Die bayerische Staatsregierung will den Austausch zwischen den Religionen im Freistaat stärken. Unter Federführung des Innenministeriums hat das Dialogforum Religion und Integration am Montag eine gemeinsame Erklärung abgegeben. „Wir stehen trotz unserer Unterschiede zusammen ein gegen Hass, Hetze und Diskriminierung – und verurteilen Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und jegliche Form von Intoleranz gegenüber Menschen, die ein religiöses Bekenntnis haben“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zur Präsentation der Erklärung. Es gehe um Verständnis füreinander, um ein „friedliches Zusammenleben in unserer immer vielfältiger werdenden Gesellschaft“.Das bayerische Dialogforum Religion und Integration wurde im Herbst 2025 auf Herrmanns Initiative ins Leben gerufen, dessen Haus auch für Integration zuständig ist. Es soll als Plattform für die Vernetzung der Religionsgemeinschaften, Politik, Hochschulen und weiteren Institutionen dienen. Nach Treffen des Forums ohne Öffentlichkeit wollten die Teilnehmer nun gemeinsam nach außen auftreten: mit der Einigkeit, dass der interreligiöse Dialog zentral für die Demokratie und den Zusammenhalt im Land sei.In der gemeinsamen Erklärung, die als Selbstverpflichtung für die zahlreichen Unterzeichner gilt, heißt es: „Wir sind der Überzeugung, dass den Religionen eine Schlüsselrolle für ein friedliches Miteinander auf der Basis der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes und der Bayerischen Verfassung zukommt. Denn sie tragen bedeutende Werte wie Menschenwürde und Solidarität in unsere Gesellschaft und haben das Potenzial zu verbinden, zu integrieren und zu versöhnen.“Alle Unterzeichner wollen daran arbeiten, das Wissen übereinander zu stärken, Räume für konstruktive Begegnungen zu schaffen und die Sicherheit sämtlicher Gotteshäuser und Gebetsstätten als gemeinsames Anliegen zu benennen. Der Fokus beim Thema Sicherheit, so Herrmann, liege derzeit auf jüdischen Einrichtungen. Für andere Religionen gebe es allgemein keine akute Gefahr in Bayern, weltweite Trends aber zeigten, dass die Sicherheitsbehörden zu Recht diese Kernaufgabe des Staates im Blick hätten.Verfassungsschutzbericht für Bayern:Extremisten treten immer gewaltbereiter aufInnenminister Joachim Herrmann sieht eine Bedrohung durch Demokratiefeinde von rechts, links und aus dem Islamismus. Gemein hätten alle Szenen etwa das „gesellschaftszersetzende Gift“ des Antisemitismus.Der Bischof von Augsburg, Bertram Meier, sagte am Montag: „Wir brauchen Austausch statt Einkapselung, Dialog statt Polemik.“ Dem Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, ist es wichtig, dass es jetzt weitergeht nach der Erklärung, dass die Beschlüsse sozusagen mit Leben gefüllt werden. Auch Vertreter etwa der rumänisch-orthodoxen Kirche und des Buddhismus saßen beim Dialogforum mit am Tisch.Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, Rabbiner Elias Dray, sagte: Er sehe in Deutschland und Europa „ein fatales Phänomen“, dass Meinungen nicht mehr nach Verständnis gebildet würden, sondern nach Zugehörigkeit: Wer gehöre zu welcher Gruppe, wer sei folglich gegen wen, ohne jegliche Differenzierung. Der Nahostkonflikt habe die Polarisierungen verschärft und sei „ein Einschnitt für das Sicherheitsgefühl der Juden“ geworden.„Kontaktbruch schafft keinen Frieden“Der Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, lobte, die Erklärung sei „ein Manifest des Vertrauens“, es sei „ein Zeichen zur richtigen Zeit“. Dialog beweise sich nicht in Zeiten der Harmonie, sondern dann, wenn er schmerze. Einfacher wäre es gewesen, sich aus dem Weg zu gehen. „Kontaktbruch schafft keinen Frieden. Wer den Dialog beendet, überlässt das Feld den Lautesten und den Radikalsten.“ Er denke dabei zuerst an die jüngere Generation. Wenn junge Leute Bischöfe, Rabbiner und Imame an einem Tisch sehen, sei dies ein Signal. Auch Hermann erwähnte die jüngere Generation. Eine Erhebung des Instituts Allensbach über Berliner Schulen habe kürzlich gezeigt: Religion könne auch Konfliktherd sein. Die Umfragen hätten ergeben, dass für viele Jugendliche religiöse Regeln Vorrang vor den Regeln der Schule haben, die Folge sei Ablehnung und Diskriminierung von anderen.Der interreligiöse Dialog ist ein Thema, dem sich Innenminister Herrmann erkennbar seit Jahren verschrieben hat. In einem Interview mit der SZ vor zwei Jahren sagte er: Wenn Menschen keine Ahnung hätten, was die Gläubigen in Synagogen oder Moscheen machen und umgekehrt Muslime nichts vom Christentum wüssten, sei das eine Gefahr. „Das macht anfällig für Fake News über andere Religionen und entwickelt Ressentiments.“