Seilziehen ums WEF: Im Arbeitszimmer von Schwab wird ein Abhörgerät gefunden, und es gibt Drohungen mit neuen KlagenDer WEF-Gründer Klaus Schwab kämpft um sein Erbe, der Stiftungsrat ringt um die künftige Ausrichtung des Weltwirtschaftsforums.07.07.2026, 18.12 Uhr4 LeseminutenNicht mehr an der Spitze, aber nach wie vor um seine Mission besorgt: Klaus Schwab hat das Weltwirtschaftsforum gegründet und 55 Jahre lang geleitet.Denis Balibouse / ReutersEigentlich war es als Gespräch zur weiteren Aussöhnung gedacht. Vor rund zwei Wochen traf sich der schweizerische Co-Chairman des Weltwirtschaftsforums (WEF), André Hoffmann, mit dem im Frühling 2025 unschön abgesetzten Gründer und Stifter Klaus Schwab. Doch wenige Tage danach schrieb Schwab diesem, dass er sich über den Besuch zwar sehr gefreut habe. Er müsse ihm aber mitteilen, dass er sich im Interesse der Organisation und seiner Stiftung mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen werde, sollte der Stiftungsrat an der von ihm und einem Teil des Governing Board vorgeschlagenen Reform des Stiftungsrats festhalten.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Im Übrigen wolle er ihn auch darüber informieren, dass in seinem Büro eine Abhörwanze gefunden wurde. Er habe deswegen Anzeige gegen Unbekannt erheben wollen. Offenbar war die Wanze am Fernseher montiert gewesen.Prompt ist darauf Anfang dieser Woche im amerikanischen «Wall Street Journal» ein Artikel erschienen, der die von dem Medium bereits mehrfach erhobenen Vorwürfe gegen den Führungsstil Schwabs aufwärmt und diesem vorwirft, er wolle seine Rückkehr ins Forum erzwingen.Es geht um die Mission und die FührungHinter den seit dem erzwungenen Rücktritt von Schwab mit anonymen Vorwürfen und juristischen Drohungen geführten anhaltenden Auseinandersetzungen steht die ungeklärte Frage, wie es mit dem WEF weitergehen soll. Wie Schwab in einem Gastbeitrag in der NZZ kürzlich ausführte, sorgt sich der 88-Jährige um die Mission seines Lebenswerks. Er befürchtet, dass «sein» Forum in eine primär kommerziell orientierte internationale Konferenzplattform amerikanischer Prägung umgewandelt und von der neutralen Verankerung in der Schweiz gelöst werden könnte.Schwabs briefliche Intervention an Hoffmann richtete sich gegen den Vorschlag, die Entscheidbefugnisse des 28-köpfigen Stiftungsrats an ein vorwiegend mit Wirtschaftsvertretern besetztes Governing Board zu übertragen. Der Stiftungsrat wäre in ein primär beratendes Gremium verwandelt worden. Schwab sieht jedoch in der breiten Zusammensetzung des Stiftungsrats mit Vertretern von Wirtschaft, Politik, internationalen Organisationen und Kultur die Garantie, dass der Multistakeholder-Charakter des Forums erhalten bleibt und dieses sich der Verbesserung des Zustands der Welt widmet. An einer Sitzung vor gut einer Woche stellte sich eine Mehrheit der Stiftungsräte schliesslich gegen die vorgeschlagenen Veränderungen.Der WEF-Gründer wehrte sich zudem mit schriftlichen Interventionen bei der WEF-Geschäftsführung und der Stiftungsaufsicht gegen den vom gegenwärtigen Management neu lancierten Plan, auf dem Gelände der WEF-Zentrale am Genfersee für rund 70 Millionen ein weiteres Gebäude zu bauen, bevor richtig geklärt ist, was genau die Zukunft des WEF sein soll. Schwab sieht darin eine Verschwendung von Stiftungsmitteln.Schwab hat auch die schweizerische Stiftungsaufsicht um Klärung seiner Rechte als Gründer ersucht. Die Regularien der Stiftung sahen nämlich vor, dass Schwab, sollte er aus dem Stiftungsrat zurücktreten, an seiner Stelle eine Person benennen darf, welche bei der Regelung seiner Nachfolge mitreden kann.Laut der Aufsicht hat der Gründer einer Stiftung allerdings nur ein Mitwirkungsrecht bei berechtigtem Interesse an wesentlichen Änderungen, die den Stiftungszweck betreffen. Wer in der Schweiz Vermögen stiftet, verzichtet bewusst auf die Kontrolle darüber und gibt diese an die Organe der Stiftung ab.Umso wichtiger für die Zukunft des Forums ist deshalb, dass der Stiftungsrat bald klärt, wer künftig wie die Geschicke des WEF verantworten soll. Nach Schwab musste im Februar 2026 auch der WEF-Präsident und CEO Börge Brende wegen seiner Verbindungen zum amerikanischen Financier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein das WEF verlassen. Die gegenwärtigen Co-Chairmen werden noch für die Durchführung des nächsten Jahrestreffens verantwortlich zeichnen. Zumindest bei ihrem Amtsantritt sahen sie ihr Engagement noch als Übergangslösung.Am nächsten regulären Treffen im August dürfte der Stiftungsrat über die künftige Leitung und Organisation des WEF befinden. Dabei stellen sich mehrere Fragen: Wie zentral soll der Posten des Chairman künftig sein und wie amerikanisch oder europäisch die neue Führung? Wird sie bestimmen können, wer neuer CEO wird?Versöhnliche TöneDie frisch aufgewärmten Vorwürfe gegen Schwab und dessen Drohungen dürften letzte Gefechte in diesem Ringen sein. Nach wie vor gilt die gegenwärtige EZB-Präsidentin Christine Lagarde als Wunschnachfolgerin von Schwab. Dieser betont auf Nachfrage, dass es ihm nur um den Stiftungszweck gehe und er selber keine Rolle im WEF mehr spielen wolle, auch nicht als Berater. Die Vorwürfe gegen ihn seien untersucht und für haltlos befunden worden. Er wolle, dass eine gute Lösung gefunden werde, und werde sich bis zu den Entscheidungen im August nicht mehr äussern.Das WEF selber will keine Stellung nehmen und teilt mit, es fokussiere darauf, seine einmalige Plattform zur internationalen Zusammenarbeit zur Verfügung zu stellen – etwas, was in der heute zunehmend komplexen und vernetzten Welt wichtiger ist denn je.Tatsächlich wäre zu wünschen, dass sich der Stiftungsrat des WEF bald zu einem klaren Entscheid und einem Bekenntnis zu seiner schweizerischen Tradition durchringt. Die traditionellen internationalen Organisationen sind in den gegenwärtigen turbulenten geopolitischen Zeiten weitgehend politisch blockiert. Eine neutrale, nicht politisierte Plattform wie das WEF könnte in die Bresche springen und Spitzenvertretern von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eine Plattform zum Austausch und zur gemeinsamen Problemlösung bieten. Dazu braucht es aber eine international als unparteiisch akzeptierte, erfahrene Führung, die sich ganz dieser Aufgabe verschreibt.Passend zum Artikel