Beziehungsstatus: kompliziert. Der Easy-Jet-Gründer und die Billig-Airline haben sich auseinandergelebt – und sind doch verbandeltStelios Haji-Ioannou hat das Fliegen für viele Menschen erschwinglich gemacht. Mit dem Übernahmeangebot eines Finanzinvestors stellt sich die Frage, ob er sich auch noch von seinen letzten Aktien an der Fluggesellschaft trennt.08.07.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenStelios Haji-Ioannou hat mit der Gründung der Billig-Airline die europäische Luftfahrt aufgemischt.ImagoIn Sachen Marketing reizt der Easy-Jet-Gründer Stelios Haji-Ioannou gerne die Grenzen aus. Der Sohn eines griechischzypriotischen Reeders hat die Billig-Airline 1995 mit Startkapital seines Vaters gegründet und regelmässiges Fliegen in Europa für die breite Bevölkerung erschwinglich gemacht.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Als British Airways dem jungen Unternehmen wenig später mit einer eigenen Gesellschaft namens Go den Kampf ansagte, buchte Haji-Ioannou zehn Sitze für deren Jungfernflug. Dann kreuzten der damals 28-Jährige und ein paar Mitarbeiter in orangen Overalls dort auf und verteilten Gratisflüge für Easy Jet.Nicht lustig fand es der Unternehmer hingegen, als die Konkurrentin Ryanair Inserate schaltete, auf denen er selber mit einer langen Pinocchio-Nase abgebildet war. Der Vorwurf: Easy Jet verheimliche die Wahrheit in Sachen (Un-)Pünktlichkeit. Der Ryanair-Chef Michael O’Leary, selber ein Meister des frechen Marketings, musste sich 2010 persönlich entschuldigen.Schweigen zum ÜbernahmeangebotIm Moment ist Easy Jet allerdings nicht wegen Werbeaktionen, sondern aufgrund eines Übernahmeangebots in den Schlagzeilen. Der Finanzinvestor Castlelake bietet 5,2 Milliarden Pfund für die seit 2000 börsenkotierte Fluggesellschaft. Doch ausgerechnet Haji-Ioannou, der sich in der Vergangenheit nicht zu schade war, das von ihm gegründete Unternehmen immer wieder öffentlich zu kritisieren, schweigt bis jetzt zu der Offerte.Er und weitere Familienmitglieder halten zusammen noch 15,3 Prozent an dem Unternehmen und sind damit die grössten Aktionäre. Das Angebot von Castlelake würde diesen Anteil mit 780 Millionen Pfund bewerten.Wie viel es braucht, damit sich «Sir Stelios» – er wurde 2006 von Queen Elizabeth II. für seine unternehmerischen Verdienste in den Ritterstand erhoben – ganz von seinem Lebenswerk trennt, ist unklar.Philippe FitteSicher ist, dass zu Beginn viel Herzblut in den Aufbau der Airline geflossen ist. Der junge Mann aus reichem Haus hatte Freddie Laker als Vorbild, den britischen Vorkämpfer für die Billigfluggesellschaften. Fliegen, fand Haji-Ioannou, sollte so einfach und so günstig sein wie Busfahren. Darum baute er seine Airline nicht am teuren, weitläufigen Londoner Flughafen Heathrow auf, sondern im überschaubaren, aber abgelegenen und darum zahlbaren Vorort Luton.Easy-AllerleiEbenso machte ihm der Unternehmer Richard Branson Eindruck. Dieser verwendete den Namen seines Musiklabels Virgin für andere Produkte und Dienstleistungen, darunter eine Airline.Ganz ähnlich dehnte Haji-Ioannou den Zusatz «Easy» auf alles Mögliche aus. Dabei beliess er es nicht nur bei Geschäften, die einen Bezugspunkt zum Reisen haben, wie zum Beispiel Hotels, Busse oder Kreuzfahrten. Seine Easy Group vergibt auch Lizenzen an Drittfirmen für Reinigungsmittel, Fitnessstudios, eine Bitcoin-App oder ein Wettbüro, um nur einen Bruchteil zu nennen. Die lange Liste (Stand 22. Juni 2026) umfasst 387 Marken.Für die juristische Durchsetzung dieser Markenrechte und die Bekämpfung von Missbräuchen hat der Unternehmer in den vergangenen Jahren viel Zeit und Energie aufgewendet. Nicht immer mit Erfolg – etwa als er sich vergeblich gegen die Verwendung des Claims «Rest easy» durch die Hotelgruppe Premier Inn wehrte.Entscheidend ist jedoch, dass Easy Jet seinem Gründer bis heute eine Lizenzgebühr für die Verwendung der Marke bezahlen muss. Deren Höhe haben die Airline und Haji-Ioannou 2010 nach einem Streit auf eine Höhe von 0,25 Prozent des jährlichen Umsatzes festgelegt. Die Vereinbarung wurde für fünfzig Jahre abgeschlossen. Ob und welche Auswirkungen die geplante Übernahme von Easy Jet durch Castlelake auf das Lizenzabkommen hätte, ist nicht bekannt.Entfremdung und KritikFür einen Ausstieg von Haji-Ioannou spräche die Tatsache, dass er sich schon länger von «seinem» Unternehmen entfremdet und schon Aktien verkauft hat. Der «Financial Times» sagte er einmal über Manager, diese seien «am Schluss oft reicher als am Anfang, auch wenn sie Wert für die Aktionäre zerstören». Es handelte sich um eine allgemeine Aussage, doch vermutlich hatte er dabei nicht zuletzt das Führungspersonal von Easy Jet im Kopf. Mit diesem hat er sich mehrfach angelegt.So kritisierte er beispielsweise eine Flugzeugbestellung bei Airbus als zu teuer, weil sie in seinen Augen auf zu optimistischen Annahmen beruhte. Einmal, als er noch im Verwaltungsrat sass, weigerte er sich, den Geschäftsbericht zu unterschreiben, weil er mit Bewertungen nicht einverstanden war.Mit dem Verkauf seiner Aktien an Castlelake wäre der 59-Jährige solchen Ärger los und hätte zudem einen grossen Betrag, mit dem er seine wohltätigen Stiftungen alimentieren könnte. Diese unterstützen etwa behinderte Unternehmer oder Organisationen, die Nahrungsmittel an Bedürftige verteilen.Der Finanzinvestor hat für Haji-Ioannou jedoch eine Hintertür offen gelassen. In der Medienmitteilung zum Übernahmeangebot heisst es, man wolle bestehenden Aktionären die Möglichkeit geben, gemeinsam mit Castlelake in Easy Jet investiert zu bleiben.Vorausgesetzt, die Übernahme kommt zustande und scheitert nicht an regulatorischen Hürden oder einer Gegenofferte, könnte der Gründer also weiterhin dem Airline-Management auf die Finger schauen.Passend zum Artikel
Beziehungsstatus: kompliziert. Der Easy-Jet-Gründer und die Billig-Airline haben sich auseinandergelebt
Stelios Haji-Ioannou hat das Fliegen für viele Menschen erschwinglich gemacht. Mit dem Übernahmeangebot eines Finanzinvestors stellt sich die Frage, ob er sich auch noch von seinen letzten Aktien an der Fluggesellschaft trennt.











