Die Fifa hebt eine Spielsperre gegen den besten US-Stürmer auf – Donald Trump lobt den EntscheidFolarin Balogun erhielt im Sechzehntelfinal die Rote Karte und folglich eine Sperre, trotzdem ist er nun spielberechtigt. Es ist nicht die erste seltsame Regelauslegung an dieser WM – Kritiker wittern Wettbewerbsverzerrung.06.07.2026, 06.45 Uhr4 LeseminutenFolarin Balogun trottet nach seinem Platzverweis gegen Bosnien-Herzegowina frustriert vom Platz – aber im Achtelfinal gegen Belgien kann der Amerikaner wieder spielen.Jeff Chiu / APDonald Trump hielt sich an dieser Fussball-Weltmeisterschaft bisher zurück, er hat noch kein einziges WM-Spiel des amerikanischen Nationalteams im Stadion verfolgt. Vor dem Turnier hatten Kritiker vorhergesagt, der Präsident des Co-Gastgebers USA könnte die WM für seine Zwecke instrumentalisieren.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das ist bis anhin nicht geschehen. Aber nun rückt Trump doch in den Fokus dieses Fussballturniers. Und zwar in einem höchst skurrilen Fall, der zum Skandal taugt.Das amerikanische Nationalteam wird am Montag in Seattle seinen WM-Achtelfinal gegen Belgien absolvieren (17 Uhr Lokalzeit). Ohne Folarin Balogun, so dachte man. Denn der Stürmer war am Mittwoch im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) nach einem Foul des Feldes verwiesen und mit einer Spielsperre belegt worden.Doch am Sonntag teilte der Weltfussballverband (Fifa) plötzlich mit, er habe die Spielsperre gegen Balogun in eine Bewährungsstrafe umgewandelt; in Kraft tritt sie nur, sollte der 25-Jährige innert eines Jahres einen weiteren Regelverstoss «ähnlicher Art und Schwere» begehen. Was Mauricio Pochettino, den amerikanischen Nationaltrainer, gefreut haben dürfte. Schliesslich ist Balogun nicht nur eine wichtige Teamstütze, sondern mit drei Turniertoren bis anhin auch der beste Torschütze des US-Teams.Der belgische Verband reagierte entrüstet. In einer Erklärung schrieb er, man sei «erstaunt über die Entscheidung der Fifa», Balogun für spielberechtigt zu erklären. Der Verband hätte in direktem Widerspruch zu seinen eigenen Regeln gehandelt, weshalb Belgien «sämtliche Optionen prüfen» werde, um «die fundamentalen Fairplay-Prinzipien in unserem Sport sicherzustellen».Die Fifa wandelt die Sperre in eine Bewährungsstrafe umLaut Artikel 27 der Disziplinar-Regeln darf die Fifa eine Rot-Sperre auf Bewährung aussetzen. Nur: Mitspielen trotz Sperre – das hätten sich vor Balogun schon andere Fussballer gewünscht; passiert ist es an einer WM seit 64 Jahren nicht mehr. Damals, 1962 in Chile, hatte der Weltfussballverband dem Brasilianer Garrincha trotz Rot im Halbfinal die Teilnahme im WM-Final erlaubt, nachdem die brasilianische Regierung bei der Fifa interveniert hatte.Balogun war dem bosnischen Verteidiger Tarik Muharemovic im Sechzehntelfinal unglücklich auf den Knöchel getreten. Der direkte Platzverweis war streng, absichtlich war der Tritt des Stürmers gewiss nicht. Aber die Videobilder der Szene sahen schlimm aus. Und weil sich der Gefoulte bei einer solchen Intervention schwer verletzen kann, blieb dem Schiedsrichter Raphael Claus nach Konsultation der Videobilder nichts anderes übrig, als sich strikt an die Regelauslegung zu halten. Und die sieht in solchen Fällen neuerdings eben einen Spielausschluss vor.Donald Trump freute sich öffentlich über die Begnadigung von Folarin Balogun.Andrew Harnik / GettyDie entscheidende Frage ist deshalb, weshalb die Fifa die Sperre trotzdem aufhob. Und da kommt Donald Trump ins Spiel. Laut einem Bericht der «New York Times» soll der amerikanische Präsident nämlich höchstpersönlich dafür gesorgt haben, dass Balogun im Achtelfinal spielen kann. Demnach soll