Der deutsche Leitindex ist auf Rekordjagd. Gegen Mittag sah es so aus, als ob der Dax auch am Montag mit einem neuen Höchststand abschließt. Doch was lässt den Dax auf Höhenflug gehen?Da waren zum einen die nachlassenden Sorgen, dass die Leitzinsen weiter steigen. So überwiegt die Ansicht am Markt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Juli-Sitzung nicht weiter an der Zinsschraube dreht. Eine Erhöhung des Leitzinses wird – wenn überhaupt – für den September erwartet. Die EZB hat ihrerseits Festlegungen vermieden und betont, datenabhängig von Sitzung zu Sitzung entscheiden zu wollen.Der Gipfelsturm des deutschen Leitindex hat aber auch politische Gründe. In der vergangenen Woche hat sich die Koalition aus CDU/CSU und SPD auf Reformen geeinigt mit dem Ziel, die Wirtschaft in Deutschland wieder anzukurbeln.Bei den Anlegern könnten Erinnerungen wach werden. Bereits nach dem Amtsantritt der Regierung im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte die Börse einen Höhenflug in der Hoffnung auf Wirtschaftswachstum. Sollten die Vorschusslorbeeren der Anleger voreilig gewesen sein, so kann sich das Blatt auch schnell wieder wenden. „Nun wird es im nächsten Schritt wichtig sein, dass die angestoßenen Reformen auch zügig umgesetzt werden und nicht in letzter Sekunde doch noch politisch scheitern“, mahnt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, einer Tochtergesellschaft der BNP Paribas.Er gibt zudem zu bedenken, dass die Umsätze an der Börse in den vergangenen Wochen unterdurchschnittlich gewesen sind. „Eigentlich würde man erwarten, dass ein von breitem Marktinteresse getriebener Ausbruch von einem überdurchschnittlichen Handelsumsatz getragen wird. Die relativ schwachen Umsätze setzen ein Fragezeichen hinter die Nachhaltigkeit des Ausbruchs im Dax.“US-Börsen schlagen den DaxDie Hoffnungen des vergangenen Jahres, dass Kapital aus den USA nach Europa und speziell Deutschland fließen könnte, sind jedenfalls verflogen. Kommt der S&P 500 seit Jahresbeginn auf ein Plus von mehr als neun Prozent, muss sich der Dax mit rund fünf Prozent zufriedengeben.Keine Frage, die Börsenmusik spielt derzeit in den USA. Das liegt nicht nur am Megabörsengang von SpaceX, dem wohl weitere, Anthropic und Open AI, folgen werden. Noch deutlicher wird der Klassenunterschied, wenn man auf die Marktkapitalisierung schaut.„Deutschland hat seit Jahresbeginn weiter an Gewicht verloren“, konstatiert die Unternehmensberatung EY. Nur noch Siemens ist aktuell als deutsches Unternehmen in den Top 100 vertreten. Vor einem halben Jahr hatten mit SAP, Siemens und Allianz noch drei deutsche Konzerne zu den Top 100 gezählt. Siemens liegt derzeit mit einem Börsenwert von rund 247 Milliarden Dollar auf Rang 72. SAP belegt mit rund 179 Milliarden Dollar Rang 114, die Allianz liegt mit ebenfalls rund 179 Milliarden Dollar auf Rang 115.Die Top 10 der höchstbewerteten Unternehmen sind weitgehend in US-amerikanischer Hand, so die Erhebung von EY, die halbjährlich durchgeführt wird. Acht der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt haben ihren Hauptsitz in den USA – darunter auch der Neuzugang SpaceX. Das Raumfahrt-/Technologieunternehmen belegt mit einem Börsenwert von 2,25 Billionen Dollar aktuell den sechsten Rang.Angeführt wird das Ranking weiterhin vom Chiphersteller Nvidia, dessen Marktkapitalisierung zum Stichtag bei rund 4,8 Billionen Dollar lag. Auf den weiteren Plätzen folgen Alphabet mit rund 4,3 Billionen Dollar, Apple mit rund 4,2 Billionen Dollar und Microsoft mit rund 2,8 Billionen Dollar. Neben den USA sind in den Top 10 Taiwan mit TSMC und Saudi-Arabien mit Saudi Aramco vertreten.Freilich steht aber auch der US-dominierte KI-Sektor vor seinem vierteljährlichen Lackmustest. „Die Anleger werden die Berichtssaison der großen Technologiekonzerne und der Zulieferer beim Ausbau der Rechenzentren genauestens dahin gehend untersuchen, ob es tatsächlich eine Schwäche bei der Nachfrage gibt“, sagt Stanzl.
DAX auf Rekordhoch: Was treibt den deutschen Leitindex an und was kann ihn bremsen?
So hoch stand der Dax noch nie. Aber warum eigentlich? Die Börsenmusik spielt auf der anderen Seite des Atlantiks. Was die Marktkapitalisierung angeht, trennen deutsche und US-Unternehmen Welten.













