Lichtblick für die angeschlagene deutsche Industrie: Sie hat im Mai trotz der Belastungen durch den Irankrieg mehr Aufträge bekommen und damit den zuvor erlittenen Rückgang teilweise wettgemacht. Das Neugeschäft wuchs um 1,9 Prozent im Vergleich zum April, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Großaufträge aus dem Rüstungsbereich trugen dazu bei, während die Autoindustrie schwächelte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet, nach einem Rückgang von revidiert 3,2 (bisher: -3,8) Prozent im April.„Ganz langsam kehrt das Leben bei den Auftragseingängen zurück“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Entwicklung. Allerdings sei in den kommenden Monaten nicht mit einer starken Erholung zu rechnen – auch weil der Irankonflikt noch immer eine Quelle der Unsicherheit darstelle. So litten die deutschen Unternehmen weiter unter einer Erosion der Standortqualität. „Das Reformpaket der Bundesregierung hat zwar in einzelnen Punkten Fortschritte gebracht, aber keinen Durchbruch in der Breite“, sagte Krämer.
„Autobau muss sich gesundschrumpfen“Die Erholung im Mai ist wesentlich auf den deutlichen Anstieg im sonstigen Fahrzeugbau zurückzuführen, wozu Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge gehören. Hier lagen die Bestellungen aufgrund mehrerer Großaufträge um 85,0 Prozent höher als im Vormonat. Der Staat investierte Milliarden in Infrastruktur und Aufrüstung. Zuwächse gab es auch im Maschinenbau (+3,7 Prozent) und im Bereich Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (+5,7 Prozent). Die Automobilindustrie (-3,8 Prozent) und die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (-7,8 Prozent) meldeten dagegen eine sinkende Nachfrage. „Der Automobilbau muss sich gesundschrumpfen, worunter viele nachgelagerte Industrien leiden“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.










