Wenige Stunden vor Beginn des Nato-Gipfels in Ankara verschärft sich der Kampf um die Deutungshoheit im Ukraine-Krieg. Die Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj bemüht sich, den westlichen Verbündeten zu vermitteln, dass sich die militärische Dynamik allmählich zugunsten der Ukraine verschiebe. Die Lesart wurde in den vergangenen Wochen in vielen westlichen Hauptstädten gerne aufgegriffen. Entlang der Donbassfront zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab.

Auf den Dächern zerstörter Wohnhäuser der strategisch wichtigen Stadt Kostjantyniwka wehen russische Fahnen. Ob russische Truppen tatsächlich die Stadt vollständig kontrollieren, ist unabhängig kaum zu überprüfen. Denn während der Kreml die Einnahme von Kostjantyniwka bereits als entscheidenden Schritt auf dem Weg zur vollständigen Eroberung des ukrainisch kontrollierten Teils der Region Donezk feiert, weist Kiew dies als Propaganda zurück.

Nato-Gipfel: Milliardenpakete für die Ukraine

Beide Seiten versuchen damit offensichtlich, nicht zuletzt US-Präsident Donald Trump von ihrer jeweiligen Darstellung der militärischen Lage zu überzeugen. Auch der Zeitpunkt erscheint dabei kaum zufällig gewählt. Bereits wenige Stunden nach der russischen Erfolgsmeldung telefonierte Kremlchef Wladimir Putin mit Trump, kurz darauf folgte auch ein Gespräch des US-Präsidenten mit Selenskyj. Im Mittelpunkt der Gespräche stand übereinstimmenden Medienberichten zufolge jeweils nicht nur die Lage an der Front, sondern auch der unmittelbar bevorstehende Nato-Gipfel, auf dem über weitere milliardenschwere Militärhilfen für die Ukraine beraten werden soll.