Ein Abend zum Weinen: Mit dem WM-Aus geht auch die Ära Ronaldo zu EndeBis zuletzt prägte Cristiano Ronaldo die portugiesische Nationalelf. Mit 41 Jahren muss er unter Tränen die grösste Bühne des Fussballs verlassen. Auch für den ihm treu ergebenen Trainer Martínez ist Schluss.Florian Haupt, Barcelona07.07.2026, 02.38 Uhr4 LeseminutenCristiano Ronaldo hatte es im Spiel gegen Spanien nicht leicht. Es war sein letztes an einer Weltmeisterschaft.Julio Cortez / APDas war es wohl, diesmal wirklich. Cristiano Ronaldo, 41, wollte vor und nach dem Match gegen Spanien eine Aussage seiner Schwester Katia noch nicht bestätigen, wonach er aus der Nationalelf abtritt. Aber zumindest bei Weltmeisterschaften wird man ihn nicht mehr sehen, das räumte er ein. Bestimmt wird es, so er mag, noch ein paar Abschiedsspiele geben. Verdient hätte er sie allemal; so zäh die letzten Jahre auch gewesen sein mögen, als Kritiker in ihm eher eine Belastung denn eine Bereicherung für die portugiesische Nationalelf sahen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Irgendwann musste es vorbei sein, und dann doch vielleicht am besten so: gegen seine langjährige Wahlheimat Spanien, wo er auch seine Freundin Georgina kennenlernte. Und mit einer Leistung, die zu seinen besseren bei diesem Turnier gehörte. Ronaldo wirkte etwas mobiler und partizipativer als über weite Strecken der vorherigen Partien, er fiel nicht sonderlich ab in einer Elf, die diesen Achtelfinal bis in die erste Minute der Nachspielzeit offenhielt.Erst dann traf der eingewechselte Mikel Merino auf vorzügliches Zuspiel des ebenfalls eingewechselten Ferran Torres zu Spaniens 1:0-Sieg. Merino war schon vor zwei Jahren der Jokerheld der Spanier gewesen, damals traf er in der 119. Minute des EM-Viertelfinales gegen Deutschland per Kopf. Nun vollstreckte er aus etwa zehn Meter mit dem linken Fuss flach ins linke Toreck.Als dann bald der Schlusspfiff ertönte, bemühte sich Ronaldo sichtlich um Haltung. Natürlich kreisten die Kameras vor allem um ihn. Aufrecht stand er da, wie zur Säule erstarrt, wie abwesend nahm er Umarmungen entgegen, etwa von Lamine Yamal, dem jungen Star der Spanier, der mit 18 Jahren nicht viel älter ist als Ronaldos erster Sohn. Als «Legend» und «Future» hatte ein Fanplakat beide miteinander vereint. Nun bekam die Legende bei ihrem Gruss ins Publikum noch einmal Ovationen. Es war der Moment, als sich seine Körperspannung löste und die Tränen aus ihm herausbrachen.Sechs Teilnahmen, 27 Spiele, und elf Tore, darunter vier Elfmeter, bleiben für ihn in den WM-Annalen. Sowie als bestes Abschneiden ein Halbfinale 2006. Damals, bei seiner ersten Teilnahme, war er das Küken in einem Team mit erprobten Stars wie Luís Figo, Deco oder Maniche. Später fehlte ihm dann bisweilen ähnlich hochkarätige Begleitung. Und als Portugal dank frischen Talents 2022 und 2026 sogar zu den Mitfavoriten zählte, hatte seine Dynamik längst nachgelassen.Auch während der Partie in Dallas am Montag liess sich schon diskutieren, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, den 41-jährigen irgendwann zugunsten einer frischeren Kraft aus dem Match zu nehmen. Gonçalo Ramos, Joker vom Dienst und Schütze des Siegtors beim dramatischen 2:1 gegen Kroatien in der Runde zuvor, spielte im Achtelfinal keine Minute.