Wer mit Aktien oder ETF fürs Alter vorsorgt, zahlt beim Verkauf 25 Prozent Kapitalertragsteuer. Wer das mit Bitcoin tut, der zahlt keine Steuern, jedenfalls nicht, wenn er oder sie die Kryptowährung ein Jahr oder länger hält, gleiches gilt für Gold, Kunst oder Oldtimer. Doch zumindest für Kryptowährungen will der Finanzminister das nun ändern. Einige sehen in einer Änderung dieses Details des deutschen Steuerrechts eine Gerechtigkeitsfrage. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) dürfte angesichts der Haushaltslage eher auf der Suche nach neuen Einnahmen sein.Die Idee geistert bereits länger durch die Politik, zuletzt war sie im Mai aufgetaucht und hatte eine ganze Branche aufgeschreckt. Wer damals recherchierte, der hörte schnell, dass diese Klingbeil-Idee sich vermutlich nicht durchsetzen würde, die Union sei strikt dagegen. Ein Restrisiko gebe es aber immer, bei einem politischen Kuhhandel zwischen SPD und Union könne eine Kryptosteuer schnell zur Verhandlungsmasse werden. Und so könnte es jetzt kommen.Im Mai sickerte durch, dass die Regierung mit bis zu zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen rechnet, die Grünen hatten für einen eigenen Reformvorschlag gar mit über zehn Milliarden gerechnet. Klingbeil sagt inzwischen, dass Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung und die Kryptobesteuerung zusammen zwei Milliarden bringen sollen. Wo die Zahl herkommt, ist allerdings immer noch unklar.Österreich macht vor, wie man sich bei erhofften Einnahmen überschätzen kannBei allen Berechnungen ist das mahnende Beispiel nicht weit entfernt, nur rund 600 Kilometer von Berlin: Österreich hatte vor rund zwei Jahren die eigene Kryptobesteuerungssystematik geändert und sammelt nur 27,5 Prozent von Gewinnen auf Kryptovermögen ein, unabhängig von der Haltedauer. Davon versprach sich das Land rund 300 Millionen Euro an Mehreinnahmen, es wurden schließlich aber nur 34.Es ist auch nicht so, dass Deutschland keine Einnahmen aus Kryptogewinnen hat. Eine Studie der Steuerplattform Blockpit kam 2025 zu dem Ergebnis, dass im Kryptoboomjahr 2024 rund 17 Milliarden an Kryptogewinnen unterjährig verkauft und, wie bislang üblich, mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert wurden. Der liegt bei vielen Kryptoinvestoren deutlich höher als 25 Prozent. Diese Einnahmen würden also durch eine Reform der deutschen Kryptobesteuerung sinken. Das setze völlig falsche Anreize, findet Sebastian Becker. Er ist Geschäftsführer des Blockchain-Bundesverbands und sieht sich eher als Lobbyist für die technologische Seite von Kryptowährungen. Die Steuerreform sei nicht gut durchdacht. „Ich finde es absurd, dass Day-Trading steuerlich besser gestellt wird als bisher, während man sich zu Recht über zu viel Volatilität beklagt“, so Becker. Bestraft würden dagegen die Langfristsparer, also etwa, wer Bitcoin hält, um für die Rente zu sparen. Auch Becker hält die Zahlen, mit denen das Ministerium die Reform motiviert, für überzogen. Nach einem schlechten Jahr würden etwa viele Bitcoin-Investoren eher auf Verlusten sitzen.Becker, befürchtet, dass die Experten im Ministerium die Reform möglicherweise bisher nicht ganz zu Ende gedacht haben. „Der Staat ist da einfach häufig nicht wissend genug, um zu spüren, wohin die Reise in diesen Zukunftsbranchen geht. Als ich Abitur gemacht habe, kam der Staat auf die glorreiche Idee, Informatik mit einem NC von 1,7 zu versehen, weil man Mitte der 90er eine Informatiker-Schwemme gefürchtet hat.“ Eine Steuerreform bei Krypto könnte nun eine junge Zukunftsindustrie in Deutschland nachhaltig schädigen, so Becker.Spannend dürfte es bei den Verlusttöpfen werdenÄhnlich sieht das auch Ulli Spankowski, der bei der Börse Stuttgart fürs Digitalgeschäft und damit für die größte deutsche Kryptotradingplattform Bison zuständig ist. Gerade ist die Mica-Richtlinie der EU wirksam geworden. Deutschland ist mit 56 Lizenzen europaweit Spitzenreiter bei Kryptoverwahrlizenzen und damit in einer guten Position. Spankowski fürchtet, dass sich das durch eine solche Steuerreform ändern könnte. „Wir haben in Deutschland jetzt mal einen gewissen Standortvorteil, deshalb kommen auch andere hierher und gehen nicht nach Malta. Das finde ich schade, da lässt man sich glaube ich was durch die Lappen gehen, mit dieser Steuerthematik“, meint Spankowski.Zu wenig bedacht werde aus seiner Sicht auch, was eine solche Reform Banken, Finanzdienstleister und Kryptoplattformen wie Bison an Investitionen kosten würde: „Diese Systeme müssen erst noch gebaut werden, das ist nicht wie im Aktien oder Wertpapierbereich, wo es verschiedene Anbieter gibt, von denen du eben einen anschließt.“Spannend könnte es auch bei den noch ungeklärten Details der Kryptosteuerreform werden. So ist bisher nicht klar, ob und welche Art Bestandschutz es für bestehende Kryptoinvestitionen geben soll. Auch die Neuregelung der Verlusttöpfe birgt zumindest für Nerds einiges an Aufregerpotenzial.So können Verluste aus Kryptohandel derzeit mit Gewinnen aus dem Handel mit anderen Gütern aus § 23 Einkommensteuergesetz verrechnet werden, also Gold, Oldtimer und Kunst. Wenn das Ministerium nun Kryptowährungen zu § 20 also zu Kapitalanlagen wie Aktien verschiebt, dann ließen sich Kryptowährungsverluste mit ETF-Gewinnen verrechnen und umgekehrt. Das würde den immer noch geltenden Sondertopf für Aktiengewinne völlig absurd erscheinen lassen. Schafft die Regierung stattdessen einen weiteren Sondertopf für Krypto, dann könnte die Regelung im Herbst schon wieder veraltet sein. Dann nämlich will das Bundesverfassungsgericht entscheiden, ob die Logik der Verlusttöpfe insgesamt rechtens ist oder nicht.
Bitcoin und Co.: Steuervorteil für Kryptowährungen in Deutschland soll wegfallen
Finanzminister Lars Klingbeil will Steuervorteile für Kryptowährungen abschaffen, um Einnahmen zu erhöhen.











