Bis zur 79. Minute war die Sensation zum Greifen nah. Ägypten führte in Atlanta 2:0 – im Achtelfinale gegen Weltmeister Argentinien und seinen Kapitän Lionel Messi. Kurz darauf waren die Ägypter dann doch ausgeschieden. In einer spektakulären Schlussoffensive erzielte Argentinien drei Tore und gewann noch mit 3:2. Konnte das mit rechten Dingen zugegangen sein?Der Stürmer Mostafa Ziko, dem in der zweiten Halbzeit vom VAR ein Tor aberkannt worden war, stand nach dem Abpfiff jedenfalls tränenüberströmt auf dem Rasen – und bebte noch, als man ihm zum Blitz-Interview ein offizielles Fifa-WM-Mikrofon vor den Mund hielt. „Der Schiedsrichter war nicht fair“, sagte er also hinein, „nicht fair! Wirklich nicht fair! Eine 2:0-Führung reicht nicht, um Argentinien zu besiegen. Es ist klar, dass dieses Turnier gefixt ist.“„Es schien, als habe die argentinische Seite Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt.“Damit war der Ton gesetzt – und der Vorwurf ausgesprochen: Messis Argentinier seien too big to fail und sollten auf Kosten kleinerer Nationen ins Endspiel geleitet werden. Denselben Vorwurf erhob kurz darauf auch der Trainer Hossam Hassan, 59. Bloß dass er mit deutlich mehr Worten auf das Team um den französischen Schiedsrichter François Letexier schimpfte. Hassan war gar nicht mehr zu bremsen.„Wir waren besser als der Weltmeister, aber das Ergebnis ist durch interne und externe Faktoren beeinflusst worden. Argentinien hat Unterstützung auf allen Ebenen erhalten“, schimpfte er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Es schien, als habe die argentinische Seite Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt. Jeder hat gesehen, dass das Trikot gezogen wurde. Sie wollten aber wohl, dass Messi im Rennen bleibt.“MeinungFifa und die Balogun-Affäre:Infantinos Sorge vor dem Thronsturz wächstHintergrund war eine Szene kurz vor dem Konter, den Enzo Fernández in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum 3:2‑Siegtreffer abschloss. Alexis Mac Allister hatte Hamdy Fathy zuvor im argentinischen Strafraum den Ball abgenommen, Fathy war zu Boden gegangen, ein Zug am Trikot des Ägypters hatte daran seinen Anteil. Doch statt Elfmeter für Ägypten gab es Tor für Argentinien. Der Videoassistent hatte nichts einzuwenden – anders, als in der 60. Minute: Da war Ziko ein Treffer nachträglich storniert worden, weil der VAR in der Entstehung – diesmal weit in der ägyptischen Hälfte – ein Foul entdeckt hatte. Ziko hatte kurz darauf dennoch zum 2:0 getroffen, aber die Führung reichte nicht. Als der Trainer Hassan später auf Zikos ungültigen Treffer zu sprechen kam, befand er, dieser sei „aus welchen Gründen auch immer“ annuliert worden.Während das Foul vor Zikos aberkanntem Tor bei Ansicht der Videobilder unstrittig war, wunderten sich auch die ehemaligen Referees, die die WM-Spiele fürs deutsche Fernsehen kommentieren, über die offenbar ausgebliebene Überprüfung des argentinischen Siegtreffers. Der Ärger sei „nachvollziehbar“, fand etwa Patrick Ittrich, bis zur vergangenen Saison noch in der Bundesliga und jetzt am Mikrofon bei Magenta-TV aktiv. „Alle strittigen Entscheidungen“ seien in diesem Achtelfinale „gegen Ägypten getroffen worden.“ Auch der ARD-Experte Lutz Wagner fand Mac Allisters Vorgehen im eigenen Strafraum „sehr unclever“, Argentinien habe in dieser Szene „viel Glück gehabt“.„Das Leben ist unfair, die Welt ist unfair, aber warum gibt es keine Fairness im Fußball, im Sport?“, fragte derweil Hossam Hassan – und weil er schon mal in Fahrt war, ärgerte er sich auch noch über andere Dinge, etwa die frühe Anstoßzeit. „Wer ein Spiel für zwölf Uhr mittags ansetzt, hat nie Fußball gespielt. Sollen die Spieler um 7.30 Uhr Mittag essen?“ Er fliege jetzt zurück nach Ägypten, sagte Hassan – „und dann gucke ich kein einziges WM-Spiel mehr“.
Ägypten tobt wegen des Schiedsrichters: „Sie wollten wohl, dass Messi im Rennen bleibt“
Nach dem Last-Minute-Aus im Achtelfinale gegen Argentinien wütet Ägyptens Trainer gegen den Schiedsrichter. Der Weltmeister habe offenbar „Unterstützung auf allen Ebenen erhalten“.











