Die Produktion im produzierenden Gewerbe ist im Mai um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen, nach einem Plus von 0,2 Prozent im April. Damit vergrößern sich die Chancen, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal trotz des drastischen Anstiegs der Energiepreise nicht geschrumpft ist. „Die gut gefüllten Auftragsbücher und die zuletzt niedrigeren Ölpreise versprechen weiteren Rückenwind für die Industriekonjunktur“, kommentierte Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research.Entscheidend für den Zuwachs im Mai waren nach Angaben des Statistischen Bundesamts der Zuwachs der Automobilproduktion um 3,6 Prozent gegenüber April und das Plus von 0,9 Prozent im Baugewerbe. Die Industrieproduktion im engeren Sinne stieg um 0,8 Prozent, liegt damit aber immer noch ein Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dagegen verzeichnet das Baugewerbe im Vorjahresvergleich mittlerweile ein Plus von 3,5 Prozent. Die Energieerzeugung lag zwei Prozent höher als vor einem Jahr, gegenüber dem April betrug das Plus 0,8 Prozent.Eine breit angelegte Belegung der Industriekonjunktur sei derzeit noch nicht absehbar, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium zurückhaltend. Die Industrieproduktion habe zuletzt etwas Tritt gefasst, sei aber weiter durch sektorale Unterschiede und starke Schwankungen geprägt. Auch wenn der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder angelaufen sei, bleibe die Unsicherheit bezüglich einer Normalisierung der Handelsaktivitäten hoch.Industrie verkraftet Irankrieg besser als befürchtetSchon am Dienstag hatten neue Daten zum Auftragseingang aufhorchen lassen. Danach hat das deutsche verarbeitende Gewerbe den Irankrieg besser verkraftet als anfänglich befürchtet. Im Mai legte der Index der Bestellungen nach Angaben des Statistischen Bundesamts gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent zu. Maßgeblich waren wieder Großaufträge. Doch auch ohne diese gerechnet, betrug das Plus ein Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach von einer Stabilisierung der Auftragslage zur Mitte des zweiten Quartals.Bankvolkswirte verwiesen darauf, dass sich die moderate Aufwärtstendenz, die im Herbst vergangenen Jahres begonnen hatte und zur Jahreswende unterbrochen worden war, wieder fortzusetzen scheine. „Ganz langsam kehrt das Leben bei den Auftragseingängen zurück“, kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. In den Statistiken ist das deutlich sichtbar, wenn man auf die Auftragsentwicklung ohne Großaufträge blickt. Dann zeigt sich in den Aufträgen eine moderate Aufwärtstendenz, die vor allem in den Auslandsaufträgen zuletzt an Schwung gewonnen hat.Dazu trägt bei, dass viele Unternehmen mit Beginn des Irankriegs versucht haben, ihre Lager vor befürchteten Lieferengpässen und Preissteigerungen noch schnell mit Vorprodukten zu füllen. Die deutsche Industrie scheine mit nur wenig mehr als einem blauen Auge davongekommen zu sein, sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Bank. Er betonte aber wie auch Krämer, dass die Entwicklung sehr moderat verlaufe und nicht auf einen kräftigen Aufschwung hindeute.Im Mai stieg die Auslandsnachfrage mit 2,2 Prozent stärker als die Inlandsnachfrage mit 1,3 Prozent. Besonders viele Bestellungen kamen mit 11,2 Prozent aus dem Euroraum.Getrieben wohl auch von militärischen Großaufträgen, aber ebenso von ausländischen Aufträgen, meldeten die Unternehmen des sonstigen Fahrzeugbaus gegenüber dem Vormonat ein Auftragsplus von 85 Prozent. In für Deutschland wichtigen Branchen gab es deutliche Zuwächse wie in der Herstellung elektrischer Ausrüstung um 5,7 Prozent, im Maschinenbau um 3,7 Prozent und in der Metallerzeugung um 3,4 Prozent. Dagegen verzeichnete die Automobilbranche ein Minus von 3,8 Prozent und die Hersteller von Daten-, elektrischen und optischen Geräten ein Minus von 7,8 Prozent.