USA wollen Gelder streichen: Die Stabilisierungsmission in Somalia steht auf der KippeDas Land am Horn von Afrika wird von islamistischen Gruppen terrorisiert, doch die Regierung Trump kapituliert nun: Alle Bemühungen hätten nichts gebracht.Birte Mensing, Nairobi06.07.2026, 11.28 Uhr3 LeseminutenSomalische Soldaten werden ausgebildet. Ob sie es alleine mit den Al-Shabaab-Terroristen aufnehmen können, ist fraglich.Ed Ram / GettyDie Regierung Trump will die Stabilisierungsmission der Afrikanischen Union im Kampf gegen den Al-Shabaab-Terror in Somalia nicht weiter unterstützen. Das geht aus einem Schreiben der amerikanischen Vertretung bei der Afrikanischen Union (AU) hervor.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die USA stellen ab Ende des Jahres keine Gelder mehr zur Verfügung für die Mission zur Unterstützung der Truppen in Somalia – und werden auch nicht für den Weiterbetrieb des Uno-Büros stimmen, das die Mission der AU logistisch unterstützt. Mandate des Uno-Sicherheitsrats können nur verlängert werden, wenn keines der permanenten Mitglieder ein Veto einlegt.Die amerikanische Regierung war bisher einer der zuverlässigsten Partner der Afrikanischen Union in Somalia, auch weil das Land am Horn von Afrika ein wichtiger Schauplatz im Kampf gegen den Terror war. Seit 2007 haben die USA etwa zwei Milliarden Dollar in die Uno-Mission in Somalia investiert sowie zusätzlich 1,6 Milliarden Dollar in militärische Hilfe für Länder, die Soldaten für die Einsatztruppe stellen. Zusätzlich fliegt das amerikanische Afrika-Kommando immer wieder Luftangriffe gegen al-Shabaab, und amerikanische Soldaten sind als Unterstützung der Armee und der AU-Truppe in Mogadiscio stationiert.11 000 Soldaten sollen Frieden bringenDie Afrikanische Union kann auf etwa 11 000 Soldaten zurückgreifen, aus Uganda, Äthiopien, Djibouti, Kenya oder Ägypten. Dazu Hunderte von Polizisten aus Ghana, Nigeria, Sierra Leone und Sambia. Es ist einer der gefährlichsten Einsätze weltweit: Medienberichte sprachen 2023 von mindestens 3500 toten Soldaten seit Beginn der AU-Missionen in Somalia vor knapp 20 Jahren.Ziel der Mission sollte es sein, die Kontrolle über die Sicherheit in Somalia bis 2029 an einheimische Kräfte zu übertragen. Das ist derzeit unrealistisch. Das Uno-Unterstützungsbüro Unsos regelt die komplette Logistik für die Truppe – darunter die Versorgung mit Nahrungsmitteln, medizinischer Hilfe oder Benzin. Ohne die Logistik des Uno-Büros ist der Stabilisierungseinsatz voraussichtlich nicht mehr möglich.Als Grund für den Rückzug gab die amerikanische Vertretung in Addis Abeba fehlende Fortschritte in Somalia an. In dem Schreiben heisst es laut der Nachrichtenplattform «Somali Dispatch», Somalia habe kaum nennenswerte Fortschritte erzielt, während die Al-Shabaab-Terroristen die Kontrolle über bedeutende Gebiete zurückgewännen. Ausserdem sind die Verantwortlichen in Washington desillusioniert: Die jahrelange Hilfe habe kaum Ergebnisse gebracht. Die Lage in Somalia werde nach wie vor von anhaltenden politischen Spaltungen, internen Konflikten und bewaffneten Rivalitäten zwischen Clans geprägt.Ein Bild der Zerstörung nach einem Anschlag der islamistischen Miliz in der Stadt Beledweyne.Abuukar Mohamed Muhidin / Anadolu via ImagoGlückwünsche von RubioAm selben Tag, an dem der Brief an die Afrikanische Union übermittelt wurde, gratulierte der amerikanische Aussenminister Marco Rubio Somalia zum Unabhängigkeitstag und erklärte: «Die Vereinigten Staaten stehen dem somalischen Volk in seinem Kampf gegen Terrorismus und Korruption sowie bei seinen Bemühungen um eine prosperierende Zukunft zur Seite. An diesem Jahrestag blicke ich voller Zuversicht auf das kommende Jahr und freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen den Frieden voranzubringen.»Und noch vor wenigen Wochen hiess es in einer Expertenanalyse des «Atlantic Council», Somalia sei möglicherweise eine der am meisten übersehenen mittel- und langfristigen Investitionsmöglichkeiten in Afrika – und ein Ort, an dem amerikanische Verteidigungsinvestitionen die Voraussetzungen schaffen könnten für Erfolge bei der Terrorismusbekämpfung wie auch für das Wachstum des Privatsektors.Unterschiedliche AU-Missionen arbeiten seit 2007 mit einem Mandat des Uno-Sicherheitsrates an der Seite der Regierung im Kampf gegen die islamistische Terrorgruppe al-Shabaab, die seit Anfang der 2000er Jahre Teile des Landes am Horn von Afrika kontrolliert, derzeit sind es laut Experten etwa 30 Prozent der Landesfläche. Seit 2012 ist al-Shabaab offiziell mit al-Kaida affiliiert.Wahlen als schwieriges UnterfangenSeit Jahren versucht die somalische Regierung direkte Wahlen abzuhalten, doch diese wurden immer weiter aufgeschoben. Nicht nur Kämpfe zwischen der Regierung und al-Shabaab belasten die Bevölkerung, auch der Klimawandel macht Teile des Landes unbewohnbar durch extreme, langanhaltende Dürren. Rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt als Binnenvertriebene in Lagern, dazu kommen mehr als 700 000 Flüchtlinge ausserhalb des Landes.In solchen Flüchtlingslagern leben Zehntausende von Vertriebenen.Feisal Omar / ReutersDer grösste Geldgeber der AU-Stabilisierungsmission in Somalia ist die Europäische Union, die in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 2,8 Milliarden Euro beigetragen hat. Ein EU-Vertreter hatte noch bei einem Gipfel im April erklärt: «Die EU bekräftigt erneut, dass sie ein verlässlicher Partner für Afrika ist. Wir würdigen zudem die Bemühungen der Länder, die Truppen stellen. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit der Bevölkerung Somalias und für die gesamte Region.»Passend zum Artikel
USA stoppen Gelder: Somalia-Mission steht vor ungewisser Zukunft
Das Land am Horn von Afrika wird von islamistischen Gruppen terrorisiert, doch die Regierung Trump kapituliert nun: Alle Bemühungen hätten nichts gebracht.