«Ich bin nicht mehr der Spieler von früher»: Was die Szene während des Turniers immer offener geraunt hatte, räumte Ronaldo am Vorabend seines letzten WM-Matches schliesslich auch selbst ein. Er sei aber auch «nicht so schlecht», wie es manche darstellen würde, fügte er hinzu. «Ich gehe ruhigen Gewissens, ich habe alles für den Fussball gegeben». Nach dem Ausscheiden fügte er hinzu: «Ich habe jetzt Zeit nachzudenken und mit meiner Familie zu entscheiden.»Als sicher gilt, dass er bei seinem saudischen Klub Al-Nassr noch seinen Vertrag bis 2027 erfüllen und so die Marke von 1000 Karrieretoren erreichen will. 24 fehlen ihm noch.An dieser WM erzielte er drei Treffer, nachdem ihn der Weltverband Fifa von Turnierbeginn an spielberechtigt erklärte, indem eine Rotsperre aus der Qualifikation zur Bewährung ausgesetzt wurde. Schon im zweiten Match gegen Usbekistan konnte Ronaldo so sein persönliches Ziel erreichen, auch bei der sechsten Endrunde mindestens ein Tor zu erzielen. Zuletzt verwandelte er gegen Kroatien einen Elfmeter, nun scheiterte er wie schon 2010 im Achtelfinale an Spanien.Insgesamt vermochte er die WM nie so zu prägen wie die Champions League oder bisweilen die Europameisterschaft – dort feierte er 2016 den grössten Erfolg Portugals, als er im Finale zwar früh aus dem Spiel getreten wurde, danach aber als improvisierter Assistenztrainer viele Herzen und den Pokal gewann. Hinzu kamen zwei Nations Leagues, 2019 und 2025, und Ronaldo wäre nicht Ronaldo, hätte er zum Ende nicht schon noch mal betont: «Vor Cristiano hatte Portugal keine Titel».Mit Ronaldo geht auch sein nibelungentreuer Auswahltrainer. Der Spanier Roberto Martínez muss seinen Posten räumen, wie er nach Spielschluss bestätigte: «Das war mein letztes Spiel». Nachfolger soll nach Medieninformationen der bereits 71-jährige Jorge Jesus werden, ein Haudegen mit Erfahrung bei den Lissabonner Grossklubs Benfica und Sporting – der zuletzt Ronaldo bei Al-Nassr trainierte.Martínez hat viele Beobachter enttäuscht. Als er nach der WM 2022 von Fernando Santos übernahm, rechnete man mit frischem Wind und einer weniger dominanten Rolle von Ronaldo. Doch der Spanier hielt in bisweilen grotesk anmutender Loyalität an seinem Altmeister fest. Mit 441 Minuten war ein 41-Jähriger in einem Ensemble voller Weltklasseprofis an dieser WM der Feldspieler mit der zweitmeisten Einsatzzeit. Derweil das hoch gelobte Portugal spielerisch enttäuschte.Nun verlässt der berühmteste Sohn des Landes die grosse Bühne, und die Sportzeitung «A Bola» fühlt sich ob der Tragweite dieses Abschieds an den Lyriker Fernando Pessoa erinnert. «Oh salziges Meer, wie viel deines Salzes sind Tränen von Portugal?” schrieb der in seinem Gedicht „Mar Português» über die Opfer der Entdecker- und Seefahrernation. Nach dem späten Gegentor in der Nachspielzeit von Dallas fragte das Blatt: «Wie viele deiner Tränen, Cris, sind Tränen von Portugal?»Passend zum Artikel
«Ich habe alles gegeben» – Ronaldo verlässt die Nationalelf mit Tränen
Bis zuletzt prägte Cristiano Ronaldo die portugiesische Nationalelf. Mit 41 Jahren muss er unter Tränen die grösste Bühne des Fussballs verlassen. Auch für den ihm treu ergebenen Trainer Martínez ist Schluss.











