Vier junge Menschen stehen in der Jugendherberge Schliersee-Josefsthal für Tee, Semmeln und Marmelade an. Kleidung und Haarschnitte haben sich verändert, die Bedürfnisse aber sind die gleichen geblieben: „Die Essensausgabe gibt es noch an derselben Stelle, mittlerweile aber etwas modernisiert“, berichtet Herbergsleiter Niels van Meerwijk. Am Wochenende hat die Jugendherberge Schliersee-Josefsthal als älteste Jugendherberge Bayerns ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Der bayerische Landesverband nahm das zum Anlass Bilder aus den Anfangsjahren zu veröffentlichen.„Eine lustige Sache“: Jugendliche beim Kartoffelschälen. Foto: DJH BayernDie Gäste helfen beim Abtrocknen. Das gehörte in Jugendherbergen lange dazu. Foto: DJH BayernMan sieht Jugendliche beim Kartoffelschälen und Geschirrtrocknen. Der Kleidung nach zu urteilen seien die Bilder vermutlich in den 1950er-Jahren entstanden, schätzt der Archivar des Jugendherbergsverbandes Jakob Murböck. Schon in den 1960er-Jahren habe es einheitliche Küchenkleidung gegeben mit Kopfbedeckungen. Murböck ist als Kind selbst in einer Jugendherberge aufgewachsen als eines von sieben Herbergskindern. 1960 übernahmen seine Eltern die neu gebaute Herberge Garmisch-Partenkirchen.„Es hat in Jugendherbergen dazu gehört, dass man mithilft“, erinnert sich der 75-Jährige. Das sei aber weniger Arbeit gewesen, „eher eine lustige Sache“. Auch er selbst musste als Kind helfen und „gigantische Mengen Kartoffeln“ abfüllen und in die Schälmaschine kippen. Heutzutage helfen die Gäste nicht mehr in der Küche, sagt Herbergsleiter van Meerwijk. Dies wäre mit den Hygienevorschriften nicht mehr möglich. Die Küche selbst aber sei in der Herberge in Schliersee noch am selben Platz.Äußerlich hat sich das Haus ansonsten seit der Eröffnung im Jahr 1926 stark verändert.Schliersee ist in Bayern das älteste Haus, das noch als Jugendherberge betrieben wird. Foto: DJH BayernWie viele andere Jugendherbergen in Bayern war sie im Stil großer Bauernhöfe erbaut worden. Der Platz aber reichte schon bald nicht mehr. 1939 stockte man das Gebäude auf. 1966 verlängerte man es. 1993 kam ein kompletter Anbau hinzu. Man schuf Platz für mehrere Seminarräume, modernisierte die Küche und verbesserte den Komfort.„Die Häuser wurden moderner und bequemer“, erinnert sich Archivar und Herbergskind Jakob Murböck. Foto: DJH BayernSchliersee folgte damit dem Trend aller Jugendherbergen: „Die Häuser wurden moderner und bequemer“, sagt Murböck. In seiner Kindheit hätten Herbergen riesige Schlafräume gehabt und dafür pro Etage nur jeweils zwei bis drei Duschen und Toiletten. Heute bieten alle Häuser auch kleinere Zimmer etwa für Familien, häufig mit eigenen Bädern und Toiletten.Waschräume auf dem Gang gibt es in Schliersee teilweise immer noch, allerdings modernere. Foto: DJH BayernAuch in Schliersee wurden die 14er- und 18er-Zimmer abgeschafft. Es teilen jetzt maximal acht Gäste ein Zimmer. Die Waschräume auf dem Gang gibt es dagegen immer noch. Einzelne Zimmer verfügen aber inzwischen über eigene Bäder.Stockbetten gehören auch heute noch zu Jugendherbergen. Die großen Schlafsäle aber sind Vergangenheit. Foto: DJH BayernEbenfalls Ende der 1990er-Jahre baute man in Schliersee ein separates Haus als Herbergselternwohnung. Und schuf damit dringend nötige Entlastung für die Herbergseltern. In Anfangsjahren mussten die Herbergseltern immer ein Paar sein und vor Ort wohnen. „Man hat gemerkt, dass das ein stressiger Beruf ist, der oft an die persönliche Grenze geht, da ist Abstand und eine Auszeit wichtig“, weiß Murböck. Der heutige Leiter van Meerwijk, der zuvor ein Hotel in Tegernsee geführt hat, wohnt nicht mehr auf dem Gelände.In den Anfangsjahren dagegen flossen Arbeit und Familie zusammen. Seine Eltern hätten oft genug inklusive Sonntag durchgearbeitet. Für die Kinder sorgte ein Kindermädchen. „Die Eltern waren weit weg und wussten nicht so viel über uns“, sagt Murböck. Er habe das aber nicht als Nachteil empfunden. Die Jugendherberge stand auf der freien Wiese, hinter dem Haus ging es in den Wald, in die Berge und zu den Wasserfällen. „Viel Freiheit, viel Natur, dazu die internationalen Gäste, ich glaube, da profitiert man das ganze Leben davon.“Vom Konzept her waren Jugendherbergen Orte, an denen man Gemeinschaft erlebt und sich unterstützt, sagt Murböck. Foto: DJH BayernDie älteren Kinder führten die Gäste in die Berge, einfach, weil sie sich auskannten. Heute beschäftigen viele Jugendherbergen dafür ausgebildete Sozialpädagogen, sogenannte Teamer, die die Gäste bei Sportaktivitäten anleiten. Die Angebote aber sind von Klettern bis Schneewandern eher vielfältiger geworden. Und die Idee funktioniert damals wie heute: Jugendherbergen seien Orte, an denen man Gemeinschaft erlebt und sich unterstützt, so Murböck.
100 Jahre Jugendherberge Schliersee: „Es hat in Jugendherbergen dazu gehört, dass man mithilft“
100 Jahre Jugendherberge Schliersee: Ein Rückblick in Bildern.







