PfadnavigationHomeSportFußballWMAnruf aus dem Weißen HausGeht es nach Trump, dürfte Balogun gar kein Amerikaner seinVon Benjamin ScherpStand: 15:38 UhrLesedauer: 4 Minuten„The Athletic“, der Nachrichtensender CNN und die Nachrichtenagentur AP berichten, dass Trump persönlich bei der Fifa angerufen habe, um Verbandsboss Gianni Infantino zu bitten, die Rote Karte gegen Balogun zu überprüfen. WELT-Reporter Christian Beilfuß berichtet aus New York.Donald Trump greift bei der Fußball-WM ein, um das US-Team zu bevorteilen. Die Rote Karte von Stürmer Balogun wird aufgehoben. Die Ironie an der Geschichte: Menschen wie Balogun will Trump die Staatsbürgerschaft verweigern.US-Präsident Donald Trump telefonierte nach der Roten Karte des US-Stürmers Folarin Balogun gegen Bosnien-Herzegowina mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Vertreter des Weißen Hauses unterstützten die Bemühungen des US-Fußballverbandes, Baloguns Sperre noch rechtzeitig für die K.-o.-Phase aufheben zu lassen. Mit Erfolg, er darf laut Fifa im Achtelfinale gegen Belgien spielen. Ein Vorgang, der weltweit für Protest und Aufregung sorgt.Bemerkenswert ist der Fall aber auch, weil Baloguns amerikanische Staatsbürgerschaft auf genau der Regel beruht, die Trump seit Jahren politisch abschaffen möchte: dem Geburtsortsprinzip. Er dürfte nach dem Willen des Präsidenten gar kein Amerikaner sein und somit auch nicht für die USA spielen.Die Geschichte beginnt nicht auf einem Fußballplatz, sondern auf einem Flughafen. Anfang des Sommers 2001 besuchte Baloguns hochschwangere Mutter ihre Schwester in New York. Die Familie lebte damals in London. Geplant war lediglich ein kurzer Aufenthalt, anschließend sollte es zurück nach England gehen, wo das Kind geboren werden sollte. Doch daraus wurde nichts. Die Fluggesellschaft verweigerte der Mutter wegen der fortgeschrittenen Schwangerschaft den Rückflug. Sie musste in New York bleiben. Am 3. Juli 2001 kam Folarin Balogun schließlich in Brooklyn zur Welt. Nur wenige Wochen später kehrte die Familie nach London zurück. Dass er heute das Trikot der Vereinigten Staaten trägt, geht letztlich nur auf jene verweigerte Bordkarte zurück. Denn mit seiner Geburt in Brooklyn erhielt Balogun automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft.Trump möchte Geburtsortsprinzip abschaffenDer 14. Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verankert seit 1868 nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg das sogenannte „Birthright Citizenship“. Ziel war es, den ehemals versklavten Afroamerikanern dauerhaft die volle US-Bürgerschaft und den Schutz der Grundrechte zu garantieren. Damit hob man das rassistische Dred-Scott-Urteil von 1857 auf und verhinderte gleichzeitig, dass die ehemaligen Südstaaten die rechtliche Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung durch eigene Gesetze blockieren konnten. Wer grundsätzlich auf amerikanischem Staatsgebiet geboren wird, erhält damit automatisch die Staatsangehörigkeit der Vereinigten Staaten.Lesen Sie auchDie Abschaffung genau dieses Geburtsortsprinzips gehört seit Jahren zu den politischen Zielen Donald Trumps. Bereits während seiner ersten Amtszeit kündigte der Republikaner mehrfach an, die automatische Staatsbürgerschaft per Executive Order einschränken zu wollen. Nach seinen Vorstellungen sollte die Geburt auf amerikanischem Boden künftig allein nicht mehr genügen. Mindestens ein Elternteil sollte amerikanischer Staatsbürger oder Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung, einer Green Card, sein. Erst vor wenigen Tagen erklärte der Supreme Court den entsprechenden Erlass für verfassungswidrig.Wäre Trumps Vorstellung bereits 2001 geltendes Recht gewesen, hätte Balogun die amerikanische Staatsbürgerschaft wohl nie erhalten. Seine Eltern waren weder US-Staatsbürger noch Green-Card-Inhaber. Balogun wuchs in England auf und erhielt seine komplette fußballerische Ausbildung beim FC Arsenal. Er spielte für sämtliche englischen Nachwuchsnationalmannschaften bis zur U21. Lange sprach wenig dafür, dass Balogun jemals für die Vereinigten Staaten auflaufen würde. Erst als der Konkurrenzkampf bei den Three Lions immer größer wurde, begann der amerikanische Verband intensiv, um den Arsenal-Stürmer zu werben. Balogun wollte zunächst für England spielenLaut BBC hätten die USA über Monate sämtliche Register gezogen: Einladungen zu Baseballspielen gehörten ebenso dazu wie gemeinsame Abendessen mit Nationalspielern, die Balogun von einem Verbandswechsel überzeugen sollten. Die WM 2026 spielte in diesen Gesprächen eine zentrale Rolle. Im Mai 2023 entschied sich Balogun schließlich für die USA. Wenig später genehmigte die Fifa den Verbandswechsel, im Juni absolvierte Balogun sein erstes Länderspiel für die USA. „Wir haben als Familie entschieden, dass die USA der richtige Weg für mich sind. Es ist das Land, in dem ich geboren wurde – und hier fühle ich mich zu Hause“, erklärte der Stürmer damals.Balogun ist damit kein Einzelfall. Rund ein Viertel aller Spieler dieser Weltmeisterschaft wurde nicht in dem Land geboren, dessen Nationaltrikot sie heute trägt. Die Nachrichtenagentur AP beschrieb dieses Phänomen als Folge einer globalisierten Fußballwelt. Viele Nationalspieler mit mehreren Staatsangehörigkeiten entschieden sich entweder aus familiären Gründen oder aufgrund ihrer sportlichen Perspektiven für einen Verbandswechsel.