Deutschland kann es doch! Diese Aussage trifft bestimmt nicht auf die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nach deren kläglichem Scheitern in der noch laufenden Weltmeisterschaft zu. Zweifel wären auch angebracht, wenn damit die Position der seit einiger Zeit schwächelnden Autoindustrie gemeint wäre. Doch es gibt Hoffnungswerte, wenn es um junge Start-ups in technologisch spannenden Gebieten geht. Nun hat das Münchner Kernfusions-Start-up Proxima Fusion mit 411 Millionen Euro eine Rekordfinanzierungsrunde für Unternehmen aus dieser Zukunftstechnologie abgeschlossen.In der vergangenen Woche sorgte der Drohnenhersteller Quantum Systems mit Zusagen für frisches Kapital in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar für Aufsehen. Wenige Wochen zuvor erhielt der Robotikspezialist Neura sogar 1,4 Milliarden Dollar. Diese Finanzierungsrunden sind eine gute Nachricht für den Standort Deutschland, denn junge Technologieunternehmen mit enormem Wachstumspotential können hierzulande ausreichend Kapital aufnehmen.Das ist gerade für die Forschung zur Kernfusion wichtig, weil deutsche Wissenschaftler in der Welt eine Führungsrolle einnehmen. Das Feld darf nicht den Vereinigten Staaten oder China, die Milliardensummen in die Kernfusion investieren, überlassen werden. Das Münchner Start-up Proxima Fusion darf sich nun über eine Bewertung von 2,4 Milliarden Euro freuen, womit es das am höchsten bewertete Kernfusions-Start-up in Europa ist. Erst recht, weil ein anderes in diesem Bereich tätiges Unternehmen ebenfalls auf eine erfolgreiche Finanzierungsrunde vor wenigen Wochen zurückblicken kann. Focused Energy aus Darmstadt erhielt 240 Millionen Dollar.In der Kernfusion sind die Finanzierungen ein Vertrauensvorschuss für die Start-ups. Denn es wird noch dauern, bis das erste kommerzielle Fusionskraftwerk an den Start gehen kann. Fachleute rechnen erst ab dem Jahr 2040 damit. Die aus der Kernfusion gewonnene Energie gilt als sehr günstig und wirft deutlich weniger radioaktiven Müll ab als die herkömmliche, über Kernspaltung gewonnene Atomenergie. Doch handelt es sich um eine sehr anspruchsvolle Technologie, in die bislang mehr Energie gesteckt werden muss, als daraus gewonnen werden kann.Trotzdem muss Deutschland in diesem Wettrennen dabei sein, weil die Kernfusion auch die Souveränität deutlich stärken kann. Deutschland kann mit ihr in der Energieversorgung unabhängig werden.