Der Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage gibt seinen Parlamentssitz auf – um gleich wieder zur Nachwahl anzutretenEin nicht deklariertes Millionengeschenk brachte den Chef der britischen Rechtspartei Reform UK in Bedrängnis. Nun geht er in die Offensive – und startet ein riskantes Manöver.07.07.2026, 18.42 Uhr3 LeseminutenNigel Farage legt das Statement ab, dass er als Parlamentarier zurücktritt.Dan Kitwood / GettyEs war eine kryptische Ankündigung, die Nigel Farage am Dienstagmittag auf X veröffentlichte: Er werde um 14 Uhr (Ortszeit) eine Erklärung zu seiner Zukunft im öffentlichen Leben abgeben, schrieb der nationalistische Politiker und Chef der Partei Reform UK. Sofort wucherten wilde Spekulationen: Würde Farage als Parteivorsitzender abtreten, weil der Druck auf ihn zu gross geworden war? Jüngst hatten mehrere britische Medien über mutmasslich unlautere Spenden berichtet, ebenso über nicht deklarierte Immobilien.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Jedenfalls war Farage maximale Aufmerksamkeit gewiss, als er vor die Kamera trat, alle britischen Medien übertrugen den Auftritt live. Tatsächlich verkündete er einen Rücktritt – allerdings «nur» von seinem Parlamentssitz, den er seit 2024 innehat. Bei der nun fälligen Nachwahl im Wahlkreis Clacton in Südostengland werde er indes gleich wieder antreten, verkündete Farage. Denn er habe nichts falsch gemacht.«Ich habe beschlossen, dass die Einwohner von Clacton über mein Handeln urteilen sollen», sagte er. «Dies wird eine Nachwahl sein, bei der das Volk gegen das Establishment antritt.» Offensichtlich setzt der derzeit erfolgreichste Politiker Grossbritanniens darauf, mit diesem Manöver nicht nur erneut ins Parlament einzuziehen, sondern auch dem ganzen Land zu zeigen, dass die Briten trotz allen Anschuldigungen doch hinter ihm stehen.Mehrere Vorwürfe gegen Farage«Ich war in meinem Leben nie wütender», sagte Farage und wirkte dabei tatsächlich wütend. Er sprach von einer medialen Kampagne gegen sich und seine Familie, davon, dass kein anderer Politiker so bedroht werde wie er. Dass eine Zeitung vergangene Woche ein Bild des Wohnorts seiner Tochter veröffentlicht habe, sei ausschlaggebend gewesen für seinen Entscheid. Damit hätten die Journalisten die Sicherheit seiner Familie aufs Spiel gesetzt, sagte Farage.In dem erwähnten Artikel der Zeitung «The Times» wird behauptet, dass Farage und seine Partnerin in den letzten zehn Jahren Immobilien im Wert von umgerechnet mehr als vier Millionen Franken erworben hätten, die er zum Teil nicht korrekt deklariert habe. Farage bestreitet dies. Es sind allerdings nicht die einzigen Vorwürfe, die in jüngerer Vergangenheit gegen den Politiker erhoben wurden.So hatte die «Sunday Times» am Wochenende berichtet, dass Farage angeblich finanzielle Zuwendungen seines langjährigen Weggefährten George Cottrell nicht ordnungsgemäss offengelegt habe. Cottrell, der vor einigen Jahren wegen Betrugs im Gefängnis sass, habe Sicherheitspersonal und Social-Media-Experten für Farage finanziert.Schon im Mai war bekanntgeworden, dass Farage vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2025 vom Krypto-Milliardär Christopher Harborne ein Geldgeschenk von umgerechnet 5,4 Millionen Franken erhalten und dieses nicht deklariert hatte. In der Folge leitete der Beauftragte für parlamentarische Standards eine Untersuchung ein. Abgeordnete müssen ihre Nebeneinkünfte und Spenden, die sie bis zu ein Jahr vor ihrer Wahl erhalten haben, offenlegen. Farage jedoch sagt, es habe sich um ein rein persönliches Geschenk gehandelt. Dank Harbornes Zuwendung müsse er sich nie mehr Sorgen darum machen, ob er seine Sicherheitskräfte bezahlen könne, sagte Farage am Dienstag.Wiederwahl nicht sicherMit seinem Rücktritt kommt Farage nun dem Ausgang der Untersuchung zuvor. Er hat gute Chancen, dass seine Rechnung aufgeht: 2024 hatte er seinen Sitz in Clacton mit 46 Prozent der Stimmen gewonnen. Zudem führt seine Partei Reform UK alle nationalen Umfragen an. Dennoch birgt das Manöver Risiken: So ist mit dem Rücktritt von Keir Starmer in Grossbritannien politisch viel in Bewegung geraten. Der Ausgang einer Wahl lässt sich nie mit absoluter Sicherheit voraussagen. Bevor Farage 2024 in Clacton gewann, hatte er schon sieben Mal erfolglos in diesem Wahlkreis kandidiert.Und: Wenn Nigel Farage die Nachwahl gewinnt, wird die Untersuchung gegen ihn wieder aufgenommen. Sollte diese ein Fehlverhalten feststellen, könnte das theoretisch erneut eine Nachwahl auslösen.Passend zum Artikel
Nigel Farage tritt zurück – und kandidiert direkt wieder
Ein nicht deklariertes Millionengeschenk brachte den Chef der britischen Rechtspartei Reform UK in Bedrängnis. Nun geht er in die Offensive – und startet ein riskantes Manöver.










