KI für Gesundheitsfragen: wieso die Schweizer gegenüber Dr. Chat-GPT so skeptisch sindFast die Hälfte der Schweizer scheut sich bei gesundheitlichen Problemen, KI zu konsultieren. Ein Mediziner findet aber, dass KI den Arztbesuch in vielen Fällen durchaus sinnvoll ergänzen könnte.08.07.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenNicht alle Ärzte nerven sich über Dr. Chat-GPT. Es gibt auch Mediziner, die es gut finden, wenn sich die Patienten zuerst mithilfe von KI informieren.Illustration Simon Tanner / NZZDr. Google war gestern, heute hat Dr. Chat-GPT das Sagen. Patienten tippen ihre Symptome in den Chatbot ein, füttern ihn mit MRI-Bildern und ärztlichen Befunden, fragen nach Nebenwirkungen von Medikamenten. Doch Schweizerinnen und Schweizer fremdeln noch ein bisschen mit künstlicher Intelligenz, wenn es um ihre Gesundheit geht. Im Vergleich zu anderen Europäern sind sie weniger offen dafür, Arzttermine durch KI-Beratungen zu ersetzen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die das Pharmaunternehmen Stada am Dienstag veröffentlicht hat. Das Unternehmen hat in 20 europäischen Ländern je 500 bis 2000 Personen im Alter von 18 bis 87 Jahren befragt.48 Prozent der befragten Schweizer gaben an, nicht offen für eine KI-Beratung zu sein. Zwar könnten sich 51 Prozent eine KI-Beratung anstelle eines Arztbesuchs vorstellen. Damit liegt die Schweiz aber unter dem europäischen Durchschnitt von 58 Prozent.Enge Bindung an den HausarztThomas Rosemann ist Direktor des Instituts für Hausarztmedizin an der Universität Zürich. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie künstliche Intelligenz die Beziehung zwischen dem Arzt und dem Patienten verändert. Die Ergebnisse der Studie passen zu den Entwicklungen, die er im Gesundheitswesen beobachtet.Thomas Rosemann.PDEr sagt: «Die Schweizer sind nicht etwa zu wenig technikaffin, sondern haben eine stärkere Bindung an den Hausarzt, als das in anderen Ländern der Fall ist.» In der Schweiz komme es oft vor, dass zum Beispiel der Spezialist einem Patienten zu einem Eingriff rate, der Patient aber zuerst Rücksprache mit dem Hausarzt nehmen wolle.Hierzulande gibt es immer noch viele kleine Praxen, in denen die Patienten immer die gleiche Ansprechperson haben. Das schafft Vertrauen. In anderen Ländern wie zum Beispiel England sind Arztpraxen stärker in Ketten organisiert mit ständig wechselndem medizinischem Personal.Die Studie zeigt aber auch, dass die Schweiz führend ist, wenn es um eigenverantwortliches Handeln in der Gesundheit geht. So gaben 28 Prozent der befragten Schweizer an, es vorzuziehen, sich bei kleineren Beschwerden selbst um die Gesundheit zu kümmern. In den anderen europäischen Ländern antworteten nur 19 Prozent der Befragten gleich.Nicht weniger, sondern mehr KIWenn die Schweizer KI für Gesundheitsfragen nutzen, dann, um Symptome einzuordnen, eine Diagnose besser zu verstehen oder sich auf einen Arztbesuch vorzubereiten.Rosemann findet das gut. Er empfiehlt Patienten sogar, sich vor einem Arztbesuch im Internet zu informieren. «Die Ergebnisse der Konsultation beim Arzt sind besser, wenn sich der Patient vorbereitet hat», sagt er. Bei medizinisch komplexen Fällen reiche eine Konsultation oftmals gar nicht aus, um alle Fragen zu klären.«Es ist viel besser, sich mit KI-Tools über gesundheitliche Themen zu informieren, als in irgendwelchen Foren, in denen jeder einfach alles sagen kann», sagt Rosemann. Um die bestmöglichen Antworten zu bekommen, fragten Patienten das KI-Tool am besten nach den klinischen Leitlinien. Diese werden «Guidelines Schweiz» genannt und sind auf der Website der FMH abrufbar. Danach richten sich auch Ärzte bei der Diagnose, der Behandlung und der Nachsorge.Auch MRI-Bilder oder ärztliche Befunde in einem KI-Tool hochzuladen, kann sinnvoll sein. «Der Radiologe erklärt oft nicht viel, sondern verrechnet nur die Bilder, der Orthopäde erklärt oft nur etwas, wenn der Patient operiert werden muss, und der Hausarzt hat meistens zu wenig Zeit», sagt Rosemann. KI-Tools könnten ärztliche Befunde mit komplizierten Begriffen innert weniger Sekunden einfach erklären. Allerdings müsse sich der Patient bewusst sein, dass die Tech-Firmen diese persönlichen medizinischen Daten auf ihren Servern speicherten. Dieses Risiko müsse jeder für sich selbst abwägen.12 Prozent der Befragten geben an, dass sie KI zur Unterstützung der mentalen Gesundheit konsultieren. Doch in diesem Bereich ist Vorsicht geboten. «Es kursieren im Internet viele unseriöse Coaches, Gesundbeter und Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, auf die möglicherweise auch Chat-GPT verweisen könnte», sagt Rosemann.Passend zum Artikel
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Fast die Hälfte der Schweizer scheut sich bei gesundheitlichen Problemen, KI zu konsultieren. Ein Mediziner findet aber, dass KI den Arztbesuch in vielen Fällen durchaus sinnvoll ergänzen könnte.











