schon wichtig, dass man unter Demokraten zusammenhält.Klar.Und was diese Kochbuch-Veranstaltung angeht: Ja, warum denn bitte nicht? Es waren immerhin 80 Menschen da, und natürlich hat man auch übers Essen geredet, aber eben auch sehr viel über Politik. Und wenn man die Leute für so wichtige Dinge wie die Bekämpfung des Rechtsextremismus halt besser über Streuselkuchen erreicht, warum sollte man das nicht machen? Also: Soll ich mich jetzt noch drum kümmern, um das Kochbuch? Wollen Sie es denn wirklich?Mmmh, ich weiß nicht …Jetzt kommen Sie schon. Ich besorge es Ihnen!Weitere Folgen der Serie „Ein Anruf bei …“ finden Sie hier.