Dass es mit der Jugend von heute nicht besonders weit her sein kann, das wissen die Jugendlichen von gestern schon seit mindestens vorvorgestern, also praktisch schon immer. Wie wird man das im Lichte dessen dann wohl einordnen müssen, wenn es ein bayerischer Abiturjahrgang wie der aktuelle auf einen Notendurchschnitt von 2,13 bringt?Eigentlich könnte man es ja ganz einfach „gut“ sein lassen, wie die Note 2,13 in einem Wort zu werten wäre. Aber ein Schnitt von 2,13 ist halt nicht nur gut, sondern er ist auch noch besser als in den vergangenen zehn Jahren, für die der Durchschnitts-Durchschnitt bei ungefähr 2,25 liegen soll. Und gar so gut beziehungsweise gleich um 0,12 besser als der Zehn-Jahres-Schnitt können die doch alle miteinander gerade gar nicht sein. Der Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat nach zielführender Befragung durch die Passauer Neue Presse nun jedenfalls wieder mal eine „Bestnotenflut“ beklagt.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Dabei könnte so ein überdurchschnittlich guter Schnitt doch auch ein großer Leistungsnachweis für den womöglich gerade ebenfalls überdurchschnittlich guten Lehrkörper an Bayerns Grundschulen und Gymnasien sein. Außerdem haben die rund 30 000 aktuellen Abiturienten wieder mindestens 13 Jahre Unterricht erhalten und nicht nur zwölf, so wie es zwischenzeitlich der Fall war im bildungspolitischen Hin und Her der Staatsregierung zwischen dem neun-, dem acht- und dem nun wieder neunjährigen Gymnasium. Kultusministerin Anna Stolz sieht das zusätzliche Jahr Lernzeit und die größeren Möglichkeiten zur Spezialisierung jedenfalls als einen Grund für die Verbesserung an.Meidinger hingegen hegt sowieso seit Längerem den Verdacht, dass die Noten nach derlei Reformen am besten besser werden sollen, um die jeweilige Reform politisch als Erfolg verkaufen zu können. Die eigentlichen Verlierer der angeblichen Einser-Inflation sind für ihn diejenigen, die ihren Einser wirklich verdient hätten – offenbar im Gegensatz zu all jenen, die ihn mehr oder weniger unverdient erhalten haben. Mit denen müssen die eigentlichen Premiumprodukte des bayerischen Bildungssystems jetzt bei gleichen Noten um die begehrtesten Studienplätze konkurrieren.Übrigens konkurrieren sie dabei auch mit all jenen außerbayerischen Abiturienten, denen die Einser – oder in dem Fall meistens die Einsen – in ihren anscheinend viel bildungsferneren Bundesländern angeblich praktisch nachgeschmissen werden. Die Lösung liegt für Meidinger aber nicht darin, auch den durchschnittlicheren bayerischen Abiturienten gute Noten zu geben. Sondern darin, es jenen anderen Bundesländern in einem deutschen Zentralabitur mal so richtig zu zeigen, wie ein schlechter Vierer ausschaut.Denen, die jetzt einen Einser im Zeugnis stehen haben, kann die ganze Debatte aber erst einmal erfreulich egal sein, und allen anderen Abiturienten auch. Dem Lehrerverband können sie ja nötigenfalls später noch beitreten.