Trump noch am Mittwoch den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino angerufen und um eine «Überprüfung der Sperre» gebeten haben. Die Zeitung beruft sich auf «drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen»; bestätigt ist Trumps Einflussnahme bisher nicht.Sicher ist nur, dass Infantino und Trump ziemlich beste Freunde sind – nicht erst, seit der Walliser seinem Buddy im Dezember an der WM-Gruppenauslosung in Washington einen eiligst erfundenen Fifa-Friedenspreis überreichte. Und dass Trump den Entscheid auf seiner Plattform «Truth Social» rühmte: «Vielen Dank an die Fifa, dass sie das Richtige getan und eine grosse Ungerechtigkeit rückgängig gemacht hat», schrieb er. Zu seiner Rolle in der Causa schwieg Trump.Die Fifa macht es ihren Kritikern leichtDie Begnadigung Baloguns fügt sich in eine Reihe seltsam anmutender Regeländerungen und -Auslegungen, mit denen die Fifa jüngst mehrfach Kontroversen ausgelöst hat.Begonnen hat es mit Cristiano Ronaldo. Der 40-jährige Star der portugiesischen Auswahl hatte sich im November im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland ein Frustfoul geleistet. Er streckte seinen Gegner Dara O’Shea mit einem Ellbogenschlag nieder, sah nach Intervention des Videoassistenten die Rote Karte und erhielt drei Spielsperren. Womit er die ersten zwei WM-Partien Portugals in Nordamerika verpasst hätte. Doch die Fifa setzte die Spielsperren – wie nun im Falle Baloguns – kurzerhand auf Bewährung aus, was ihr den Vorwurf einbrachte, sie habe dem fünffachen Weltfussballer eine Vorzugsbehandlung gewährt.Während des laufenden WM-Turniers wurde die Kritik, wonach der Verband bestimmte Stars und Teams begünstige, nun noch lauter. Weil die Fifa-Schiedsrichter die Regeln in vergleichbaren Fällen offensichtlich nicht immer gleich anwenden.Als der Paraguayer Miguel Almirón im zweiten Gruppenspiel gegen die Türkei seinen Mund mit der Hand verdeckte, stellte ihn der Referee mit Rot vom Platz. So will es die neue Regel, die Spieler sollen etwaige diskriminierende Äusserungen nicht mehr verschleiern können. Als Jude Bellingham, der Star des englischen Teams, gegen Ghana die gleiche Geste machte, passierte indes: nichts.Und dann war da noch Lionel Messi. Der Superstar, mit sieben Toren gemeinsam mit Kylian Mbappé und Erling Haaland bisher der Top-Torschütze der WM, schoss im Auftaktspiel der Argentinier drei Tore. Zum Zeitpunkt des zweiten Goals hätte er allerdings nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen. Er hatte Algeriens Captain Aïssa Mandi von hinten in die Wade getreten – die Aktion glich jener von Balogun fast aufs Haar. Doch während dieser vom Platz flog, erhielt Messi nicht einmal die Gelbe Karte. Eine konsequente Anwendung der Regel hätte auch da nur einen Schluss zugelassen: den Ausschluss Messis.Die Fifa erntet für die Praxis, ähnliche Vergehen unterschiedlich zu sanktionieren, breites Unverständnis. Sie bestärkt damit ihre Kritiker, die überall Wettbewerbsverzerrung wittern; und zwar ganz unabhängig von Trump. Der Verband könnte das vermeiden, indem er eine simple Einsicht weiterhin beherzigt: Regeln sollten für alle gleichermassen gelten – und nicht hinterher abgeändert werden. Tut sie es doch, droht die Fifa der Integrität des Wettbewerbs zu schaden. Und damit womöglich sich selbst und ihrer Glaubwürdigkeit.Passend zum Artikel
WM 2026: Die Fifa hebt die Sperre gegen den besten US-Stürmer auf – Donald Trump lobt den Entscheid
Folarin Balogun erhielt im Sechzehntelfinal die Rote Karte und folglich eine Sperre, trotzdem ist er nun spielberechtigt. Es ist nicht die erste seltsame Regelauslegung an dieser WM – Kritiker wittern Wettbewerbsverzerrung.










